Ergebnis der Urwahl wird an diesem Mittwoch bekannt gegeben Grüne wählen ihre Frontleute

Berlin. Wer führt die Grünen in den Wahlkampf? Vier Politiker wollen Spitzenkandidat werden. An diesem Mittwoch wird bekannt, wen die Parteibasis haben will.
18.01.2017, 00:00
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Von Teresa Dapp

Berlin. Wer führt die Grünen in den Wahlkampf? Vier Politiker wollen Spitzenkandidat werden. An diesem Mittwoch wird bekannt, wen die Parteibasis haben will. Die Kandidaten im Check:

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Partei

Die Eltern des Schwaben kamen in den 60ern als türkische Gastarbeiter nach Deutschland. Gern erzählt er von seinem Aufwachsen zwischen zwei Kulturen. Integration ist eines der wichtigsten Themen des Realpolitikers. Bei den Grünen ist der 51-Jährige seit 1981. Er wurde 1994 erster Abgeordneter türkischer Herkunft im Bundestag. 2008 wurde er Parteichef. Der studierte Sozialpädagoge hat zwei Kinder.

Das spricht für ihn: Er ist der bekannteste Bewerber und gefragt als Gesprächspartner in Talkrunden und Nachrichten.

Das spricht gegen ihn: Manche Parteilinke halten ihn für konservativ und für einen Botschafter einer Koalition mit der Union.

Wenn er verliert: Er hat angedeutet, dass er eher nicht noch mal für die Parteispitze kandidieren wird. Er gilt als möglicher Außenminister – falls die Grünen in der Opposition bleiben, ist seine Zukunft offen.

Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion

Der Biologe punktet mit Sachverstand bei Agrar- und Verkehrsthemen. Angriffe auf die Regierung bringt der gebürtige Münchner mit deutlich hörbarem bayerischen Einschlag vor. Ökologie ist für den 46-jährigen Parteilinken ein Markenkern der Grünen, denen er seit 30 Jahren angehört. Toni Hofreiter, wie er sich selbst nennt, zog 2005 in den Bundestag ein. 2013 folgte er Jürgen Trittin als Fraktionschef nach.

Das spricht für ihn: Er ist der einzige Kandidat des linken Flügels der Grünen und steht für das Öko-Image der Partei.

Das spricht gegen ihn: Kritiker bezweifeln, dass Hofreiter Wähler außerhalb der grünen Kernklientel gewinnen kann.

Wenn er verliert: Braucht die Partei ihn trotzdem, um den linken Flügel zu integrieren – da gibt es einen breiten Konsens.

Robert Habeck, Landes-Umweltminister und Vize-Ministerpräsident

Bundesweit ist der Landespolitiker aus Schleswig-Holstein der am wenigsten bekannte Kandidat. Der 47-Jährige ist Schriftsteller und Philosoph. Bei den Grünen ist Habeck seit 2002 aktiv, bereits 2004 wurde er Landesvorsitzender der Partei. Als Energie- und Umweltminister ist die Energiewende eines der großen Themen des vierfachen Vaters.

Das spricht für ihn: Er ist ein neues Gesicht und hat Erfahrung im Regieren. Viele trauen ihm zu, bei Realos und Linken zu punkten.

Das spricht gegen ihn: Häufig ist noch zu hören: Wer ist Habeck?

Wenn er verliert: Für den Landtag will er nicht wieder kandidieren, für den Bundestag nur, wenn er gewinnt. Er gilt als möglicher Nachfolger von Cem Özdemir an der Spitze der Bundespartei.

Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Bundestagsfraktion

Dass die 50-Jährige vor vier Jahren Spitzenkandidatin wurde, überraschte. Nach der Wahl 2013 wurde sie Fraktionschefin, den Job hatte sie schon von 2002 bis 2005. Im Bundestag sitzt sie seit 1998. Die Thüringerin war 1989 an der Gründung der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt beteiligt, die im Bündnis 90 aufging. Die zweifache Mutter, die in der evangelischen Kirche engagiert ist, gehört zum Realo-Flügel. Sie wirkt eher leise und zurückhaltend, kann aber bei Bedarf scharf angreifen.

Das spricht für sie: Als einzige Bewerberin hat sie ihren Platz im Spitzenduo sicher, da eine Frau dabei sein muss.

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