Konjunkturprognose Bremen

Gute Aussichten für den Nordwesten

Experten sagen für Bremen ein starkes Wachstum im nächsten Jahr voraus. Vor allem von der erwarteten Auslandsnachfrage kann das kleinste Bundesland demnach aufgrund seiner Exportstärke profitieren.
27.12.2017, 22:06
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Gute Aussichten für den Nordwesten
Von Lisa Boekhoff
Gute Aussichten für den Nordwesten

Sascha Otto, Leiter des Wertpapier- und Portfoliomanagements der Sparkasse Bremen

Sparkasse Bremen

Wissenschaftler, Kammern und Banker prognostizieren für Bremen und Niedersachsen im nächsten Jahr weiteres Wachstum. Gerade wegen der Exportstärke des kleinsten Bundeslandes sehen ­Experten in ihrem Konjunkturausblick Bremen weiter vorn. Die Aufträge für die Industrie bleiben laut Jan Wedemeier vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) in Bremen 2018 auf einem hohen Niveau – deutschlandweit und in der Hansestadt: „Der Grund ist, dass die globalen Wachstumsaussichten positiv sind und Bremen aufgrund der überdurchschnittlich starken außenwirtschaftlichen Verflechtung hiervon überproportional profitiert.“

Ähnlich schätzt das Sascha Otto, Leiter des Wertpapier- und Portfoliomanagements der Sparkasse Bremen, ein: „Die gute Wirtschaftslage rund um den Globus wird für einen hohen Warenumschlag in den bremischen Häfen sorgen und den damit verbundenen Logistikfirmen viele Aufträge bescheren.“ Harald Emigholz, Präses der Handelskammer Bremen, sieht alle Voraussetzungen gegeben, dass in Bremen erneut ein stärkeres Wachstum als im Bundesschnitt erreicht werden könnte: „Es ist alles dafür angelegt, dass es auch 2018 so weitergeht.“

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Die Bundesbank gehe für die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr von einem Zuwachs von 2,5 Prozent aus – auch dank der starken Nachfrage aus dem Ausland. „Das kommt Bremen zugute, da die Wirtschaft hier sehr exportorientiert ist.“ Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat nach Axel Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Bremer Kreditbank, an Stärke und Breite gewonnen. Das habe positive Auswirkungen etwa auf den Arbeitsmarkt. „Weltweit wächst die Wirtschaft so stark wie seit Jahren nicht mehr.“

Von dieser Entwicklung profitierten die Unternehmen und Arbeitgeber in Bremen und dem niedersächsischen Umland ebenfalls: „Wir erwarten insgesamt eine steigende Investitionsneigung, wenn sich auch einzelne Branchen natürlich unterschiedlich entwickeln werden.“ Lars Köhler, Bereichsleiter Private Banking der Bremischen Volksbank, geht davon aus, dass Unternehmen nun vermehrt in Anlagen und Maschinen investieren werden. Damit stehe die positive Entwicklung auf noch breiterem Fundament.

Zurückhaltend optimistisch

Gute Aussichten für den Elbe-Weser-Raum prognostiziert auch Henrik Gerken, Referent für Volkswirtschaft der Industrie- und Handelskammer Stade: „Die stabile konjunkturelle Entwicklung im Elbe-Weser-Raum wird sich im kommenden Jahr fortsetzen.“ Im vergangenen Jahr habe es eine solide wirtschaftliche Entwicklung gegeben.

Die Unternehmen seien entsprechend zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage. „Zurückhaltend optimistisch zeigen sich die Betriebe beim Blick in die Zukunft. Mehrheitlich rechnen sie mit einem in etwa gleichbleibenden Geschäftsverlauf in 2018.“ Allerdings trübe die Sorge, keine geeigneten Mitarbeiter zu finden, die Aussichten. Mehr als jedes zweite Unternehmen sehe seine Entwicklung durch den Fachkräftemangel gefährdet.

Besonders im Bau- sowie im Verkehrsgewerbe klagten die Betriebe über Probleme. Die haben schwerwiegende Folgen: Die offenen Stellen führten zur Mehrbelastung der Belegschaft und gleichzeitig zu weniger Produktivität. „Aufträge sind mit langen Wartezeiten verbunden oder müssen abgelehnt werden. Der Fachkräftemangel wird damit zur Wachstumsbremse für die Unternehmen“, so Gerken.

Vor großen Herausforderungen

Jan Wedemeier vom HWWI sieht in Bremen noch andere strukturelle Probleme – nach wie vor. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei überdurchschnittlich hoch, im Bildungsbereich gebe es große Defizite. „Entwicklungsbedarf und Investitionsstau gibt es in den Kindergärten, den Berufsschulen und auch in den Hochschulen.“ Um die Standortbedingungen zu verbessern, fordert Wedemeier eine „dynamische und geschlossene Umsetzung“ der notwendigen Korrekturen von Politik und Verwaltung.

„Damit die weltwirtschaftliche Wachstumsphase mitgenommen wird, bevor es zu einer konjunkturellen Eintrübung kommt“, sagt er. Harald Emigholz sieht Bremen ebenfalls vor großen Herausforderungen: „Sie erfordern konsequentes Handeln, damit Bremens wirtschaftliche Bilanz auch künftig so positiv ausfällt.“

In den kommenden Jahren sei es für den Wirtschaftsstandort entscheidend, ob es gelingt, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, betont auch Dennis Rodiek, zuständig für das Wealth Management von Berenberg in Bremen. „Basis dafür ist auch eine Politik, die es für Unternehmen attraktiv macht, in Bremen zu investieren.“

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