Kommentar über die CSU

Gute Vorsätze

Die CSU ist eine Meisterin der Selbstinszenierung, meint unser Autor Ralf Müller. Trotz harter Machtkämpfe in der Vergangenheit präsentieren sich die Christsozialen in „legendärer Geschlossenheit“.
20.01.2019, 21:38
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Ralf Müller
Gute Vorsätze

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wurde beim Sonderparteitag mit 87,4 Prozent zum neuen CSU-Vorsitzenden gewählt.

Tobias Hase /dpa

Eines muss man der CSU lassen: Sie ist eine Meisterin der Selbstinszenierung. Auch wenn in den vergangenen Monaten noch so viel schiefgegangen ist, schafft sie es doch immer wieder, sich in ihren Parteitagen als größte, schönste und beste politische Kraft aller Zeiten darzustellen. Und auch wenn man sich zuvor in harten Machtkämpfen verwickelt hat, haben die Christsozialen die Fähigkeit, sich in „legendärer Geschlossenheit“ zu präsentieren. Möglich macht es der unbedingte Wille und die Möglichkeit zur Macht.

Pleiten, Pech und Pannen der beiden vergangenen Jahre vergessen zu machen, ist für die CSU ja auch die einzig sinnvolle Strategie. Der Wechsel an der Spitze des Freistaats und der Partei signalisiert einen Neuanfang. Zumal der neue Regierungs- und Parteichef Markus Söder immer wieder beteuert, ein „Weiter so“ werde es nicht geben. Das heißt: Korrekturen vor allem in der Europa- und Umweltpolitik der Partei und im Erscheinungsbild. Das soll jünger und weiblicher werden, aber das wollte auch schon Vorgänger Horst Seehofer. Bisher hat es nicht so recht geklappt.

Lesen Sie auch

Die 87,42 Prozent für Söder sind nicht toll. Seehofer hatte es bei seiner ersten Wahl zum Parteichef auf 90,3 Prozent gebracht. Aber seit Ex-SPD-Hoffnungsträger Martin Schulz mit 100 Prozent für nur recht kurze Zeit inthronisiert wurde, haben allzu hohe Ergebnisse ihre Attraktivität eingebüßt.

Jetzt heißt die Devise „Profil mit Stil“, Achtsamkeit in der Wortwahl und Konzilianz im Umgang, auch und gerade mit der Schwesterpartei. Dem wenig erfolgreichen „Ja aber“-Europawahlkampf 2014 soll in diesem Jahr eine proeuropäische Kampagne folgen. Doch ein undifferenziertes „Ja zu Europa“ reicht nicht. Ein „Weiter so“ ist auch auf EU-Ebene das, was spätestens beim nächsten Mal in den nationalistisch-populistischen Abgrund führen dürfte. Es ist daher richtig und nötig, dass die CSU sagt, wie sie sich eine EU vorstellt. Erste Pflöcke hat Spitzenkandidat Manfred Weber bereits eingeschlagen. Der Mann hat offensichtlich für Europa das, was bei vielen nationalen Politikern in letzter Zeit schmerzlich vermisst wird: einen Plan.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+