Acht-, Neunt- und Zehntklässler beteiligen sich an der Juniorwahl 2013 / Vorbereitung im Politikunterricht Gymnasiasten proben Niedersachsenwahl

Die niedersächsische Landtagswahl hat in den vergangenen Wochen einen Großteil des Politikunterrichts am Gymnasium Lemwerder geprägt. Gestern waren die Acht-, Neunt- und Zehntklässler der Schule aufgerufen, selbst an die Wahlurne zu treten: zur Juniorwahl 2013.
18.01.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Gymnasiasten proben Niedersachsenwahl
Von Barbara Wenke

Die niedersächsische Landtagswahl hat in den vergangenen Wochen einen Großteil des Politikunterrichts am Gymnasium Lemwerder geprägt. Gestern waren die Acht-, Neunt- und Zehntklässler der Schule aufgerufen, selbst an die Wahlurne zu treten: zur Juniorwahl 2013.

Lemwerder. Die Menschentraube vor der Bücherei des Gymnasiums ist groß. Insbesondere die älteren Schüler drängeln sich vor den beiden kleinen Bibliotheksräumen. Die Schlange ist so lang, weil Wahlhelferin Felina die Schüler nur in Zweiergrüppchen durch die Eingangstür lässt.

Harry Potter, Ronja Räubertochter und Co haben an diesem Morgen allerdings keine Chance. Der erste Gang der Wartenden führt sie nicht zu den literarischen Werken des zweiten Raumes, sondern zu Liane, Marvin und Svenja, die hinter einem langen Tisch im ersten Raum auf Kundschaft warten. Die Bücherei in ihrer Funktion als Ausleihstelle blieb gestern Vormittag geschlossen. Vielmehr dienten die Räume als Wahllokal, denn das Gymnasium Lemwerder beteiligt sich im Vorfeld der 17. niedersächsischen Landtagswahl am kommenden Sonntag erstmals an der landesweiten Juniorwahl.

Bereits vor den Weihnachtsferien hatten die ersten Politiklehrer in den Jahrgängen acht, neun und zehn das Thema auf den Stundenplan gesetzt. "Uns ist wichtig, die Aufmerksamkeit auf die Wahl zu lenken", begründet Politiklehrer Arne Warnken. Er habe seine achte Klasse beispielsweise beauftragt, Wahlplakate hinsichtlich Aufmachung und Slogan zu begutachten. Des Weiteren verglichen die Schüler die Wahlbeteiligungen an den vergangenen Bundestags-, Landtags- und Europaparlamentswahlen.

Intensiver besprochen wurden im Vorfeld der Wahl auch Aufbau und Aufgaben des Landtags. Dass sich die Zusammensetzung der Landespolitik auf die Politik im Bund auswirkt, habe ein Exkurs zum Thema Bundesrat gezeigt, berichtet Arne Warnken. Die Acht-, Neunt- und Zehntklässler haben sich ferner mit den Wahlprogrammen der unterschiedlichen Parteien beschäftigt. Um zu erfahren, welches Parteiprogramm die meisten Übereinstimmungen mit ihren eigenen politischen Überzeugungen aufweist, haben sich die Gymnasiasten im Internet am Wahl-o-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung beteiligt. "Das war spannend", resümiert Arne Warnken. "Für mich ist beispielsweise eine Partei herausgekommen, die ich gar nicht erwartet habe", gibt der Lehrer zu.

Der Politikpädagoge rät aber zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Ergebnissen des Internetinstruments. Für ein Mädchen habe der Wahl-o-Mat beispielsweise herausgefunden, dass sie die meisten Übereinstimmungen mit der rechtsextremen NPD aufweise. Er könne sich aber überhaupt nicht vorstellen, dass die betroffene Person tatsächlich rechtes Gedankengut verherrliche. Häufig komme es auf Nuancen an. Der Wahl-o-Mat stelle beispielsweise die Frage nach einem Mindestlohn – ohne Abstufungen zu treffen. Dabei mache es doch laut Warnken einen erheblichen Unterschied, ob man einem Mindestlohn von 7,50 Euro für alle Arbeiter zustimme oder sich für einen Mindestlohn von zehn Euro für Deutsche ausspreche. Der Wahl-o-Mat unterschiede hingegen nicht.

Ohne Benachrichtigung keine Wahl

Den Lemwerderaner Gymnasiasten sind in den vergangenen Wochen Wahlbenachrichtigungen für die Juniorwahl zugestellt worden, genau wie ihren Eltern oder volljährigen Freunden und Verwandten für die niedersächsische Landtagswahl. Diese Wahlbenachrichtigungen hatten sie mitzubringen, um im schulischen Wahllokal aktiv werden zu können.

Ein Mädchen lehnte während der ersten großen Pause mit unglücklichem Gesicht am Türrahmen der Bücherei. Auch sie hätte gerne ihre Stimme abgegeben, hatte ihre Wahlbenachrichtigung aber zu Hause liegen lassen. Wie im echten Leben verweigerte das aus Liane, Marvin und Svenja bestehende Wahlkomitee die Beteiligung.

Die übrigen Wähler händigten Liane die Wahlbenachrichtigung aus und zeigten einen Ausweis vor, ließen sich von Marvin in der Wählerliste abhaken und anschließend von Svenja über die Vorgehensweise belehren. Mit dem blass gelbfarbenen Stimmzettel in der Hand, auf dem links die Einzelbewerber und rechts die zur Wahl antretenden Partien aufgeführt waren, begaben sie sich in die Wahlkabine des Nachbarraumes und steckten ihre ausgefüllten Zettel anschließend in die versiegelte Wahlurne. Felina und Pierre achteten in dieser Pause penibel darauf, dass die Zettel korrekt gefaltet und keine Fremdkörper durch den Schlitz geschoben wurden.

Bis zum Ende der ersten großen Unterrichtsunterbrechung war die Wahlbeteiligung gestern Morgen mau. "Nur knapp die Hälfte der Wahlberechtigten war bis jetzt hier", sagt Marvin nach Durchsicht seiner Listen. Eine Pause blieb den Juniorwählern noch. Zudem darf eine achte Klasse heute Morgen vor Unterrichtsbeginn noch an die Urne, weil sie gestern ein Seminar außer Haus besuchte.

Die Zehntklässler des Gymnasiums beteiligten sich per Briefwahl. Sie befinden sich derzeit im Betriebspraktikum und bleiben der Schule somit erlaubt fern. Die Ergebnisse der Juniorwahl 2013 werden Sonntagabend um 18 Uhr parallel zu den ersten Hochrechnungen der echten Landtagswahl veröffentlicht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+