Über Toleranz und Zusammenhalt Hanseatische Weltoffenheit

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung untersuchte den Zusammenhalt in Deutschland. Und kommt dabei teilweise zu überraschenden Ergebnissen, meint unser Autor Norbert Holst.
11.12.2017, 22:36
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Hanseatische Weltoffenheit
Von Norbert Holst

Es ist ja oft eine Crux mit diesen Ländervergleichen in Studien. Welche Landsleute identifizieren sich am stärksten mit ihrer Heimat? Natürlich die „Mir san mia“-Vertreter aus dem Bayernland, so mag man glauben. Falsch: Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind noch ein kleines Stück weit heimatverbundener als die Bayern, wenn auch nur um drei Prozentpunkte.

Die Bertelsmann-Stiftung hat nun einen Ländervergleich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt vorgelegt. Der Wert dieser Studie – die das Forscher-Team Regina Arant, Georgi Dragolov und Klaus Boehnke von der Bremer Jacobs University durchgeführt hat –, liegt weniger in einzelnen Prozentwerten. Erst der Vergleich und die Gesamtschau verschiedener Faktoren offenbaren die richtig interessanten Ergebnisse.

So wird der gesellschaftliche Zusammenhalt in allen deutschen Bundesländern mit 57 bis 63 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Das ist bemerkenswert angesichts der Unkenrufe über ein tief gespaltenes Land. Die Erklärung: Laut der Studie sehen viele Menschen ihr persönliches Lebensumfeld deutlich positiver als das, was sie für den Zustand Deutschlands halten.

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Alles gut? Nein, denn eine erschreckend hohe Zahl von drei Viertel der Befragten hat den Eindruck, dass der Zusammenhalt zumindest teilweise gefährdet ist. Das ist eine Mahnung an die Politik: Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger glaubt, dass der Reichtum ungerecht verteilt ist. Thema der Studie ist auch die Aufgeschlossenheit der Menschen gegenüber Migranten.

So haben rund 80 Prozent der Deutschen nichts dagegen, wenn ein Ausländer in die Nachbarwohnung einzieht. Das klingt auf den ersten Blick gut. Allerdings bedeutet der Wert auch: Jeder fünfte Deutsche lehnt einen ausländischen Nachbarn ab. In Bremen liegt die Ablehnung bei „nur“ 14 Prozent, das ist der zweitbeste Wert aller Bundesländer. Es gibt sie eben doch, die gute alte hanseatische Weltoffenheit.

norbert.holst@weser-kurier.de

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