Diktator Kim lässt Mentor verhaften

Hoffnung auf Reformen erstickt

Pjöngjang (lee). In seltener Offenheit hat das stalinistische Regime in Nordkorea die Entmachtung des einflussreichen Onkels von Diktator Kim Jong Un bestätigt.
10.12.2013, 00:00
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Hoffnung auf Reformen erstickt
Von Felix Lee

In seltener Offenheit hat das stalinistische Regime in Nordkorea die Entmachtung des einflussreichen Onkels von Diktator Kim Jong Un bestätigt.

Vorgeworfen wird Jang Song Thaek so ziemlich alles, was in Nordkorea als verrufen gilt: Drogenkonsum, Verschwendung, Korruption, unzüchtiger Umgang mit mehreren Frauen, Verschwendung von Devisen in ausländischen Kasinos und konterrevolutionäre Umtriebe. Jang war unter anderem Vizevorsitzender der Verteidigungskommission, die das wichtigste Entscheidungsgremium des Regimes ist. Der südkoreanische Geheimdienst hatte bereits vor einer Woche von der Festnahme des 67-Jährigen berichtet. Doch erst seit gestern ist es offiziell.

Als „Graue Eminenz“ hatte Jang großen Einfluss auf den kommunistischen Apparat. Er soll seinen Neffen in das politische Geschäft eingearbeitet haben. Gemeinsam wollten sie den letzten noch verbliebenen stalinistisch regierten Staat zumindest wirtschaftlich öffnen. Jang wurde bereits als großer Reformer gefeiert. Doch offensichtlich ist er Kim zu mächtig geworden. Kim habe sich in den vergangenen Jahren eine solide Machtbasis aufgebaut und brauche keinen Aufpasser mehr, meint der Nordkorea-Experte Paik Hak Soon vom Sejong-Institut im südkoreanischen Seoul. Er geht davon aus, dass Jang „nie mehr in die Politik zurückkehren“ werde.

Der Bruch zwischen Onkel und Neffen dürfte für die meisten Nordkoreaner allerdings keine gute Nachricht sein. Zwar hat Kim immer wieder beteuert, er wolle Nordkorea ausländischen Investoren öffnen und auf diese Weise für Wohlstand in seinem bislang völlig verarmten Land sorgen. Aber ohne die Unterstützung seines Onkels schwinden die Hoffnungen auf eine schnelle Umsetzung. Denn anders als Jang ist Kim kein Wirtschaftsexperte.

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