Kommentar zu Nord- und Südkorea

Hoffnung

Die Charme-Offensive von Diktator Kim Jong Un ist kühl kalkuliert, mindert aber zumindest die Gefahr einer militärischen Eskalation, meint Politikredakteur Joerg Helge Wagner.
09.01.2018, 20:37
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Von Joerg Helge Wagner
Hoffnung

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

dpa

Verrückt ist Nordkoreas Diktator Kim Jong Un sicher nicht. Kühl nutzt er nun drei Umstände, seinen Militär- und Hungerstaat aus der Isolation zu führen: Südkorea hat jetzt eine linksliberale und US-skeptische Regierung, in Washington ist der Präsident mit Selbstverteidigung ausgelastet und ein nahes Weltsport-Ereignis bietet sich als Bühne an. Die Teilnahme nordkoreanischer Sportler an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang ist jedoch bloß Dekoration. Solche Symbolik gab es ja schon: 2000 in Sydney, 2004 in Athen und 2006 in Turin marschierten Athleten beider Staaten unter gemeinsamer Flagge in die Stadien.

Dann aber verschärfte Nordkorea sein Atomwaffenprogramm, das seitdem rapide Fortschritte gemacht hat. Nichts spricht dafür, dass Kim es nun oder irgendwann aufgeben will. Sein Chefunterhändler protestierte am Dienstag schon energisch, weil das Wort „Denuklearisierung“ in der gemeinsamen Erklärung auftauchte. Also alles hoffnungslos? Nicht ganz: Die Wiederaufnahme von Gesprächen kann zumindest das Risiko militärischer Zwischenfälle senken. Kims Charme-Offensive zeigt zudem: Sanktionen gegen ihn sind nicht wirkungslos.

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