Kremlkritiker

Hunderte Festnahmen bei Pro-Nawalny-Demos in Russland

„Ein Arzt für Nawalny!“: In mehr als 50 russischen Städten gibt es Proteste gegen die Behandlung des inhaftierten Kremlkritikers. In Moskau werden zwei führende Nawalny-Mitarbeiterinnen festgesetzt.
21.04.2021, 16:07
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Hunderte Festnahmen bei Pro-Nawalny-Demos in Russland

Die russischen Behörden hatten davor gewarnt, an den nicht genehmigten Protesten für Kremlgegner Nawalny teilzunehmen. Viele Russinnen und Russen hielt das nicht ab - wie hier in St. Petersburg. Foto: Dmitri Lovetsky/AP/dpa

Dmitri Lovetsky / dpa

In Russland sind bei Demonstrationen zur Unterstützung des im Straflager inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny Hunderte Menschen festgenommen worden.

Das Menschenrechtsportal ovdinfo.org listete am frühen Abend für mehr als 50 Städte über 400 Festnahmen auf. Die Menschen riefen zu Tausenden „Freiheit für Nawalny“ und forderten, dem in Haft schwer erkrankten 44-Jährigen ärztliche Hilfe zu leisten. Nawalny ist seit drei Wochen im Hungerstreik, um so eine Behandlung von einem unabhängigen Arzt zu erwirken.

Die Behörden hatten davor gewarnt, an den nicht genehmigten Protesten teilzunehmen. In der russischen Hauptstadt waren im Zentrum Tausende Menschen auf den Beinen, um Nawalny zu unterstützen. Viele forderten - wie in vielen Städten des Landes - den Rücktritt des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sie werfen dem Kremlchef eine Unterdrückung Andersdenkender vor und riefen „Freiheit! Freiheit!“.

Die Proteste hatten im flächenmäßig größten Land der Ende zunächst im äußersten Osten an der Pazifikküste begonnen. Auch in Sibirien gingten Tausende auf die Straße. In St. Petersburg, der Heimatstadt des Kremlchefs, riefen viele Menschen „Putin ist ein Mörder!“, „Freiheit für politische Gefangene!“ und „Ein Arzt für Nawalny!“, wie der Internetfernsehsender Doschd zeigte.

Am Vormittag waren in Moskau bereits zwei führende Mitarbeiterinnen Nawalnys in Polizeigewahrsam genommen worden: seine Pressesprecherin Kira Jarmysch auf dem Weg zum Einkaufen und die Juristin Ljubow Sobol in einem Taxi.

Die Sicherheitskräfte verhielten sich zumindest in Moskau anders als bei den Protesten im Winter zunächst etwas zurückhaltender, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur an Ort und Stelle berichtete. Viele Straßen waren aber gesperrt im Zentrum. Zuletzt hatte es Tausende Festnahmen und massive Polizeigewalt gegen die Nawalny-Unterstützer gegeben.

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