Bürgerschaftsabgeordneter Alexander Tassis

Im Kleinkrieg mit der eigenen Basis

Es gibt in der AfD nicht allzu viele bekennende Homosexuelle mit Migrationshintergrund. Die beiden Eigenschaften dürften für die politische Karriere von Alexander Tassis Hemmschuh und Motor zugleich sein.
25.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Im Kleinkrieg mit der eigenen Basis
Von Jürgen Theiner

Es gibt in der AfD nicht allzu viele bekennende Homosexuelle mit Migrationshintergrund. Die beiden Eigenschaften dürften für die politische Karriere des Bürgerschaftsabgeordneten Alexander Tassis Hemmschuh und Motor zugleich sein.

Einerseits sind in der Mitgliedschaft, die von Männern gesetzteren Alters dominiert wird, Vorbehalte gegen Schwule und Zuwanderer verbreitet. Andererseits kann die Bundespartei Leute wie Tassis wunderbar vorzeigen: Seht her, die Klischees, die der AfD anhaften, stimmen gar nicht!

An Ehrgeiz, es in der Partei weit zu bringen, mangelt es dem 46-Jährigen jedenfalls nicht. Politisch aktiv ist er seit seiner Volljährigkeit, und in der AfD glaubt er, die richtige Plattform gefunden zu haben. Tassis, Sohn aus deutsch-griechischer Ehe und in Athen geboren, kam schon als Zweijähriger nach Deutschland. Als Schüler, so sagt er von sich selbst, habe er eine große Bewunderung für die deutsche Kultur entwickelt, „aber hier war Multikulti angesagt und Stolz auf alles, was irgendwie als typisch deutsch galt, verpönt“. Das ärgerte Tassis.

Als Heranwachsender trat er bei den Christdemokraten ein und blieb dort zwanzig Jahre, bis ihm auch die Merkel-CDU kein verlässliches Bollwerk mehr war gegen die „Islamisierungspolitik“, die Deutschland auf breiter Front verändere. 2013 gehörte der Historiker zu den Gründungsmitgliedern des Bremer AfD-Landesverbandes. 2015 katapultierte ihn der Siegeszug der damals noch vom Euro-Skeptiker Bernd Lucke geführten Partei gemeinsam mit drei Mitstreitern in die Bürgerschaft.

Kurz nach der Wahl stand die Bremer AfD vor einem Scherbenhaufen

Die Freude währte allerdings nicht lange. Schon kurz nach der Wahl stand die Bremer AfD vor einem Scherbenhaufen. Als auf Bundesebene Lucke und sein rechtsliberaler Flügel absprangen, folgten ihm drei der vier Bremer Abgeordneten und gründeten eine eigene Gruppe, die inzwischen als Liberal-Konservative Reformer (LKR) firmiert.

Tassis hält seither allein die Stellung. Als einzelner Abgeordneter im Politikbetrieb eines Landesparlaments zu bestehen, wäre schon schwierig genug, doch Tassis liegt schon länger auch mit der Mehrheit seiner eigenen Partei im Streit. In der Bremer AfD gärte es nach dem Rückzug des Lucke-Flügels weiter, wobei weniger programmatische als persönliche Differenzen eine Rolle spielten. Tassis und die wichtigsten Vorstandsmitglieder um Landeschef Frank Magnitz konnten sich schlicht nicht aufs Fell gucken. Die Magnitz-Truppe überzog Tassis mit Parteiausschlussverfahren, drei sollen noch anhängig sein.

"Herr Tassis nähert sich uns wieder an"

Zuletzt war eine gewisse Mäßigung zu erkennen. „Herr Tassis nähert sich uns wieder an. Ich akzeptiere das und erkenne es an“, sagt Magnitz. Tatsächlich legte Tassis' Stimmverhalten auf dem Satzungsparteitag des Landesverbandes Anfang des Jahres nahe, dass hinter den Kulissen zumindest eine Art Burgfrieden zustande gekommen ist, der weiteren Schaden von der AfD im heraufziehenden Bundestagswahlkampf abwenden soll.

An der Parteibasis bleibt Tassis allerdings nach wie vor umstritten. Am vergangenen Wochenende erzielte er auf dem Nominierungsparteitag für die Bundestagswahl bei seiner Bewerbung für Listenplatz drei ein mageres Ergebnis. Obwohl ohne Gegenkandidaten, entfielen auf ihn nur 22 von 40 Stimmen. 18 Mitglieder stimmten gegen ihn.

Angesicht der Stimmung in seinem Landesverband sucht Tassis schon länger die bundespolitische Bühne – für den Fall, dass er daheim vollends in Ungnade fallen sollte. Er ist Sprecher der „Alternativen Homosexuellen“, agiert im Vorstand der „Alternativen Vereinigung der Arbeitnehmer“ und gehört der Führungsriege der „Patriotischen Plattform“ an. Diese Gruppierung markiert innerhalb der AfD den rechten Rand. Sie sympathisiert mit dem thüringischen AfD-Landeschef Björn Höcke, der immer wieder durch radikale Polemik auffällt.Tassis ficht das nicht an. Kürzlich wurde er in der Bürgerschaft während einer Rede durch Zwischenrufe aufgefordert, sich zu Höcke zu erklären. Das tat Tassis dann auch in der gewünschten Deutlichkeit: „Ich distanziere mich garantiert nicht von Herrn Höcke“, ließ er wissen.

Hier geht's zum AfD-Dossier:

AfD-Dossier

Die AfD entwickelt sich zu einer relevanten politischen Kraft. In diesem Dossier geht es um die Aufstieg, die Köpfe und die Inhalte der Partei. mehr »

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+