Corona-Impfungen

Die USA ringen mit Skeptikern

In den USA laufen die Corona-Impfungen in einem rasanten Tempo. Aber es muss auch Überzeugungsarbeit geleistet werden: Rund ein Viertel der US-Amerikaner lehnt den Schutz ab.
15.04.2021, 05:00
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Die USA ringen mit Skeptikern
Von Thomas Spang
Die USA ringen mit Skeptikern

Parkplätze in den USA wurden von den Gesundheitsbehörden in „Drive-Thru“-Impfkliniken verwandelt.

Mark Mulligan

Dean (59) trägt die weiße Karteikarte der Gesundheitsbehörde CDC immer bei sich. Darauf stehen sein Name, das Geburtsdatum sowie genaue Angaben darüber, wann er die erste und zweite Covid-19-Impfung erhalten hat. „Ich fühle mich befreit“, sagt der Elektriker. Wie Millionen Amerikaner, die nach einem Jahr mit Lockdowns, sozialem Abstand und Inkompetenz der abgewählten Regierung Licht am Ende des Tunnels sehen.

Joe Biden machte nach seiner Amtsübernahme den Kampf gegen die Pandemie zur obersten Priorität seiner Präsidentschaft. Er versprach 100 Millionen Impfungen in den ersten 100 Tagen. Dafür sicherte er ausreichende Mengen an den drei zugelassenen Impfstoffen von Biotech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson.
In einem rasanten Tempo organisierte Bidens Covid-19-Team zusammen mit den für die Impfungen zuständigen 50 Staaten die Verteilung der Impfstoffe in Drogerieketten, Kirchen, Sportarenen, Gemeindezentren, Schulen und auf Parkplätzen, die die Gesundheitsbehörden in „Drive-Thru“-Impfkliniken verwandelten.

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Mit rund drei Millionen Impfungen am Tag hat die neue Regierung ihr Ziel bereits weit übertroffen. Bleibt es bei diesem Tempo, könnte Amerika am 4. Juli nicht nur seine Unabhängigkeit als Nation, sondern auch die von dem tödlichen Virus feiern.

Dean erhielt seine Impfung in einer Walgreens-Drogerie vor den Toren von Georgetown in South Carolina. Dass er sich impfen lassen würde, war für ihn eine ganz klare Entscheidung. Angesichts der mehr als 550.000 Covid-19-Toten hielt Dean das Risiko einer Infektion mit schweren gesundheitlichen Folgen für wesentlich höher als mögliche Komplikationen durch die Impfung.

In Staaten wie South Carolina leben jedoch zwei Problemgruppen, die von den Gesundheitsbehörden nur schwer zu erreichen sind: weiße Republikaner, die dank der Politisierung der Pandemie durch Donald Trump nicht an die Wirksamkeit von Vakzinen glauben, und Schwarze, die zögern, weil sie in der Vergangenheit bei der Erprobung eines Syphilis-Impfstoffs als Versuchskaninchen missbraucht wurden.

Dass rund ein Viertel der Amerikaner in Umfragen angibt, sich nicht impfen lassen zu wollen, stellt aus Sicht von Gesundheitsexperten ein größeres Problem dar als die Verfügbarkeit von Vakzinen. Der Top-Impfexperte des Weißen Hauses, Anthony Fauci, sagt, eine Rückkehr zu einem normalen Leben wäre möglich, wenn zwischen 70 und 85 Prozent der Bevölkerung geimpft würden. Alles darunter könne die sogenannte Herdenimmunität verhindern.

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Der Meinungsforscher Frank Luntz betont, vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung der Gesundheitsbehörde CDC bedenklich, mit dem Einsatz von Johnson & Johnson-Vakzinen wegen einzelner Komplikationen zu pausieren. Tatsächlich handelt es sich um ein geringes Risiko. Von fast sieben Millionen mit Johnsen & Johnsen geimpften Amerikanern entwickelten sechs Frauen Komplikationen, die zu Blutgerinnseln im Gehirn führten. Wobei nicht einmal bewiesen ist, ob ein direkter Zusammenhang besteht. Das Problem wird in den USA aus Sicht der Experten weniger in der Versorgung mit Vakzinen bestehen als in der notwendigen Überzeugungsarbeit bei den Problemgruppen.

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