Deutschen Bischofskonferenz in Ingolstadt

In der katholischen Kirche ist mehr Solidarität nötig

Am Montag kommen die 66 Mitglieder der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zusammen - sie haben viel zu besprechen, die Abwesenheit vieler Bischöfe bei der letzten Sitzung zum Beispiel.
17.02.2018, 21:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Benjamin Lassiwe
In der katholischen Kirche ist mehr Solidarität nötig
dpa

Als die Mitglieder des Schulausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft jüngst im altehrwürdigen Kaisersaal des Hamburger Rathauses zusammenkamen, fehlten die wichtigsten Gäste: Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und die Mitarbeiter des Erzbischöflichen Ordinariats, die über die finanziell bedingte Schließung von acht katholischen Schulen in der Hansestadt Auskunft geben sollten, glänzten durch Abwesenheit. Es sei nicht gelungen, „Bedingungen für die Teilnahme des Erzbistums“ zu klären, heißt es in einer Pressemitteilung der Diözese. Dümmer hätte man sich nicht verhalten können – vorbehaltlose Gesprächsbereitschaft wäre der einzig gangbare, richtige Weg gewesen.

Wenn am Montag die 66 Mitglieder der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Ingolstadt zusammenkommen, werden sie deswegen mit ihrem Hamburger Kollegen wohl einiges zu besprechen haben. Doch Hamburg ist kein Einzelfall : Immer wieder stolpern Deutschlands katholische Bischöfe über banalste PR-Fehler. Trotz des überstandenen Missbrauchsskandals, trotz der Badewanne von Limburg scheint ein stimmiges Krisenmanagement im Umgang mit der säkularen Öffentlichkeit immer noch ein Fremdwort zu sein.

Prinzipiell auf dem richtigen Weg

Für die Bischöfe muss das schon deswegen ein Thema werden, weil mit dem gastgebenden Bistum Eichstätt – neben Hamburg – ein zweites Bistum unter einem Finanzskandal ächzt. Doch der Fall des völlig überschuldeten Erzbistums Hamburg zeigt auch, dass die Bistümer über einen Finanzausgleich innerhalb der Bischofskonferenz nachdenken müssen. Wenn die derzeit noch guten Kirchensteuereinnahmen dank der Überalterung der Gemeinden in den nächsten Jahren nicht mehr sprudeln, werden mehrere Diözesen in ernste Schwierigkeiten kommen. Zum Beispiel das Bistum Magdeburg, dessen Haushalt seit Jahren unter einem fehlgeschlagenen Immobilieninvestment leidet. Dort kann die katholische Kirche schon heute nur dank hoher Zuschüsse aus dem Westen existieren. Doch auch das Bistum Essen oder das Bistum Hildesheim stehen finanziell nicht rosig da. Und das Bistum Mainz erwirtschaftete 2016 einen Fehlbetrag von rund 18 Millionen Euro – während etwa das Kölner Erzbistum über ein in Milliarden zu bemessendes Vermögen verfügt. Neben einem deutlich transparenteren und solideren Umgang mit den Finanzen in den Bistümern werden die Bischöfe in Ingolstadt über innerkirch-liche Solidarität nachdenken müssen.

Immerhin: Die in den vergangenen Jahren veröffentlichten Finanzberichte zeigen ebenso wie das Einschalten der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young in Hamburg, dass man prinzipiell auf dem richtigen Weg ist. Was auch die inhaltlichen Themensetzungen der Bischofskonferenz zeigen: Intensiv will man sich in Ingolstadt mit der anstehenden Jugendsynode in Rom beschäftigen, und dabei auch die Jugendarbeit in den deutschen Diözesen thematisieren. Was zugleich eine Beschäftigung mit der Zukunft der Kirche darstellt.

Schwierigkeiten mit dem Geld

Schwieriger dürften andere Debatten werden: Nachdem man das drängende Problem des Kommunion-Empfangs für Katholiken, die nach einer Scheidung wieder heiraten, dadurch klärte, dass man im Dezember eine Einzelfallregelung beschloss, steht nun noch die Frage des Abendmahls für konfessionsverschiedene Paare auf der Tagesordnung. Vor allem der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, hatte in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er wenig Raum für Fortschritte sehe. Doch gerade nach den ökumenischen Erfolgen des Lutherjahrs 2017 wäre es wichtig weiterzukommen. Und bei einem Gesprächstag mit Bischöfen aus Osteuropa werden Deutschlands katholische Oberhirten wohl das Thema Flüchtlinge ansprechen – was angesichts der Blockade durch Länder wie dem mehrheitlich katholischen Polen spannend wird.

Und dann sind da noch Äußerungen des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, der sich vor einigen Wochen für eine Segnung homosexueller Paare im Rahmen einer Einzelfallregelung aussprach. Was den nie um ­abstruse, fundamentalistische Äußerungen verlegenen, pensionierten österreichischen Weihbischof Andreas Laun dazu veranlasste, den Segen für Homosexuelle mit dem Segen für ein KZ zu vergleichen. Und auch wenn der eine oder andere deutsche Bischof erkennbare Schwierigkeiten mit dem Geld hat – die in Ingolstadt versammelten Bischöfe können wohl in jedem Morgengebet ihrem Herrn und Schöpfer dafür danken, einen solchen Amtsbruder nicht in den eigenen Reihen zu haben.

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