IDENTITÄRE In neuem Gewand

In den Augen von Sven Schönfelder befindet sich der Rechtsextremismus in einer Krise. Der neue Rechtsextremismus greift jedoch auf NS-Inhalte zurück.
08.08.2017, 20:19
Lesedauer: 1 Min
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In neuem Gewand
Von Milan Jaeger

Der Experte des niedersächsischen Verfassungsschutzes ist der Ansicht, dass es Gruppierungen wie der NPD geschadet hat, dass sie sich an den Nationalsozialisten und dem Dritten Reich orientieren. Der Mitgliederschwund der NPD verdeutliche das.

Vor diesem Hintergrund sei in den letzten Jahren aber ein neuer Rechtsextremismus entstanden. Dieser erwecke zwar auf den ersten Blick einen harmlosen Anschein, greife aber ebenso auf NS-Inhalte zurück, schneide diese allerdings geschickt popkulturell und mediengerecht zu. Die Gefahr bestehe darin, dass das nicht immer sofort zu erkennen sei. Am deutlichsten sei dies an der Identitären Bewegung festzustellen.

In ihrer Symbolik nähmen die Identitären Anleihen bei den antiken Griechen. So ist das wichtigste Erkennungsmerkmal der Bewegung das Lambda, der elfte Buchstabe des griechischen Alphabets. „Die Spartaner haben das Lambda in ihrem Kampf gegen die Perser auf ihren Schilden getragen“, sagt Schönfelder.

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Dieses Symbol hätten sie wohl aufgrund der Comicverfilmung „300“ ausgewählt. Der Film stellt auf verkürzte und überaus blutige Art und Weise den Kampf der Spartaner gegen eine persische Übermacht in der Schlacht bei den Thermopylen dar. Dem Film wurden Eindimensionalität und „faschistoide Tendenzen“ vorgeworfen.

In gewisser Hinsicht könne der Film als Blaupause für die Weltsicht der Identitären Bewegung herhalten, sagt Schönfelder. Eine europäische – wenn auch nicht christliche – Minderheit stellt sich unerschrocken den fremden Horden entgegen. Einziger Gedankenfehler: Zu jener Zeit, 480 vor Christus, waren die Perser noch nicht muslimisch, den Islam gab es noch nicht.

So ist laut Schönfelder auch der Verweis auf die Reconquista, die christliche Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den Arabern im Mittelalter, ein wichtiger Bezugspunkt im Weltbild der neuen Rechten.

Trotz aller Bemühung, sich von der NPD abzugrenzen, teilt sich die Identitäre Bewegung laut Schönfelder letztlich den ideologischen Kern mit ihr.

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