Bundesgerichtshof-Urteil Geschichte darf nicht entsorgt werden

Das Urteil war mit Spannung erwartet worden. Das umstrittene antisemitische Relief "Judensau" darf an der Wittenberger Kirche beiben. Das ist aus mehreren Gründen eine kluge Entscheidung, meint Norbert Holst.
14.06.2022, 19:45
Lesedauer: 1 Min
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Geschichte darf nicht entsorgt werden
Von Norbert Holst

Es ist ein richtungsweisendes Urteil – und ein kluges dazu. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass das antisemitische Schmährelief "Judensau" nicht von der Fassade der Wittenberger Stadtkirche entfernt werden muss. Das wollte der jüdische Kläger erreichen, weil er es als beleidigend empfindet. Das kann man nachvollziehen. Natürlich ist dieses Spottrelief ein schweres Erbe – aber ebenso ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte, das als ein Mosaikstein davon zeugt, wie weit verbreitet die Diskriminierung und Verfolgung von Juden in der deutschen Geschichte war. Und genau darauf wird an der Kirche hingewiesen. Für den BGH ist das ein springender Punkt: Ohne solche Hinweise könnten judenfeindliche Darstellungen durchaus justiziabel sein, so die Richter.

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