Ampel-Bundesregierung Das sind die bisher weniger bekannten Ministerinnen und Minister

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Ministerinnen und Minister der neuen Bundesregierung ernannt. Manche sind bereits bekannt, andere für viele Bürger noch eher unbeschriebene Blätter.
08.12.2021, 19:57
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Das sind die bisher weniger bekannten Ministerinnen und Minister
Von Anja Maier

Nancy Faeser
Die Person: Faeser, 51, übernimmt für die SPD das Bundesinnenministerium. Sie stammt aus Bad Soden im Taunus, ihr Vater war dort bis zur Jahrtausendwende Bürgermeister. Faeser ist ist verheiratet mit dem Rechtsanwalt Eyke Grüning, die beiden haben einen Sohn.

Die Kompetenz: Faeser wird als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik das Innenressort leiten. Dort ist sie zuständig für Themen wie innere Sicherheit, Bevölkerungsschutz, Integration und Sportförderung. In Hessen hat sie sich einen Namen gemacht als innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Zudem war sie Obfrau des dortigen Untersuchungsausschusses zu Ermittlungsfehlern in Bezug auf die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund.

Klara Geywitz
Die Person: Geywitz, 45, übernimmt für die SPD das neu zu schaffende Bundesbauministerium. Sie stammt aus Potsdam. Während ihres Abiturs an einem Sportgymnasium habe sie, sagt sie, ihre Mitschüler für deren Ausdauer bewundert. Sie ist geschieden, erneut liiert und Mutter von drei Kindern.

Die Kompetenz: In der Brandenburger SPD ist sie seit drei Jahrzehnten aktiv. Die Politologin war nicht nur von 2004 bis 2019 Landtagsabgeordnete, sondern auch eine durchaus umstrittene SPD-Generalsekretärin. Ihre wichtigsten politischen Projekte waren das – später vom Landesverfassungsgericht wieder gekippte – Paritätsgesetz sowie eine Verwaltungsstrukturreform. Erfahrung mit Stadtplanung oder Wohnungsbau hat sie nicht. Seit zwei Jahren ist sie stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende. Überregionale Bekanntheit erlangte Geywitz 2019, als sie mit Olaf Scholz für den SPD-Vorsitz kandidierte.

Steffi Lemke
Die Person: Lemke, 53, wird Bundesministerin für Umwelt und Verbraucherschutz. Geboren wurde sie in Dessau als Tochter einer Lehrerin und eines Ingenieurs. Weil sie in der Schule aneckte, durfte sie kein Abitur ablegen und wurde nach der 10. Klasse erst einmal Melkerin. Nach ihrem nachgeholten Abitur studierte sie Agrarwissenschaften in Berlin. Sie lebt in der Elbe-Stadt Dessau und hat einen erwachsenen Sohn. In ihrer Freizeit paddelt sie.

Die Kompetenz: Lemke ist für den Bereich Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz bestens geeignet. Als Gründungsmitglied von Bündnis 90 sind ihr diese Themen seit Beginn ihrer politischen Karriere nach dem Mauerfall wichtig. Im Bundestag, dem sie seit 2002 erneut angehört, war sie Obfrau im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie Mitglied im Agrarausschuss. Und als politische Geschäftsführerin sowie als Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion hat sie ihre Fähigkeit zum Organisieren und Moderieren bewiesen.

Wolfgang Schmidt
Die Person: Der 51 Jahre alte Schmidt wird Chef des Bundeskanzleramtes. Alles zu wissen und im Hintergrund die Strippen zu ziehen, dafür steht der langjährige Vertraute von Olaf Scholz. Privat ist über den Hamburger Schmidt wenig bekannt, außer dass er in den Neunzigerjahren Jura studiert hat, verheiratet ist und zwei Töchter hat.

Die Kompetenz: Schmidt ist für Scholz erste Wahl. Er ist seit fast zwei Jahrzehnten an dessen Seite, erst als persönlicher Referent, später als dessen Büroleiter im Willy-Brandt-Haus, dann als Staatsrat in der Hamburger Bürgerschaft und zuletzt als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Im Kanzleramt wird er die Arbeit der Bundesregierung koordinieren, auch die Zusammenarbeit mit Bundestag und Bundesrat.

Anne Spiegel
Die Person: Mit 40 Jahren ist Spiegel – gemeinsam mit Annalena Baerbock, die ebenfalls am 15. Dezember 1980 geboren wurde - die jüngste Bundesministerin im Kabinett Scholz. Die neue Familienministerin stammt wie Boris Becker aus Leimen bei Heidelberg, aufgewachsen ist sie in Speyer und Ludwigshafen. Ihre Familie hat Wurzeln in Sizilien und Rumänien. Nach ihrem Politik-, Philosophie- und Psychologiestudium arbeitete sie zunächst als Sprachtrainerin für Deutsch als Fremdsprache. Sie lebt mit vier Kindern und ihrem schottischen Ehemann in Speyer.

Die Kompetenz: Spiegel verfügt bereits über Ampel-Erfahrung. Als stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Landesministerin für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz hat sie zudem fünf Jahre Ressorterfahrung. Für die erklärte Feministin ist das Politische stets auch privat: Als erste Ministerin ging sie 2018 in den Mutterschutz, im selben Jahr nahm sie das Baby mit in eine Sitzung des Bundesrates in Berlin. Nach ihrer Nominierung hat sie erklärt, als Ministerin Familien „in all ihrer Vielfalt“ zur Geltung bringen zu wollen.

Bettina Stark-Watzinger
Die Person: Die 53-Jährige FDP-Politikerin wird künftig das Bundesbildungsministerium führen. Geboren wurde sie in Frankfurt, heute lebt sie – wie auch ihre Kabinettskollegin Nancy Faeser – in Bad Soden im Taunus. Nach ihrem VWL-Studium und neun Jahren Familienpause wechselte sie in den Bildungsbereich und leitete ein Forschungsinstitut in Frankfurt. Stark-Watzinger ist verheiratet und Mutter zweier Töchter. Sie sei, sagt sie über sich selbst, „aus voller Überzeugung Politikerin und aus ganzem Herzen Mutter“.

Die Kompetenz: Stark-Watzinger ist die einzige liberale Frau neben drei FDP-Ministern. Eine Quotenfrau ist sie gleichwohl nicht. In ihrem Landesverband Hessen arbeitet sie seit bald zwei Jahrzehnten ganz vorne mit. Fachlich ist sie eher für Finanz- statt Bildungspolitik bekannt. Ab 2018 war sie Vorsitzende im Finanzausschuss im Bundestag, anschließend wurde sie Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion. Dass sie die Wissenschaftslandschaft der Republik gestalten kann, muss sie noch unter Beweis stellen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+