Kommentar über Olaf Scholz

Solide und schaumgebremst

Olaf Scholz' Rede war wie der Kandidat selbst: solide und schaumgebremst. Das ist gut so, meint Berlin-Korrespondentin Anja Maier. Aber reicht das auch für die SPD bei der Wahl im September?
10.05.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Anja Maier
Solide und schaumgebremst

Stellte beim SPD-Sonderparteitag das Wahlprogramm vor: Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

Wolfgang Kumm/dpa

Olaf Scholz ist von den Delegierten des SPD-Sonderparteitags mit 96 Prozent als Kanzlerkandidat bestätigt worden. Und jetzt? Alles erst mal wie immer. Wer gemeint hat, dass die Programmdebatte und die anschließende Abstimmung eine Art Wahlkampf-Turbo zünden würden, dürfte enttäuscht sein. So schnell klappt es nicht, die Wählerinnen und Wähler von einer Partei zu überzeugen, die seit acht Jahren im Bund mitregiert.

Scholz’ Berliner Rede war wie der Kandidat selbst: solide und schaumgebremst. Und damit durchaus authentisch. Denn Scholz tut nicht so, als schlummere in ihm noch eine zweite, feurigere Version. Er ist er selbst. Und das ist auch besser so. Jede Verstellung, jeder Budenzauber wäre kontraproduktiv und entspräche weder dem Wahlkampfkonzept der SPD noch der angespannten Lage im Land, in Europa und der Welt.

Scholz’ Rede ist durchaus griffig und nachvollziehbar. Er schreitet das innen- und außenpolitische Feld ab, er erklärt, was er vorhat. Arbeits- und Sozialpolitik, Bildung und Pflege, Forschung und Klima, Verkehr und Technologie, Außen- und Sicherheitspolitik. „Auf den Kanzler kommt es an“, sagt Olaf Scholz am Ende seines Auftritts. Und der nächste Kanzler nach Angela Merkel, der wäre natürlich gerne er selbst.

Genau hier liegt das Problem der SPD. Zwar haben es die sozialdemokratischen Führungsfiguren nach kräftezehrenden Jahren des Streits geschafft, Frieden zu schließen und ein gewisses Grundvertrauen in sich entstehen zu lassen. Und mit ihren fortwährenden Sticheleien innerhalb der Regierungskoalition haben sie längst die stillschweigende Zuarbeit für die Union beendet.

Dennoch wird der SPD von der Wählerschaft aktuell keine Kraft zum Aufbruch zugetraut. Für ein sozialökologisches, so­lidarisches Gesellschaftsversprechen ­stehen aktuell die Grünen. Und für die Nähe zur Wirtschaft, zu Handwerk und Handel steht trotz aller Fehltritte noch immer die Union. Letztlich wird es auf die Bürgerinnen und Bürger ankommen. Und die machen ihr Kreuz dort, wo für sie die Inhalte stimmig sind.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+