Jens Eckhoff erhebt Führungsanspruch CDU will in Bremen regieren

Sowohl SPD als auch CDU haben in Bremen herbe Verluste bei der Bundestagswahl hinnehmen müssen - und doch gibt es einen gefühlten Gewinner: Die CDU wittert eine Chance bei der Bürgerschaftswahl 2019.
25.09.2017, 16:46
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
CDU will in Bremen regieren
Von Ralf Michel

Der Niedergang der beiden großen Volksparteien im Bund ist auch in Bremen zu beobachten. Zusammen reicht es für SPD und CDU an der Weser nur noch für 51,8 Prozent. Anders als die Sozialdemokraten kann die Bremer CDU den aktuellen Zahlen auch Positives abgewinnen: „Wir sind in Schlagdistanz zur SPD“, sagte am Montag Jens Eckhoff, stellvertretender Landesvorsitzer und Vorsitzender der CDU-Stadt. Und legte nach: „Wir sollten den Anspruch erheben, eine Regierung in Bremen auch führen zu wollen. Das ist eine ernsthafte Option, deshalb sollten wir sie auch anmelden.“

>> So hat Bremen gewählt: https://wahl.weser-kurier.de/bundestagswahlen-bremen-2017/ <<

Keine zwei Punkte trennen die Bremer CDU (25 Prozent) noch von der SPD (26,8 Prozent). Erstmals überhaupt liegt sie im Wahlkreis Bremen I bei den Zweitstimmen vor den Sozialdemokraten. Und hat im Bundesvergleich die geringsten Verluste aller CDU-Landesverbändeeingefahren. „Wir fühlen uns bestätigt in den Themen, die wir gesetzt haben“, erklärte der CDU-Landesvorsitzende Jörg Kastendiek, betonte zugleich aber, dass eine Bundestagswahl nur begrenzt Rückschlüsse auf die Landespolitik zulasse.

Ganz abgesehen davon, dass das Bremer CDU-Ergebnis insgesamt „uns schon nachdenklich machen muss“. Trotz aller Ergebnisarithmetik und den Vergleichen mit der SPD – auch die CDU hat gegenüber der Bundestagswahl 2013 vier Prozentpunkte verloren. Und das Bundestagsmandat von Bettina Hornhues. Einfach zur Tagesordnung übergehen, sei deshalb der verkehrte Ansatz, so Kastendiek. „Wir müssen uns intensiv Gedanken machen, wie wir die Menschen erreichen, die wir bislang nicht erreicht haben.“

Lesen Sie auch

Man habe in den Stadtteilen unterschiedliche Stimmenverluste zu verzeichnen, ergänzte Eckhoff. In den bürgerlichen Bereichen zum Beispiel überproportional an die FDP, im Westen eher an AfD und Linke. Dies gelte es aufzuarbeiten, um dann „mit noch detaillierteren Vorschlägen noch differenzierter auf die Menschen zuzugehen“.

SPD-Landesvorsitzende Aulepp von Ergebnis enttäuscht

26,8 Prozent für die SPD in Bremen. Immerhin, das sind gut sechs Prozentpunkte mehr als im Bund. Aber fast neun Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl 2013 und ein Minus von sechs Prozentpunkten gegenüber der Bürgerschaftswahl vor zwei Jahren. Dazu kommen weitere empfindliche Botschaften, wie der Verlust des Wahlkreises Bremen I bei den Zweitstimmen. In mehreren Stadtteilen hat es nur noch zur dritten Kraft gereicht. Nein, natürlich mache so ein Ergebnis nicht zufrieden, kommentierte die SPD-Landesvorsitzende Sascha Aulepp am Montag das Ergebnis der Bundestagswahl in Bremen. „Der dramatische Absturz der SPD im Bund hat auch Bremen nicht unberührt gelassen und ich hätte mir gewünscht, dass wir uns in Bremen deutlicher davon absetzen.“

Lesen Sie auch

Als Aufgabenstellung für die verbleibenden zwei Jahre bis zur nächsten Landtagswahl leitet Aulepp hieraus vor allem eines ab: „Wir müssen den gefassten Beschlüssen jetzt auch Taten folgen lassen.“ Es reiche nicht, Mittel für bestimmte Bereiche wie etwa Sanierungen, Neubauten oder auch Personal zu beschließen. „Wir müssen organisieren, dass diese Mittel auch in Maßnahmen umgesetzt werden.“ Die Bremer haben beide Direktkandidaten der SPD in den Bundestag gewählt, aber der Partei als Ganzes offenbar weniger getraut, analysiert Aulepp.

Im Interview mit dem WESER-KURIER zeigte sich Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf vom Wahl-Ausgang enttäuscht. Den Sozialdemokraten rät er nun gemeinsam mit Grünen und Linken in den nächsten Jahren eine handlungsfähige Alternative zur CDU zu entwickeln.

Lesen Sie auch

Der Einzug der AfD in den Bundestag mit 12,6 Prozent hat in Bremen Protest ausgelöst. Am Montagabend beteiligten sich zahlreiche Menschen an einem Protestzug des Bündnisses gegen Rassismus und Rechtspopulismus, das einen Rechtsruck in Deutschland kritisiert. Laut Polizei nahmen 1700 Menschen an dem Protestzug durch die Bremer Innenstadt teil.

Lesen Sie auch

Dieser Artikel wurde um 22:19 Uhr aktualisiert.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+