Studie zum zweiten Lockdown

Ifo-Umfrage gibt Schulpolitik schlechte Noten

Im zweiten Lockdown haben sich die Schulen nach einer Erhebung des Ifo-Instituts nur etwas besser geschlagen als im ersten. Im Schnitt verloren die Schulkinder mehr als drei Stunden Lernzeit pro Tag.
20.04.2021, 13:25
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa
Ifo-Umfrage gibt Schulpolitik schlechte Noten

Leere Klassenräume und Schüler im Distanzunterricht gehören seit einiger Zeit zur Normalität.

Jan Woitas/dpa

Im zweiten Lockdown haben deutsche Schüler einer Ifo-Umfrage zufolge pro Tag mehr als drei Stunden weniger gelernt. Statt 7,4 Stunden täglich waren es nur noch 4,3, wie das Münchner Institut am Dienstag mitteilte. Das ist zwar etwas mehr als im ersten Lockdown, doch immer noch weniger Zeit als sie mit Computerspielen, sozialen Netzwerken oder ihrem Handy verbrachten.

„Besonders bedenklich ist, dass 23 Prozent der Kinder sich nicht mehr als zwei Stunden am Tag mit der Schule beschäftigt haben“, sagte der Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann. „Die Corona-Krise ist eine extreme Belastung für die Lernentwicklung und die soziale Situation vieler Kinder.“

Die Forscher stellen der Schulpolitik in ihrer Studie kein gutes Zeugnis aus. Auch mit „langer Vorlaufzeit und nach eindringlichen Appellen von Eltern und Wissenschaft“ sei es nicht gelungen, eine angemessene Beschulung aller Kinder im Distanzunterricht sicherzustellen.

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Dass nur eines von vier Kindern täglichen Onlineunterricht bekomme, sei enttäuschend, sagte Wößmann. Er forderte, dies so schnell wie möglich allen Kindern zugänglich zu machen. Man müsse allen Schulen, die den Onlineunterricht hinbekämen, dankbar sein, betonte er. „Aber eigentlich wäre es eine politische Aufgabe.“

Am besten wäre es, wenn die Bundesländer einheitliche Lösungen fänden, sagte Wößmann. Man brauche klare und verbindliche Konzepte für den Onlineunterricht. Derzeit seien die Strukturen aber so, dass sie nicht funktionierten. In vielen Bereichen fehle es dabei weniger am Geld als daran zu handeln.

Die Schulschließungen wirkten sich der Befragung zufolge nicht nur auf den Lernerfolg aus. So sagten 31 Prozent, dass ihr Kind in der Zeit zugenommen habe - unter anderem durch Bewegungsmangel.

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Doch nicht für alle Kinder sind die Schulschließungen negativ. Gut ein Viertel der Eltern (28 Prozent) ist der Meinung, dass sie ihren Kindern mehr genutzt als geschadet haben. Hier geht es unter anderem darum, dass Kinder seltener schikaniert wurden. Zudem berichteten zwei Drittel, ihr Kind habe gelernt, besser mit digitalen Technologien umzugehen und 54 Prozent sagen, ihr Kinde habe gelernt mit Krisen gut umzugehen.

Zur Frage Präsenz- oder Onlineunterricht zeigte sich Wößmann zurückhaltend. Grundsätzlich könne nichts einen guten Präsenzunterricht ersetzen - insbesondere für jüngere Grundschüler, doch er sei kein Virologe, betonte er. Zuletzt hatte der deutsche Lehrerverband gefordert, Schulen bereits früher als bei der in der Corona-Notbremse des Bundes geplanten Inzidenz von 165 zu schließen. „Um eine Ausbreitung des Virus in den Schulen wirksam zu stoppen, muss der Präsenzunterricht bereits ab einer Inzidenz von 100 beendet werden“, forderte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

Derzeit gibt es unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern. So gibt es zum Beispiel in Bayern Distanzunterricht ab Inzidenzwerten von 100 in einem Landkreis oder einer Stadt. Andernorts ist der Grenzwert höher - etwa in Hamburg, wo er bei 200 liegt. Sachsen hat sich bei Schulen ganz von einer Kopplung des Inzidenzwertes verabschiedet.

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