Quoten zu niedrig Jens Spahn bringt möglichen Lohnabzug für Impfverweigerer ins Spiel

In Berlin wirbt Gesundheitsminister Jens Spahn für solidarisches Impfen. Unterstützt wird der Bund ab kommender Woche vom Einzelhandel mit einer Aktionswoche.
08.09.2021, 15:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Anja Maier

„Wir sehen eine Pandemie der Ungeimpften“, sagt Jens Spahn. Der Gesundheitsminister (CDU) ist am Mittwoch in die Bundespressekonferenz gekommen, um für eine höhere Impfquote zu werben. Neben ihm sitzt Lothar Wieler, der Chef des Robert Koch-Institut (RKI). Und weil ab der kommenden Woche auch der Einzelhandel die Impfkampagne des Bundes unterstützt, sind zusätzlich der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes, Stefan Genth, und Patrick Zahn, der Geschäftsführer der Textilkette kik, mit aufs Podium gekommen.

Angesichts der sich immer weiter aufbauenden vierten Corona-Welle sollen Bürgerinnen und Bürger im Alltag die Gelegenheit bekommen, sich quasi im Vorübergehen gegen Covid-19 impfen zu lassen. In Supermärkten und Fachgeschäften, an Tankstellen und Möbelhäusern können sie sich problemlos den Piks abholen.

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„Jede einzelne Impfung entscheidet auch darüber, wie sicher wir gemeinsam durch Herbst und Winter kommen“, sagt Spahn. Es müsse verhindert werden, dass im Herbst und Winter das Gesundheitssystem überlastet wird.

Aktuell sind 62 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft, 66 Prozent einmal. Fachleute gehen von einer nötigen Impfquote von 85 Prozent unter den Zwölf- bis 59-Jährigen aus, um die vierte Welle abzumildern und Virusmutationen zu begrenzen.

Corona: Jens Spahn spricht über möglichen Lockdown im Herbst

Nach einem möglichen weiteren Lockdown gefragt, antwortet der Gesundheitsminister, diese Debatte müsse „andersherum gehen: Wir haben das Mittel in der Hand, uns zurück in Freiheit und Normalität zu impfen.“ Spahn und Wieler räumen ein, dass es etliche Impfverweigerer gebe. Um diese Menschen zu überzeugen, sei Aufklärung wichtig.

Stefan Genth vom Handelsverband ergänzt: „Der Handel steht für Leben statt Lockdown.“ Kik-Vertreter Zahn räumt ein, dass es auch unter den 29.000 Mitarbeitern Bedenken gegen den Impfstoff gebe, vor allem unter jüngeren Frauen. Hier helfe keine Belehrung, sondern Aufklärung.

Gefragt nach Zusammenhängen zwischen Impfquoten und Wahlverhalten, bestätigt Jens Spahn regionale Unterschiede. In Ost- und Westdeutschland seien die Quoten verschieden, aber auch zwischen Norden und Süden. So sind in Bremen 71,6 Prozent der Menschen vollständig geimpft, während es in Sachsen nur 51,5 Prozent seien. Über mögliche Kausalitäten wolle er aber „keine Spekulationen anstellen“.

Spahn spricht sich dafür aus, dass Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime den Anteil der geimpften Mitarbeiter öffentlich machen. Es sei ein Unterschied, ob die eigenen Angehörigen von Geschützten oder von möglichen Virusüberträgern betreut würden.

Jens Spahn für Lohnabzug für Impfverweigerer

Auch mögliche Lohnabzüge für Mitarbeiter, die sich bewusst nicht impfen ließen und deshalb in Quarantäne müssten, hält Spahn für gerechtfertigt. Er sehe nicht ein, sagt der Minister, dass alle dafür zahlen sollten, wenn sich Menschen trotz ausreichender Impfstoffe nicht impfen ließen.

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Für den Jahreswechsel kündigen der Minister und der Chef des Robert-Koch-Instituts die Zulassung eines Impfstoffs für Kinder an. Lothar Wieler berichtet von bisher vereinzelt auftretenden schweren Verläufen bei jungen Menschen. Da es aber momentan noch keinen Impfstoff für sie gibt, „ist es Verpflichtung, dass diese Kinder nicht infiziert werden“. Sich als Erwachsene impfen zu lassen sei solidarisch.

Bis zur Zulassung gelten nach wie vor die Präventions-Empfehlungen des RKI. Spahn ergänzt, dass Kinder in der Pandemie auf vieles verzichtet hätten, um Ältere zu schützen. „Jetzt sollten die Impfmuffel sich fragen, ob sie sich nicht doch für eine Impfung entscheiden.“

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