G20-Gipfel in Hamburg Der Gipfel der Gerüchte

Während die G 20-Proteste in Hamburg eskalierten, arbeitete sich die Polizei auf Twitter an Gerüchten und Satire ab.
11.07.2017, 12:23
Lesedauer: 2 Min
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Der Gipfel der Gerüchte
Von Nico Schnurr

Die Hamburger Polizei kämpfte an zwei Fronten. Auf den Straßen versuchten zehntausende Polizisten die Gewalt einzudämmen und den G 20-Gipfel zu sichern. Ähnlich anspruchsvoll gestaltete sich der Kampf gegen Falschmeldungen im Internet. Während die G 20-Proteste eskalierten, arbeitete sich die Polizei auf Twitter an Gerüchten und Satire ab. Denn mit jedem Tag, an dem sich die Lage auf Hamburgs Straßen zuspitzte, wurde im Netz heftiger und nervöser in Echtzeit über die Deutungshoheit der Ereignisse gestritten. Das Chaos, in dem die Stadt zeitweise zu versinken drohte, bot den perfekten Nährboden für wilde Spekulationen und sorgte für einen Gipfel an Gerüchten in den sozialen Medien.

„Bitte teilt die Gerüchte nicht unverifiziert weiter!“, schrieb die Polizei auf Twitter. Doch da kursierten längst Falschmeldungen von erblindeten Polizisten und Bundeswehr-Einsätzen mitten in Hamburg. Auf Whatsapp machte die Sprachnachricht einer vermeintlichen Polizistin die Runde, in der diese von Angriffen auf die Notaufnahme des Krankenhauses St. Georg berichtete, die es nie gegeben hat. Besonders hartnäckig hielt sich das Gerücht, das ein Polizist durch einen Böllerwurf so schwer verletzt worden sei, dass er sein Augenlicht verlieren wird. Dabei ist die Meldung falsch.

Die Polizei bestätigte zwar, dass „eine Augenverletzung durch einen vor dem Gesicht explodierten ‚Böller‘ gemeldet“ worden sei. Doch mehrfach stellten die Beamten danach klar, dass kein Polizist erblindet und auch der auf dem kursierenden Foto gezeigte Mann nicht tatverdächtig sei. Da aber war das Gerücht schon im Umlauf. Auch die Bild-Zeitung hatte in einem Online-Artikel darüber berichtet, dass der Polizist sein Augenlicht verlieren könnte. Das Foto des vermeintlich attackierenden Demonstranten verbreitete sich rasend schnell. Die Falschaussagen zum Foto wurden innerhalb eines Tages zehntausendfach geteilt. Die Polizei schrieb auf Twitter von einer „Online-Hetzjagd“ und bat darum, die „Internet-Fahndung“ einzustellen.

Wie überhitzt im Netz über den Gipfel diskutiert wurde, zeigte sich auch an einem Beitrag einer Satireseite. „Der Postillion“ meldete, die Polizei hätte Atomraketen zur Abschreckung von Demonstranten auffahren lassen. Längst nicht alle Leser entlarvten den Artikel als Satire, sodass die Polizei nachhalf und darauf hinwies, dass sie keine Raketen in Hamburg stationiert habe und der Text satirisch zu verstehen sei.

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