G20-Vorbereitungstreffen in Berlin

Deutschland gibt 300 Millionen Euro für Afrika

Afrika braucht jedes Jahr 20 Millionen zusätzliche Jobs. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit auf dem Nachbarkontinent ist auch für die Europäer ein Problem. Deshalb holt die Kanzlerin jetzt die G20-Staaten mit ins Boot.
12.06.2017, 12:30
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Deutschland gibt 300 Millionen Euro für Afrika

Schule in Ghana: Die Bundesregierung fördert Berufsbildung und Beschäftigungsprogramme in Tunesien, Ghana und der Elfenbeinküste mit 300 Millionen Euro.

dpa

Afrika braucht jedes Jahr 20 Millionen zusätzliche Jobs. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit auf dem Nachbarkontinent ist auch für die Europäer ein Problem. Deshalb holt die Kanzlerin jetzt die G20-Staaten mit ins Boot.

Deutschland will die G20-Staaten zu mehr Investitionsförderung in Afrika bewegen - auch damit nicht noch mehr Menschen mit Schlepperbooten nach Europa kommen. "Die gute Entwicklung der Welt wird nicht funktionieren, wenn nicht alle Kontinente der Welt daran teilnehmen", sagte Angela Merkel, die amtierende Präsidentin der G20-Gruppe, der die wichtigsten Wirtschaftsmächte aller Kontinente angehören.

Die Bundesregierung selbst nimmt dafür in diesem Jahr 300 Millionen Euro in die Hand. Mit diesem Geld sollen Berufsbildung und Beschäftigungsprogramme in Tunesien, Ghana und der Elfenbeinküste finanziert werden. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bezeichnete die drei Staaten als „Reformchampions“.

Müller sagte nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi in Berlin, er sei optimistisch, dass auch Ägypten in einigen Monaten zu dieser Gruppe gehören werde. Notwendig sei dafür allerdings die Einhaltung bestimmter Standards, auch in puncto Menschenrechte. Weitere Kriterien für die Auswahl der Partnerländer sind nach Angaben der Bundesregierung Reformbereitschaft, Korruptionsbekämpfung und Rechtssicherheit.

Müller: Faire Handelsbedingungen sind notwendig

Müller warnte, mit Entwicklungshilfe und privaten Investitionen alleine sei es nicht getan. Die EU und Andere müssten den Staaten Afrikas in Zukunft auch faire Handelsbedingungen anbieten.

Durch die neue G20-Partnerschaftsinitiative mit Afrika habe Bundeskanzlerin Angela Merkel „ein starkes Ausrufezeichen“ gesetzt, sagte Müller. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte: „Die Erfahrungen der letzten Jahre haben uns gelehrt, dass die vielen bilateralen und multilateralen Akteure besser kooperieren müssen. Auch die Länder selber müssen mehr Verantwortung übernehmen.“

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Merkel macht Afrika zum ersten Mal zum Schwerpunktthema der G20-Präsidentschaft. Auch beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am 7. und 8. Juli in Hamburg soll es um den von Armut und Konflikten gebeutelten Kontinent gehen. Zur Vorbereitung hatte Merkel jetzt zehn Staats- und Regierungschefs nach Berlin eingeladen. Bei der zweitägigen Konferenz geht es unter anderem um die Förderung reformwilliger Musterstaaten.

Kik will Produktion in Afrika ausweiten

Der Textildiscounter Kik will den Anteil seiner Produktion in Afrika in diesem Jahr nach eigenen Angaben von 1 Prozent auf 4,35 Prozent steigern. Neben Äthiopien werde das Unternehmen in Standorte in Ruanda, Kenia und Ägypten investieren, teilte das Unternehmen mit.

Der Dachverband der deutschen Entwicklungshilfsorganisationen (Venro) forderte, „dass die Bundesregierung und die G20 umgehend alle Waffenlieferungen in Konfliktregionen stoppen“. Dies gelte insbesondere in die von der aktuellen Hungerkrise betroffenen Staaten Südsudan, Somalia, Jemen und Nigeria. (dpa)

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