Der Erstwähler-Blog Deutschland hat die Sicherheit gewählt

Bremen. Für den WESER-KURIER begleiten drei Erstwähler den Wahlkampf. In diesem Blog berichten sie von ihren Erlebnissen.
13.09.2013, 05:06
Lesedauer: 14 Min
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Bremen. Für den WESER-KURIER begleiten drei Erstwähler den Wahlkampf und die Wahl. In diesem Blog berichten sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.

22. September 2013: Deutschland hat sich entschieden

Es hat sich ja schon seit Wochen abgezeichnet: Die CDU wird die stärkste Partei im Bundestag sein. Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin.

Große Enttäuschung bei der SPD, sie steht mit dem zweitschlechtesten Ergebnis aller Zeiten da. Und die FDP ist - wie es aussieht - raus aus dem Bundestag. Obwohl das Ergebnis von vornherein eindeutig aussah, wurde der Wahlabend doch noch spannend. Schafft die Union die absolute Mehrheit? Ist die FDP wirklich nicht im Bundestag?

Für mich persönlich war der Wahlausgang leider nicht besonders zufriedenstellend. Das Ergebnis, welches ich mir erhofft hatte, ist leider nicht eingetreten.

Besonders überrascht war ich, dass die Union doch so stark ist und wohlmöglich alleine eine Regierung bilden kann. Natürlich bleibt abzuwarten, was die Nacht noch so bringt. Es bleibt spannend. So oder so hat sich nicht viel geändert. Deutschland hat sich für Sicherheit entschieden, die CDU bleibt an der Macht. (Lara-Marie Schneider)

20. September 2013: Wahlkampf im Netz

Während sich der Wahlkampf allmählich dem Ende neigt, versuchen die Parteien im Kampf um die Stimmen noch einmal alles aus sich herauszuholen. Jede möchte die letzten unentschiedenen Wähler für sich gewinnen. Dies sind vorrangig junge Erstwähler. Auf jene hat es besonders die SPD um Kanzlerkandidat Peer Steinbrück abgesehen, wie er kürzlich mit einem amüsanten Auftritt in der Jugendsendung „Circus Halligalli“ auf Pro 7 erneut bewies. Die unentschiedenen Erstwähler scheinen seine große Hoffnung zu sein im Kampf gegen die in den Umfragen überlegene CDU.

Und wie erreicht man heutzutage am Besten die Jugend? Genau, im Internet. Keine Frage, dass die Parteien und vor allem deren Kandidaten auch dort kräftig um Stimmen buhlen. Fast jeder bekannte Politiker besitzt eine eigene Internet- sowie Facebook-Seite. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel, für die das Internet bekanntlich noch „Neuland“ ist. Dennoch schlägt die „Mutti der Nation“ den „Pannen-Peer“ im Kampf um die „Likes“ der User sogar um Längen, so konnte Frau Merkel auf ihrer Fanseite bisher rund 300.000 mehr „Gefällt mir“-Angaben als ihr ärgster Konkurrent sammeln. Auf diesen Facebook-Seiten posten Parteiangehörige in Vertretung für die Kandidaten durchaus interessante kurze Mitteilungen, Wahlkampfvideos und Fotos von den Wahlkampfveranstaltungen aus ganz Deutschland.

Die Direktkandidaten sind auf ihren Seiten hingegen selbst aktiv und veröffentlichen sogar Texte sowie Bilder aus ihrem Privatleben. Wie ich finde eine sehr clevere Idee, denn besonders mit Authentizität kann bei jungen Menschen gut gepunktet werden. Über die Kommentarfunktion treten Wähler und Kandidat dort auch in den direkten Kontakt, der Kandidat kann also Rede und Antwort stehen.

Wenn ich mich abseits der Internetseiten der Parteien und deren Kandidaten sowie Social Media umschaue, stoße ich auf wenig Wahlkampf. Ab und zu erscheint am Rand von verschiedenen Websites eine Parteiwerbung, doch mehr auch nicht. Der Fokus scheint im Wahlkampf mittlerweile eindeutig auf den Social Media zu liegen – und das meiner Meinung nach völlig zurecht. (Mirko Vopalensky)

17. September: Überraschung aus dem Wahl-O-Mat

Im Gegensatz zu der oft gehörten Meinung reden Jugendliche über die Bundestagswahl. Zumindest geht es mir und meinen Freunden so.

Bei Gesprächen mit ihnen habe ich bemerkt, dass viele ihre Wahl von dem Image der Partei beziehungsweise des Spitzenkandidaten abhängig machen. Peer Steinbrück hat am Anfang seines Wahlkampfes leider keine Glanzleistung abgelegt. Angela Merkel hingegen ist so etwas wie die „Mutti der Nation“. In sie haben die meisten einfach mehr Vertrauen.

Beeinflusst wird die Entscheidung oft auch dadurch, was man von seinem Elternhaus mitbekommt. Wenn die Eltern jahrelange, eingeschworene CDU-Wähler sind, färbt das in vielen Fällen wohl auch auf das Kind ab.

Vor allen Dingen habe ich bemerkt, dass Wahlprogramme oder ähnliches überhaupt nicht gelesen werden. Viele klicken sich zum Beispiel nur durch den Wahl-O-Mat. Dort haben sie eine einfache und schnelle Übersicht über die wichtigsten Punkte.

Für viele spuckt der Wahl-O-Mat am Ende eine Überraschung heraus - auch für mich: Im Ergebnis hatte ich die meisten Übereinstimmungen mit einer anderen Partei als der, die ich eigentlich wählen wollte.

Mir hat diese Erfahrung noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich vor der Wahl genau zu informieren. Denn ich will meine Entscheidung von den politischen Inhalten der Partei abhängig machen und nicht von der Sympathie für den jeweiligen Spitzenkandidaten. (Lara-Marie Schneider)

16. September: Sprache von Politikern

Politikern zuzuhören ist schwer. Denn es gilt nicht nur die politische Thematik zu verstehen, sondern vor allem die Sprache der Redner. Diese ist alles andere als einfach und direkt. Politiker verwenden liebend gerne Fachbegriffe, Fremdwörter und verschachtelte Sätze – es scheint in ihrer Natur zu liegen.

Das konnte ich hautnah miterleben, als wir drei Erstwähler kürzlich fünf Bremer Direktkandidaten im Pressehaus zur „Talkrunde“ trafen. Selbst wenn um kurze und knappe Antworten gebeten wurde, führten Staffeldt, Sieling, Beck und Co. ihre Erklärungen zumeist so langatmig aus, dass es äußerst schwer wurde, ihnen zu folgen und ein klares Statement zu erkennen.

Mit dieser komplizierten Sprache tun sich die Politiker meiner Meinung nach absolut keinen Gefallen, denn besonders Jugendliche schreckt genau dies an der Politik ab. Wer hört schon gerne Menschen zu, die man nicht oder nur schwer versteht? Ich jedenfalls nicht. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist offenbar einer der wenigen Politiker, der eine direkte sowie verständliche Sprache an den Tag legt - sowohl verbal als auch nonverbal. Damit kommt er besonders bei jungen Menschen gut an.

Anders hält es Bundeskanzlerin Angela Merkel. Als diese vergangene Woche im Kanzlercheck der jungen ARD-Radiosender von einem Hörer gefragt wurde, warum sie denn immer in verschachtelten Sätzen spricht, fand sie nicht einmal darauf eine einfache Antwort. Sie antwortete dem Fragesteller mit der Frage, was er denn nun nicht verstanden habe. Aus dieser eher ratlos wirkenden Gegenfrage lässt sich für mich erkennen, dass Frau Merkel selbst nicht bewusst ist, dass sie unverständlich spricht. Es scheint ihr, genau wie zahlreichen ihrer Kollegen, wohl nicht einmal mehr aufzufallen. Dies könnte für die Parteien fatal sein. Denn nur wer die Ziele der Politiker und ihrer Parteien versteht, wird diese auch wählen. Erst wenn die Politiker merken, dass sie eine andere Sprache als die meisten Bürger sprechen, werden sie dies ändern können. (Mirko Vopalensky)

13. September 2013: Die Wahlentscheidung

Meine Wahlentscheidung steht schon seit einiger Zeit fest. Ich finde das man sich nicht erst während der Wahl mit den verschiedenen Brennpunkten der Politik beschäftigen sollte. Da meine Tendenz sowieso in eine bestimmt Richtung geht, war das für mich nicht schwer.

Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass viele wirklich unentschlossen sind, da die Parteien heute, bis auf Ausnahmen natürlich, in vielen Themenbereichen relativ ähnliche Meinungen vertreten und eventuell sogar - kaum zu glauben - einer Meinung sind. Dann denke ich, sollte man sich wirklich lange Zeit lassen und sorgfältig darüber nachdenken, welche Punkte einem wichtig sind und wovon man die Entscheidung nun wirklich abhängig macht. Wann die Entscheidung fällt, ist dabei eher unwichtig.

Sie sollte und wird bei den meisten fallen, wenn diese sich mit ihrer Entscheidung auf der sicheren Seite fühlen - egal, ob dies nun erst kurz vor der Wahl feststeht, oder schon ein Jahr im voraus.

Auch der Grund kann natürlich immer ein ganz anderer sein. Manche Menschen finden eine Partei und deren Kandidaten einfach nur sympathisch und wählen sie deshalb, andere schauen nur auf den Inhalt und die Menschen, die diese Inhalte vertreten sind ihnen vollkommen egal.

Ich muss eine Partei mögen, um dann auch ihre Inhalte zu befürworten, aber dies kann und ist bei jedem anders. (Gerrit Meier)

11. September 2013: TV-Sendungen für junge Wähler

Die jungen Leute von heute interessieren sich nicht für Politik und gehen nicht wählen - diese Aussage kriegt man vor dieser Wahl ständig zu hören.

Um die Jungwähler zu mobilisieren, laufen im Fernsehen zur Zeit zahlreiche Sendungen, die ihnen bei der Entscheidung helfen sollen.

Das Format „Task Force Berlin“ (Pro 7) zum Beispiel lässt die Fragen der Jugendlichen von sogenannten Botschaftern an die Politiker überbringen. Jeder dieser vier Botschafter hat zwei Themen, zu denen er verschiedene Politiker interviewt.

Klingt erst mal ganz gut, in der Realität kriegen die Botschafter, bestehend aus Gentleman, Sophia Tomalla, Nikeata Thompson und Rebecca Mir, leider nicht besonders viel aus den Politikern heraus. Was hauptsächlich daran liegt, dass sie vor lauter gespielter Coolness ganz vergessen, ihre Fragen zu stellen. Wirklich viel Inhalt kommt dabei nicht herum.

Die Show „Überzeugt uns“ (ARD) hingegen bringt Jugendliche und Politiker tatsächlich zusammen.

Den Vertretern der Parteien werden von zwei Moderatoren die Fragen der Jugendlichen, welche diese via Twitter oder Facebook an sie richten konnten, gestellt.

Schade ist nur, dass die Politiker die Fragen nicht wirklich beantworten, sondern nur viel reden ohne was zu sagen.

Da wundert es keinen, dass viele im meinem Alter nicht wissen, wen sie wählen sollen oder ob sie überhaupt wählen sollen.

Politiker sprechen nun mal doch eine andere Sprache als junge Menschen. (Lara-Marie Schneider)

9. September 2013: Give-Aways

Wahlkampfzeit bedeutet für die Parteien Werbezeit. Im Kampf um die Stimmen der Bürger wird kaum eine Möglichkeit ausgelassen, um auf sich aufmerksam zu machen. Wahlplakate an jeder zweiten Straßenlaterne, Wahlwerbesports zur besten Sendezeit und natürlich Give-Aways. Diese werden gewöhnlicherweise in Fußgängerzonen oder bei Wahlkampfveranstaltungen massenhaft an die Passanten verteilt.

Doch in diesem Jahr scheint mir dies etwas anders zu sein. Wenn ich in den vergangenen Wochen nach Feierabend durch die Bremer Innenstadt geschlendert bin, begegnete ich keinem einzigen Parteistand oder Parteimitgliedern, die mir mit dem Parteilogo bedruckte Kugelschreiber oder Gummibärchen in die Hand drückten. Dies hat eine gute und eine schlechte Seite. Denn oft fühlt man sich von diesen „Parteipromotern“ etwas belästigt, doch wer nascht nicht gerne zwischendurch etwas Süßes?!

Anders sah es dagegen bei der Wahlkampfveranstaltung von Gregor Gysi auf dem Goetheplatz aus. Dort war Die Linke mit einem Stand vertreten, an dem Luftballons, Taschentücher und sogar Sonnencreme zum Mitnehmen bereit lagen. Meiner Meinung nach eine sehr wirksame Werbemethode, denn wenn es etwas umsonst gibt, greifen die Menschen bekanntlich am liebsten zu und halten die Partei dadurch in positiver Erinnerung, was eventuell auch die Wahlentscheidung beeinflussen kann.

Auch TV-Allrounder Stefan Raab nahm die Give-Aways der verschiedenen Parteien kürzlich unter die Lupe, als er diese in seiner Sendung „TV Total“ zum Einsenden von jeglichen Werbeartikeln aufforderte. Darauf erhielt er besonders von der CDU ein sehr kreatives Päckchen. Dessen Inhalt reichte von Flaschenöffnern über Grillgewürz und Nähzeug bis zu einem Multifunktionstuch. So ungewöhnlich die Give-Aways auch sein mögen, sie sind ohne Frage eine gute Werbemöglichkeit. Meine eigene Wahlentscheidung werde ich davon jedoch keinesfalls beeinflussen lassen, denn Give-Aways stehen in keinem Zusammenhang mit den politischen Zielen der Partei. (Mirko Vopalensky)

5. September 2013: Gysi zu Gast in Bremen

Im Rahmen unseres Erstwählerprojektes haben wir uns am Donnerstagabend Gregor Gysi von den Linken angeschaut.

Die Veranstaltung der Linken war um einiges kleiner als die der CDU und SPD. Und sie fand nicht auf dem Marktplatz sondern auf dem Goetheplatz statt.

Eine kleine Bühne war aufgebaut, sowie mehrere Stände, an denen Flyer und Give-aways verteilt wurde. Bevor Gysi redete, spielte eine Band.

Als Gysi auf die Bühne kam fing er gleich an: „Wählen sie am 22. September die Linke.“ Danach: „Gehen Sie überhaupt wählen!“

Die Veranstaltung lief ab wie solche Wahlveranstaltungen eben ablaufen. Gysi stand hinter einem Pult und hat 90 Minuten lang erzählt, warum wir denn bitteschön die Linke wählen sollen und warum nicht die anderen. Mindestlohn, Mindestrente, keine Leiharbeit, Verbot von Mieterhöhungen. Hier und da wurden ein paar Anekdoten und Witzchen eingestreut.

Was mir an der SPD-Veranstaltung so gut gefallen hat, war, dass Peer Steinbrück mit den Wählern in den Dialog getreten ist und Fragen beantwortet hat, die ihm auf Kärtchen zugereicht wurden.

Politik muss für die Menschen offener und greifbarer gestaltet werden.

Bei der Wahlveranstaltung am Donnerstag waren überwiegend Anhänger der Linken anwesend, die die Partei sowieso wählen, neue Wähler konnte Gysi denke ich mit seinem Programm nicht ansprechen. (Lara-Marie Schneider)

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Gregor Gysi kann gut reden, aber ist es wirklich schwer, enorme Versprechungen zu machen wenn die Wahrscheinlichkeit tatsächlich an der Bundesregierung beteiligt zu sein ziemlich klein ist?

Diese Frage stellte ich mir bei der Veranstaltung der Linken in Bremen öfters einmal. Inhaltlich kann mich die Linkspartei grundsätzlich in einigen Punkten schon begeistern. Da ist die Rede von hoher Rente für alle, einem hohen Mindestlohn und viel besserer Bildung durch Gesamtschulen - was sich alles natürlich sehr gut anhört. Auf die Frage nach dem „Wie“ wird allerdings nur relativ sporadisch eingegangen. Inhaltlich kann ich mich also teilweise schon mit der Linkspartei rund um Gysi identifizieren, aber es mangelt für mich an der Glaubhaftigkeit beziehungsweise dem Glauben an die Umsetzung.

Während seiner Rede sagt Gregor Gysi einmal, dass die Linke nötig ist um als Gegenpol zu den etablierten Parteien im Bundestag zu stehen. Genau so kommt es mir, besonders nach dem Besuch in Bremen, auch vor. Die Linkspartei als Gegenpol um Diskussionen in Gang zu bringen und die anderen vielleicht auf neue Ideen zu bringen. Mehr aber leider auch nicht. Für mich persönlich hört sich das Programm der Linken, bei allem Respekt vor den Forderungen, zu utopisch an. (Gerrit Meier)

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Die Atmosphäre auf dem kleinen Platz vor dem großen Theater wirkte auf mich ganz anders als bei der SPD-Veranstaltung mit Peer Steinbrück auf dem Marktplatz. Das lag nicht nur an der Art und Weise, wie die Linke diese Wahlkampfveranstaltung ausrichtete, sondern vor allem auch am Publikum um uns drei Erstwähler herum.

Viele junge Zuhörer genossen in den warmen Spätsommersonnenstrahlen ihr Feierabendbierchen, während sie gebannt der Rede „ihres“ Gregors lauschten. So gebannt, dass unser leises Tuscheln untereinander sofort mit einem „Pssst!“ von einer Frau neben uns kommentiert wurde.

Der rhetorisch begabte Gysi wusste sein Wahlkampfprogramm durchaus überzeugend zu verkaufen. Als Zuhörer ertappte ich mich oft dabei, wie ich im nickend zustimmte. Er sprach genau die ungerechten Punkte unserer Gesellschaft an, die so oft bemängelt werden. Mehrmals hob er seine Partie als „die einzige“ im Bundestag hervor, die für seine angesprochenen Forderungen kämpft und sich gegen die großen Parteien wehrt.

Dabei beleuchtet er meiner Meinung nach jedoch nur die eine Seite. Gysi erzählt den Leuten, wie unsozial und ungerecht unser Staat sei und dass nur die Linke dies ändern wolle. Doch dabei erwähnt er nicht die Konsequenzen, die beispielsweise ein gesetzlicher Mindestlohn von 10 Euro mit sich ziehen würde. Es fällt leicht, zu sagen „Ja, er hat Recht!“, doch schon im nächsten Moment frage ich mich, wie all diese Forderungen jemals durchgesetzt werden sollen. (Mirko Vopalensky)

4. September 2013: Lokal- oder Bundespolitik?

Lokal- oder Bundespolitik: Wovon mache ich meine Wahlentscheidung eigentlich abhängig? Für mich ist die Antwort ganz klar: Bundespolitik. Dass mich bundespolitische Themen mehr ansprechen, liegt an mehreren Punkten. Einerseits haben die Themen die auf bundespolitischer Ebene diskutiert werden eine weitaus größere mediale Präsenz. Es ist im Normalfall also viel leichter, Informationen zu diesen Themen aufzugreifen und sich auch selbst eine Meinung zu bilden. Die Entscheidungen, die hier gefällt werden, haben natürlich auch viel größere Auswirkungen, besonders das reizt mich an der Bundespolitik.

Lokalpolitik sollte dennoch, wie ich finde, in ihrer Wirkung nicht vollständig unterschätzt werden. Ich denke, dass auch sie einen großen Einfluss auf die Wahl hat, da die Kandidaten viel mehr Nähe zu den Wählern aufbauen können als dies den Kanzlerkandidaten auf Bundesebene mit ihren kurzen Besuchen jemals möglich wäre.

Es besteht viel eher die Möglichkeit, auf Diskussionen einzugehen und direkt auf die Menschen einzugehen und der Partei ein Gesicht zu geben. Wenn die Lokalpolitiker mir so begegnen, als könnte ich sie jeden Tag auf der Straße treffen, dann ist es, denke ich, viel leichter sich mit der Partei zu identifizieren und ihr zu vertrauen.

Grundsätzlich finde ich Lokalpolitik aber trotzdem eher langweilig. Mein Interesse liegt eher bei der „großen“ Politik die auf Bundesebene stattfindet, da Auseinandersetzungen hier weitaus hitziger und spannender werden können. (Gerrit Meier)

2. September 2013: Das Kanzlerduell

Sonntagabend war es soweit, um 20:30 standen sich die amtierende Kanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Peer Steinbrück beim TV-Duell gegenüber. Moderiert wurde das Gespräch von Anne Will, Maybrit Illner, Stefan Raab und Peter Kloeppel.

Zahlreichen Medienberichten zu folge gab es keinen klaren Sieger, ich sehe das ganz ähnlich. Die Sendung kann man meiner Meinung nach nicht als richtiges „Duell“ bezeichnen. Merkel und Steinbrück haben beide nur ihre Wahlprogramme runtergerattert und sind den wichtigen Fragen ausgewichen.

Insgesamt hat Steinbrück zwar mehr Inhalt geliefert, bei den elementaren Fragen kamen von beiden allerdings keine zufriedenstellenden Antworten.

Besonders ärgerlich fand ich die Antwort von Merkel auf die Frage inwieweit wir von der NSA ausgespäht werden. Auf so eine Frage „das weiß ich nicht“ zu antworten geht gar nicht. Es ist schlicht und einfach nicht wahr, dass Angela Merkel als Bundeskanzlerin nicht weiß in welchem Umfang wir ausgespäht werden. Wie schon die ganze Zeit in der NSA-Affäre wollte sie die Antwort aussitzen.

Von Steinbrück als Herausforderer hätte ich mir mehr Biss gewünscht. Entgegen seiner sonst so angriffslustigen Art war er fast schon zahm.

Ich würde die Vorstellung von beiden insgesamt als sehr emotionslos und einschläfernd bezeichnen. Es gab zwar kurze Lichtblicke, wenn sie es schaffen konnten ihrem Kontrahenten ein Schnippchen zu schlagen, ansonsten war Stefan Raab allerdings der Einzige, der in die Sendung so etwas wie Unterhaltung bringen konnte.

Würde ich meine Wahlentscheidung von der Sendung abhängig machen, hätte mich leider keiner der beiden Teilnehmer überzeugt. (Lara-Marie Schneider)

30. August 2013: Das Wahlgeheimnis

Das erste Mal wählen zu dürfen, bedeutet auch das erste Mal eine Wahlentscheidung zu treffen. Als wäre es nicht schon schwierig genug, sich aus den vielen Parteien für eine oder auch zwei zu entscheiden, soll man diese Wahl nun auch noch geheim halten.

Und das, wie ich finde aus gutem Grund. Denn äußert man seine politische Meinung öffentlich, kann dies schnell Nachteile nach sich ziehen. Aus einem einfachen Gespräch über die voraussichtliche Wahlentscheidung mit dem Kumpel in einer Bar entwickelt sich flugs eine angeregte Diskussion, die nun auch der eine andere Meinungen vertretende, finstere Tischnachbar mitbekommt und die Ansichten mal eben vor der Tür klären möchte.

Na gut, ein krasses Beispiel. Aber man sollte schon darauf achten, wo man was äußert. Auch im Internet. Denn vielleicht mache ich mich mit dem Mitteilen meiner Wahl beim mitlesenden Chef unbeliebt? Auch einige internationale Geheimdienste sollen bekanntlich mitlesen und wer weiß wie diese zu meiner Wahl von Partei XY stehen?

Mit meinen Freunden werde ich in den kommenden Wochen sicherlich noch die eine oder andere Diskussion über die Wahl und unsere jeweiligen Ansichten führen, denn dem so langsam ins Rollen kommenden Wahlkampf ist in den Medien und auch auf der Straße kaum noch aus dem Weg zu gehen. Diese Diskussionen könnten meine eigene Entscheidung durchaus beeinflussen, doch am Ende treffe ich meine Wahl selbst und werde diese wohl auch für mich behalten. (Mirko Vopalensky)

28. August 2013: Die Wahlplakate

Wenn man dieser Tage in Bremen durch die Straßen schlendert, müssen sie einem einfach auffallen: Die Wahlplakate zur Bundestagswahl. Jede Straßenecke, jede Laterne ist zugepflastert mit ihnen.

Das Ziel: die Aufmerksamkeit und die Gunst der Wähler zu gewinnen. Dabei gehen die Parteien ganz unterschiedlich vor.

Die Wahlplakate der großen Parteien SPD und CDU sind langweilig, einfallslos und nicht besonders aussagekräftig. Das Gesicht des Spitzenkandidaten oder des Bundestagsabgeordneten, ein kurzer Spruch, fertig. Bloß nicht zu konkret werden.

Die Wahlplakate der kleineren Parteien wie Grüne und Linke sprechen mich dagegen mehr an. Sie sind echte Eyecatcher. Teilweise bunt gestaltet, eine junge Frau oder ein kleiner Junge wie du und ich darauf und mit einer klaren Aussage.

Für mich ist der Inhalt einer Wahlkampagne wichtiger als das Aussehen der Politiker. Eine grinsende Angela Merkel allein überzeugt mich nicht, mein Kreuzchen zu setzen.(Lara-Marie Schneider)

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