Kommentar über G 20 und die Landwirtschaft Die Zukunft der Ernährung ist regional, bio und fair

Die Bekämpfung der Migrationsursachen muss bei uns beginnen. Viele Bürger haben das erkannt. Bis es die G 20 erkennen, wird viel Wasser die Elbe herunterlaufen, meint Wilfried Bommert.
04.07.2017, 20:51
Lesedauer: 2 Min
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Von Wilfried Bommert

Wenn sich die G 20-Regierungschefs in Hamburg treffen, werden sie vielleicht darüber reden, wie die künftig zehn Milliarden Menschen auf der Welt satt werden können, aber werden sie auch etwas beschließen, was wirkt? Die Geschichte der G 20 lehrt uns, sie werden Krokodilstränen vergießen, den wartenden Kameras der Weltöffentlichkeit ihr Bedauern aussprechen, aber handeln werden sie nicht. Dazu steht der Karren der Welternährung schon zu tief in Dreck, dazu müsste ein grundsätzlicher Wandel der Agrar- und Ernährungskultur in den Industrieländer her, dazu aber fehlt der politische Druck.

Uns geht’s doch gut. Die Tische in Hamburg werden sich biegen vor Delikatessen und der Abfall vom großen Fressen wird Tonnen füllen, die anschießend im Müll landen. Ex und hopp, das ist die Welt der G 20. Mehr als ein Drittel der Nahrungsmittel landen auf dem Müll, bevor sie je einen Teller gesehen haben. Zwei Milliarden Menschen leiden unter Überernährung, Fastfood, Limonaden, Chips, Fleisch und Schokolade, zu viel Zucker, zu viel Fett und zu viel Salz. Seit Jahren beten Ärzte und Ernährungswissenschaftler, dass mit diesen Selbstmord mit Messer und Gabel Schluss sein muss, doch die Ernährungsindustrie hält standhaft dagegen.

Die Landwirtschaft, wie wir sie betreiben, hat die Hälfte der Bodenfruchtbarkeit weltweit zerstört und die Hälfte der Wasserreserven aufgezehrt, Was muss sonst noch ins Feld geführt werden, um eine Agrarwende auf die Tagesordnung der G 20 zu setzen? Das Elend der Tiere? Die Pestizid-Vergiftungen in Lateinamerika, wo das Futter für unsere Fleischfabriken wächst? Die Vertreibung der Kleinbauern in Asien und Afrika von ihren Äckern, weil dort die industrielle Landwirtschaft mit Biosprit das große Geschäft macht? Gleichzeitig hungern mehr als ein Milliarde Menschen auf der Welt, haben über Monate oder Jahre nicht genug zum Leben, weil sie nicht einmal das Nötigste besitzen, um selbst ihr Getreide anzubauen. Der Hunger ist immer noch ländlich, weiblich und friedlich, aber er wird in den kommenden Jahrzehnten in die Städte ziehen und sich formieren, Regierungen aus dem Sattel heben und sich auf den Weg nach Europa machen.

Die Bekämpfung der Migrationsursachen müsste bei uns beginnen, bei unserem Lebensstil, bei unserer Art, die Äcker zu bewirtschaften, die Tiere zu halten. Viele Bürger haben das erkannt, auch in Hamburg. Dort beginnt ein Ernährungsrat, um die Zukunft der Stadternährung in die Hand zu nehmen. Motto: regional, bio und fair. Das sind die Zeichen der Zeit. Bis sie die G 20 erkennen, wird noch viel Wasser die Elbe herunterlaufen. Zuviel.

Zur Person

Unser Gastautor baute die erste Umweltredaktion im Westdeutschen Rundfunk auf. Zur Zeit widmet sich Bommert als Sprecher des Vorstandes dem Aufbau des „Institut für Welternährung - World Food Institute“ in Berlin.
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