Ägypten EKD: Religionsfreiheit konsequent einfordern

Berlin. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat an die Politik appelliert, Religionsfreiheit jederzeit konsequent einzufordern.
04.01.2011, 08:01
Lesedauer: 2 Min
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Berlin. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat an die Politik appelliert, Religionsfreiheit jederzeit konsequent einzufordern.

Er sagte der "Passauer Neuen Presse" angesichts des islamistischen Selbstmordanschlags auf koptische Christen im ägyptischen Alexandria: "Die Bundesregierung hat sich immer wieder deutlich und unmissverständlich für Religionsfreiheit und den Schutz christlicher Minderheiten in arabischen Ländern ausgesprochen. Diesen Weg sollte sie weitergehen."

Schneider mahnte nach dem Attentat mit mehr als 20 Todesopfern zur Mäßigung. "Wir dürfen auf Gewalt nicht mit Gewalt reagieren. Ich bete dafür, dass auch die koptisch-orthodoxen Christen diese Haltung einnehmen können." Der "Frankfurter Rundschau" sagte der EKD-Ratschef, die Lage von Christen im Nahen Osten sei besorgniserregend. "Es ist leider so, dass Christen dort um ihr Leben fürchten müssen." Die staatlichen Autoritäten in Ägypten forderte Schneider auf, nun ernsthaft etwas zum Schutz der Kopten zu tun. "In Ägypten ist das Problem in der Vergangenheit nicht ernst genug genommen worden."

In Alexandria waren in der Neujahrsnacht mehr als 20 Menschen gestorben, als ein Selbstmordattentäter sich vor der christlichen Kirche in die Luft sprengte. Kanzlerin Angela Merkel appellierte am Montag an Ägyptens Präsident Husni Mubarak, solche Attentate künftig zu verhindern.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) schlug in der "Passauer Neuen Presse" als Konsequenz aus dem Anschlag vor, Entwicklungshilfe gezielt dorthin zu geben, wo Christen unterdrückt werden. "Christenverfolgung findet auch in Ländern statt, mit denen wir gar keine Entwicklungszusammenarbeit haben. Deshalb ist die Drohung der Streichung von Entwicklungsgeldern generell kein geeignetes Mittel, mit dem bedrängten Christen geholfen werden kann", sagte Kauder. "Sanktionen helfen uns hier nicht weiter. Entwicklungshilfe sollte vielmehr gezielt zur Förderung von christlichen Projekten in Ländern eingesetzt werden, in denen Christen unter Druck stehen."

Enttäuscht äußerte sich Kauder über die Reaktion des Zentralrats der Muslime in Deutschland: "Ich hätte schon erwartet, dass der Zentralrat der Muslime sich zu einem solchen Anschlag wie in Ägypten klar äußert, ein Zeichen der Solidarität mit den Angehörigen anderer Religionen setzt." (dpa)

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