Terror in Hanau

Liveblog - Generalbundesanwalt: Täter hatte „zutiefst rassistische Gesinnung“

Ein schweres Gewaltverbrechen erschüttert Hanau. Insgesamt gibt es elf Tote, weitere Menschen werden schwer verletzt. Die Generalbundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als terroristische Gewalttat ein.
20.02.2020, 16:30
Lesedauer: 14 Min
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Liveblog - Generalbundesanwalt: Täter hatte „zutiefst rassistische Gesinnung“

Polizeibeamte stehen am Haus, in dem der mutmaßliche Täter tot gefunden worden war. Bei Schüssen an zwei Shisha-Bars in Hanau wurden mehrere Menschen getötet und weitere verletzt.

Boris Roessler/dpa

Aktualisierung um 16.41 Uhr: Der mutmaßliche Todesschütze von Hanau hat nach Auskunft der zuständigen Kreisbehörde im Jahr 2013 eine waffenrechtliche Besitzerlaubnis bekommen. Ein Jahr später sei die erste Waffe darauf eingetragen worden, sagte ein Sprecher des Main-Kinzig-Kreises am Donnerstag in Gelnhausen.

In der Waffenbesitzkarte des Sportschützen seien zuletzt zwei Waffen eingetragen gewesen. Im Jahr 2019 sei die Erlaubnis überprüft worden. Dabei werde etwa geschaut, ob die Waffen ordnungsgemäß aufbewahrt werden, sagte der Kreissprecher. Alle Informationen seien den Ermittlern zur Verfügung gestellt worden. Der mutmaßliche Täter besaß nach Erkenntnissen der Behörde keinen Jagdschein.

Mutmaßlicher Hanau-Schütze war nicht vorbestraft

Aktualisierung um 15.45 Uhr: Der mutmaßliche Schütze von Hanau war nach ersten Erkenntnissen der Ermittler nicht vorbestraft. Es gebe auch keine Verfahren mit politischem Bezug gegen ihn, teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe mit. Aus Videos und Dokumenten des mutmaßlichen Schützen ergäben sich „gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat“.

Der 43-Jährige habe nach bisherigen Ermittlungen am Mittwochabend zunächst neun Menschen im Alter von 21 bis 44 Jahren erschossen. Unter ihnen seien sowohl ausländische als auch deutsche Staatsangehörige. Nach der Tat seien er und seine 72 Jahre alte Mutter tot in einer Wohnung gefunden worden. Neben den Leichen habe eine Schusswaffe gelegen. Der Vater war den Angaben zufolge äußerlich unverletzt. Die Bundesanwaltschaft führt ihn nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nicht als Beschuldigten.

Aktualisierung um 15.20 Uhr: Nach der mutmaßlich rechtsextremistischen und rassistischen Bluttat von Hanau mit elf Toten haben SPD und Grüne ihre für Donnerstagabend geplanten Wahlkampfveranstaltungen abgesagt. Stattdessen riefen sie zur Teilnahme an einer Kundgebung zum Gedenken an die Anschlagsopfer am späten Nachmittag auf dem Rathausmarkt auf. Die CDU kündigte an, ihre Wahlkampfveranstaltung am Abend in einen „Aufruf für mehr Zusammenhalt“ umzuwidmen.

Generalbundesanwalt: Täter hatte „zutiefst rassistische Gesinnung“

Aktualisierung um 15.08 Uhr: Der Todesschütze von Hanau hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank eine „zutiefst rassistische Gesinnung“. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben, sagte Frank am Donnerstag in Karlsruhe.

Aktualisierung um 13.45 Uhr: Unter den Todesopfern in Hanau sind nach Angaben der türkischen Botschaft in Berlin auch fünf türkische Staatsbürger. Ein Sprecher der Botschaft bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu, die sich auf den türkischen Botschafter in Berlin Ali Kemal Aydin berufen hatte.

Das türkische Außenministerium in Ankara verurteilte unterdessen den „niederträchtigen Anschlag“ in Hanau. Er sei eine „neue und schwere Auswirkung von wachsendem Rassismus und Islamfeindlichkeit“. Es sei an der Zeit, solche Angriffe zu stoppen.“

Aktualisierung um 13.01 Uhr: Die Polizeigewerkschaften DPolG und GdP haben nach der mutmaßlich rechtsextremen und rassistischen Gewalttat von Hanau vor voreiligen Schlussfolgerungen gewarnt. „Bevor mögliche politische Forderungen erhoben werden können, müssen erst einmal die Ermittlungen abgewartet werden“, mahnte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, am Donnerstag. “Weil der mutmaßliche Täter wohl Sportschütze war, darf das nicht dazu führen, nun alle Sportschützen unter Generalverdacht zu stellen.“

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, äußerte sich ähnlich: „Den Ermittlern muss jetzt die nötige Zeit und Ruhe zugestanden werden, die Hintergründe der schrecklichen Tat aufzuklären. Erst dann ist der Punkt gekommen, über mögliche zielführende Konsequenzen zu debattieren.“ In einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft seien solche menschenverachtenden Straftaten nicht auszuschließen.

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Wendt betonte, der Gesetzgeber habe auf rechtsextreme Straftaten reagiert. „Sowohl die Polizeien von Bund und Ländern als auch die Verfassungsschutzbehörden wurden personell und strukturell besser ausgestattet.“ Er forderte aber mehr Cyberspezialisten für die Polizei. Die GdP betonte, undurchdachte Rufe nach Gesetzesverschärfungen seien nicht angebracht. Die deutsche Gesellschaft lehne einen Polizei- und Überwachungsstaat zu Recht ab, so Radek. Vielmehr müssten die Sicherheitsbehörden effektiv vernetzt sein und genug erfahrenes Personal haben.

So reagieren Bremer Politiker auf die Tat in Hanau

Aktualisierung um 13 Uhr: Auch Politiker aus Bremen haben sich mittlerweile zur Gewalttat in Hanau geäußert. Was Kirsten Kappert-Gonther, Lencke Wischhusen oder auch Carsten Meyer-Heder sagen, lesen Sie hier.

Merkel: Rassismus ist ein Gift in der Gesellschaft

Aktualisierung um 12.44 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen und Opfern der Gewalttat von Hanau ihre tiefe Anteilnahme ausgedrückt. Dies sei ein „überaus trauriger Tag für unser Land. Der tiefe Schmerz über den gewaltsamen Tod so vieler Mitbürger, den die Menschen heute in Hanau empfinden, empfinde ich und die Menschen in ganz Deutschland“, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin.

Es werde alles unternommen, um die Hintergründe der entsetzlichen Morde „bis ins Letzte“ aufzuklären, versicherte die Kanzlerin. „Für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh.“ Doch weise derzeit vieles darauf hin, „dass der Täter aus rechtsextremistischen, rassistischen Motiven gehandelt hat. Aus Hass gegen Menschen mit anderer Herkunft, anderem Glauben oder anderem Aussehen.“

Sie fügte hinzu: „Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift. Und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft. Und es ist Schuld an schon viel zu vielen Verbrechen. Von den Untaten des NSU über den Mord an (dem Kasseler Regierungspräsidenten) Walter Lübcke bis zu den Morden von Halle.“

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Bundestags-Innenausschuss plant Sondersitzung zu Hanau

Aktualisierung um 12.29 Uhr: Der Innenausschuss im Bundestag plant am kommenden Donnerstag eine Sondersitzung zur Gewalttat von Hanau. Sie habe die Sitzung für 10.30 Uhr beantragt, „um mehr über die Hintergründe zu erfahren“, teilte die Ausschussvorsitzende Andrea Lindholz (CSU) am Donnerstag mit. „Damit erhalten die Behörden genügend Zeit, um einen soliden Ermittlungsstand aufzubauen.“ Priorität habe nun zunächst die Ermittlungsarbeit.

„Dieser Anschlag galt unserer freiheitlichen Art zu leben und trifft uns tief“, betonte Lindholz. „Mein aufrechtes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Den Verletzten wünsche ich vollständige und schnelle Genesung.“

Bayerns Innenminister: Tat von Hanau hat rechtsradikalen Hintergrund

Aktualisierung um 11.50 Uhr: Die Gewalttat von Hanau mit insgesamt elf Toten hat nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann einen rechtsradikalen Hintergrund. Der 43-jährige Deutsche habe „eine Reihe überwiegend aus dem Ausland stammender Menschen erschossen“, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in München nach einer Telefonschalte der Innenminister von Bund und Ländern. Man müsse aufgrund aufgefundener Materialien davon ausgehen, „dass es sich um einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Hintergrund handelt“.

Außerdem soll geprüft werden, ob die anstehenden Faschingsumzüge in Deutschland und Treffpunkte von Migranten verstärkt geschützt werden sollen, sagte Herrmann. Da seien sich die Innenminister von Bund und Ländern einig gewesen. „Denn wir wissen aus der Vergangenheit, dass grundsätzlich solche Taten auch Nachahmertaten haben können.“ Mit Blick auf die Tat vom Mittwochabend, als ein 43 Jahre alter Deutscher im hessischen Hanau zehn Menschen durch Schüsse tötete, ergänzte Herrmann: „Der gegenwärtige Stand ist, dass es ein Einzeltäter war, der dann wohl auch seine Mutter in der heimatlichen Wohnung erschossen hat.“

Faschingsumzug in Hanau abgesagt

Aktualisierung um 11.45: Der für Samstag angesetzte Faschingsumzug in Hanau findet nicht statt. Der Hanauer Carnevalszug Verein 1954 sagte die Veranstaltung am Donnerstagmorgen über Facebook ab.

Tote durch Schüsse in Hanau

Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt an einem Mercedes.

Foto: Boris Roessler/dpa

Maas ruft zu verstärktem Kampf gegen rechten Terror auf

Aktualisierung um 11.24 Uhr: Nach der Gewalttat in Hanau hat Außenminister Heiko Maas (SPD) zu verstärktem Kampf gegen rechten Terror aufgerufen. „Rechtsterrorismus ist wieder zu einer Gefahr für unser Land geworden“, betonte Maas am Donnerstag auf Twitter. Es sei längst Zeit zu erkennen: „Demokratie muss sich wehren gegen die Feinde der Freiheit.“ Das gelte für den Rechtsstaat. „Das gilt aber auch für uns alle.“

Wenn sich der Verdacht erhärte, sei die grauenhafte Tat in Hanau der dritte rechtsextreme Mordanschlag in Deutschland in einem Jahr, so Maas mit Blick auf die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) und den Anschlag in Halle.

Zentralrat der Juden verurteilt Gewalt

Aktualisierung um 11.15 Uhr: Die jüdische Gemeinde in Deutschland zeigt sich erschüttert von dem Gewaltverbrechen in Hanau. "Es ist davon auszugehen, dass der Täter bewusst Menschen mit Migrationshintergrund treffen wollte. Nach der Mordserie des NSU zieht sich wieder eine rechtsextreme Blutspur durch Deutschland: die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni vergangenen Jahres, der Anschlag in Halle an Jom Kippur und jetzt die Morde in Hanau", erklärte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden. Es stelle sich die Frage, wie sicher Minderheiten und Menschen, die sich für sie engagieren, noch in Deutschland leben können, so Schuster weiter.

Schuster machte den Behörden aber auch Vorwürfe: "Zu lange ist die Gefahr durch den wachsenden Rechtsextremismus verharmlost und vernachlässigt worden." Polizei und Justiz scheinen auf dem rechten Auge häufig eine Sehschwäche zu haben, so Schneider. Dies räche sich jetzt.

Sicherheitskreise: Viele der Opfer in Hanau mit Migrationshintergrund

Aktualisierung um 10.54 Uhr: Unter den Todesopfern von Hanau sind nach ersten Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden viele Menschen mit Migrationshintergrund. Ob unter ihnen auch ausländische Staatsbürger sind, war zunächst nicht bekannt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Sicherheitskreisen.

Mahnwache in Hanau angekündigt

Aktualisierung um 10.39 Uhr: In Hanau soll am Donnerstagabend eine Mahnwache für die Opfer des schweren Gewaltverbrechens stattfinden. Dazu habe Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD)aufgerufen, sagte eine Stadtsprecherin. Die Gedenkveranstaltung soll am Abend um 18 Uhr auf dem Marktplatz beginnen. Gleichzeitig kündigte der Deutsche Gewerkschaftsbund anlässlich der mutmaßlich rassistisch motivierten Gewalttat eine Kundgebung zur gleichen Zeit an der Frankfurter Paulskirche an.

Bouffier warnt vor Spekulationen

Aktualisierung um 10.22 Uhr: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat das Gewaltverbrechen in Hanau mit mehreren Toten als furchtbares Verbrechen bezeichnet. Es schockiere, mache sprachlos und „unendlich traurig“, sagte der Regierungschef am Donnerstag in Wiesbaden. Die Taten in Hanau seien ein Verbrechen, das in seiner Dimension außergewöhnlich sei.

„Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir Einiges wissen, vieles noch nicht“, erklärte Bouffier. Es werde sehr viel spekuliert. Bouffier rief die Bürger auf, sich nicht an diesen Spekulationen zu beteiligen. Es sei noch zu früh für eine Beurteilung der Lage.

Mutmaßlicher Täter war 43-Jähriger Deutscher

Aktualisierung um 10.18 Uhr: Bei dem mutmaßlichen Täter aus Hanau handelt es sich um einen 43-jährigen Deutschen aus Hanau. Er sei ebenso wie seine 72 Jahre alte Mutter tot in seiner Wohnung gefunden worden, sagte Innenminister Peter Beuth am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden.

Lambrecht: Hintergründe der Tat von Hanau gründlich aufklären

Aktualisierung um 10.15 Uhr: Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat den Angehörigen der Opfer von Hanau ihre Anteilnahme ausgesprochen. „Es ist erschütternd, wie viele Menschen dort sinnlos getötet wurden“, erklärte sie am Donnerstag. „Wir müssen die Hintergründe der Tat gründlich aufklären und alles tun, um solche Taten in Zukunft zu verhindern.“

Hessens Innenminister: Verdacht auf Terror in Hanau

Aktualisierung 10.01 Uhr: Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt nach der Gewalttat in Hanau laut dem hessischen Innenminister Peter Beuth wegen Terrorverdachts. Nach jetzigen Erkenntnissen sei ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben, sagte Beuth (CDU) am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden. Der mutmaßliche Täter war zuvor nicht im Visier der Ermittler. Der Mann sei weder als fremdenfeindlich bekannt gewesen noch polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Beuth. Er verurteilte die Gewalttaten. „Das ist ein Anschlag auf unsere freie und friedliche Gesellschaft“, sagte Beuth.

Bayerische Polizei unterstützte hessische Kollegen in Hanau

Aktualisierung 9.54 Uhr: An der Fahndung nach dem Täter in Hanau waren auch bayerische Polizisten beteiligt. „Bei großen Fahndungslagen wird bundesländerübergreifend unterstützt“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Würzburg. Dies sei üblich, auch bei Raubmord oder ähnlich schweren Delikten. Wie viele uniformierte Kräfte aus Unterfranken im nahen Hessen unterwegs waren, wollte der Sprecher nicht verraten.

Mutmaßlicher Täter veröffentlichte Theorien im Internet

Aktualisierung 9.12 Uhr: Der mutmaßliche Täter von Hanau hat vor dem Gewaltverbrechen eine umfangreiche Sammlung von Erklärungen und Weltanschauungs-Theorien im Internet verbreitet. In einem knapp einstündigen Video behauptet er unter anderem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen

Aktualisierung 9.01 Uhr: Nach mehreren Gewalttaten mit vielen Toten in Hanau hat der Generalbundesanwalt bereits in der Nacht die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Donnerstag.

Hanaus Oberbürgermeister spricht Anteilnahme aus

Aktualisierung 7.49 Uhr: Nach dem schweren Gewaltverbrechen in Hanau mit insgesamt elf Toten hat Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) den Opfern seine Anteilnahme ausgesprochen. „Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer. Ihnen gilt mein tief empfundenes Beileid“, teilte er am Donnerstagmorgen auf Facebook mit. Zudem teilte er mit, dass eine Schule sowie zwei Betreuungseinrichtungen für Kinder am Donnerstag nicht geöffnet seien. „Aufgrund der noch gesperrten Zufahrten und laufenden Ermittlungen bleiben die Heinrich-Heine-Schule und die Kinderburg und Kinderhaus West geschlossen“, schrieb Kaminsky.

Ursprüngliche Meldung: Elf Tote bei Schießerei in Hanau

Aktualisierung 7.10 Uhr: Neun Menschen sind am Mittwochabend in Hanau erschossen worden. Stunden nach dem Verbrechen an zwei unterschiedlichen Tatorten entdeckte die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung in Hanau. Dort fanden Spezialkräfte noch eine weitere tote Person. Insgesamt kamen damit elf Menschen am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag ums Leben. Die genauen Hintergründe für die außergewöhnliche Gewalttat sind bislang unklar. „Aktuell gibt es keine Hinweise auf weitere Täter“, berichtete die Polizei am frühen Donnerstagmorgen auf Twitter.

Die ersten Schüsse fielen den Ermittlern zufolge gegen 22.00 Uhr. Am Heumarkt in der Hanauer Innenstadt blicken Passanten später in der Nacht immer wieder fassungslos auf die Szenerie am abgesperrten Tatort. Nicht weit entfernt in einer Seitenstraße liegen Patronenhülsen auf dem Fußweg, auch hier ist noch unklar, was genau passiert ist.

Nur rund zwei Kilometer davon entfernt im Stadtteil Kesselstadt befindet sich ein weiterer Tatort. Dort wurden ebenfalls Schüsse abgefeuert. Eine mögliche dritte Schießerei im Stadtteil Lamboy bestätigte sich nicht. Die Polizei war aber auch dort mit einem Großaufgebot vor Ort.

Später in der Nacht kreist ein Polizeihubschrauber über Hanau. Die Informationen fließen nur spärlich. Von der Polizei heißt es nur, vom Tatort Heumarkt sei ein dunkles Fahrzeug davongefahren.

Es ist ein Verbrechen, das die beschauliche und nur wenige Kilometer östlich von Frankfurt gelegene Stadt in ihrer jüngeren Geschichte noch nicht erlebt hat. Einer der Tatorte ist eine Shisha-Bar am Heumarkt, einer Straße, die etwas am Rande der Innenstadt von Hanau mit seinen rund 100 000 Einwohnern liegt. Es ist keine schmucke Gegend, Spielhallen, Wettlokale und Döner-Imbissbuden prägen das Straßenbild - und am späten Mittwochabend auch Polizeisirenen, Blaulicht und Absperrband.

Die Polizei fordert Passanten und Schaulustige auf, den Bereich zu verlassen. Beamte mit Maschinenpistolen sichern die Umgebung ab. Menschen stehen in der Nähe der mit Flatterband abgesperrten Bereiche und weinen. In der Gegend kurven wuchtige Sportkarossen umher.

Männer versammeln sich in mehreren Grüppchen nahe der Absperrungen. Die Stimmung pendelt zwischen Entsetzen, Sprachlosigkeit und Wut. Eine laut wehklagende Frau wird von Sanitätern in ein nahe gelegenes Hotel gebracht. Dort sitzen später im Frühstücksraum noch weitere Frauen versammelt, mit Tränen in den Augen.

Die Nachricht von den Schüssen hat sich wie ein Lauffeuer über die Sozialen Medien verbreitet. Anwohner posten mutmaßliche Videos vom Tatort, offenbar kurz nach der Tat aufgenommen.

Der zweite Tatort ist fast in Laufnähe, mit dem Auto sind es bis dahin nur etwa fünf Minuten. Der Kurt-Schumacher-Platz liegt in einem Wohnviertel. Dort befindet sich im Erdgeschoss eines Wohnblocks eine Art Kiosk, mit der Aufschrift „24/7 Kiosk“ auf der großen Glasscheibe, auf einem Reklame-Leuchtschild steht „Arena Bar & Café“. Der Blick ins Innere ist versperrt, die Scheiben sind teils halbhoch mit orangefarbener Folie beklebt.

Im Einsatz

Die Polizei ist nach der Schießerei mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Foto: Boris Roessler / dpa

Auf dem Platz vor dem Café steht eine beschädigte Limousine, die Frontscheiben sind zum großen Teil mit Rettungsdecken abgedeckt. Später, die Spurensicherung läuft schon längst, wird ein Feuerwehrzelt, das auch als Sichtschutz dient, um das Auto herum aufgebaut.

Auch hier hat die Polizei die Gegend weiträumig gesichert, ein schwer bewaffneter Beamter steht dabei. Immer wieder fahren Einsatzwagen der Polizei zum Tatort, auch Krankenwagen fahren durch. Während tief in der Nacht unten auf dem Parkplatz die Spurensicherung läuft, sind manche Fenster in dem neunstöckigen Gebäude noch erleuchtet. Hier und da flimmert ein Fernseher.

Nur wenige Menschen sind hier in der Nacht noch unterwegs, einige kommen aber bis an das Absperrband der Polizei. Sie seien Freunde oder Angehörige von den Opfern, berichten sie.

Unter ihnen ist auch ein 24-Jähriger, der nach eigenen Angaben der Sohn des Kioskbesitzers ist. Er sei bei der Tat nicht vor Ort gewesen, sein Vater auch nicht, wie er erst später erfahren habe. Als er von den Schüssen gehört habe, sei er sofort hergekommen. „Ich habe erstmal einen Schock bekommen.“ Die Opfer seien Leute, „die wir jahrelang kennen“. Es seien zwei Mitarbeiter und eine Person, die er schon von klein auf kenne. Wer verübt solch ein Verbrechen? Der 24-Jährige ist ratlos: „Wir kennen sowas nicht, wir sind auch nicht mit Leuten zerstritten. Wir können es uns gar nicht vorstellen. Es war ein Schock für alle.“

Festnahme

Polizisten nehmen einen Verdächtigen fest

Foto: Boris Roessler / dpa

Auch der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zeigt sich in einer Sondersendung von „Bild live“ erschüttert über die Gewalttaten. „Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben.“

Die Hanauer Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich bin erschüttert darüber, was passiert ist.“ Auf Twitter schrieb sie: „In dieser fürchterlichen Nacht in Hanau wünsche ich den Angehörigen der Getöteten viel Kraft und herzliches Beileid.“ Und: „Den Verletzten eine hoffentlich schnelle Genesung. Es ist ein echtes Horrorszenario für uns alle. Danke an alle Einsatzkräfte!!“

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