Ausländer Experten fordern mutigere Zuwanderungspolitik

Berlin. Deutschland braucht nach Ansicht von Experten mehr Zuwanderer. "Deutschland muss attraktiver werden - nicht nur für ausländische, sondern auch für heimische Spitzenkräfte", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Klaus Bade.
13.04.2011, 15:40
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Berlin. Deutschland braucht nach Ansicht von Experten mehr Zuwanderer. "Deutschland muss attraktiver werden - nicht nur für ausländische, sondern auch für heimische Spitzenkräfte", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Klaus Bade.

Für die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte könnten osteuropäische Länder, aber auch das muslimisch geprägte Nordafrika infrage kommen.

"Wirtschaftsfeindliche populistische Kulturpanik" sei hier fehl am Platze, betonte Bade. Nach seinen Angaben hat Deutschland innerhalb von 15 Jahren (1994-2009) rund eine halbe Million Bürger mehr ans Ausland verloren als von dort aus in die Bundesrepublik zugewandert sind. Da die Gesellschaft immer älter werde, fehlten voraussichtlich im Jahr 2015 rund drei Millionen Arbeitskräfte in Deutschland.

Bade forderte die Politik auf, die Zuwanderungshürden zu senken. Das Mindesteinkommen für ausländische Hochqualifizierte müsse von derzeit 66 000 Euro auf rund 40 000 Euro brutto im Jahr heruntergesetzt werden. Zudem müssten internationale Studenten in Deutschland gezielt angesprochen werden, damit sie blieben. Sie seien jung, qualifiziert und somit die "ideale Zuwanderungsgruppe". Bade plädierte auch dafür, ein Zuwanderungssystem zu testen, bei dem Punkte für bestimmte Qualifikationen vergeben werden.

Dass die Politik dies bislang scheue, liege an ihrer Angst vor den Befindlichkeiten der Bürger. Tatsächlich seien sie aber offen für ein qualifikationsorientiertes Zuwanderungssystem. Bade stützte sich dabei auf eine neue Umfrage des Sachverständigenrates unter rund 2450 Menschen. Darin befürworten 60 Prozent der Befragten - sowohl mit als auch ohne eigenen Migrationshintergrund - eine stärkere Zuwanderung von Hochqualifizierten. Rund die Hälfte der Befragten ohne ausländische Wurzeln stehen außerdem einer stärkeren Aufnahme von Flüchtlingen positiv gegenüber.

Angesichts politischer Umbrüche in Nordafrika rief der Rat die Europäische Union (EU) auf, ihren Umgang mit Flüchtlingen zu überdenken. "Die "Festung Europa"" darf sich nicht länger darauf beschränken, ihre Außengrenzen abzuschotten", erklärte das Gremium in einer Mitteilung. Nötig sei die Bekämpfung der Abwanderungsursachen - etwa mit einer Art Marshall-Plan. Die EU müsse zudem mehr legale Zuwanderung zulassen.

Den Experten zufolge hat die Sarrazin-Debatte der deutschen Integrationspolitik geschadet. Das vergangene Jahr sei beherrscht worden von einem "Spiel mit Ängsten, Vorurteilen, Halbwahrheiten, Unterstellungen und unzulässigen Verallgemeinerungen". Dies sei ein Rückschlag gewesen, sagte der Kuratoriums-Chef des Sachverständigenrates, Rüdiger Frohn. Mit seinen provokanten Thesen zur Integration in Deutschland hatte der damalige Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin 2010 für großen Wirbel gesorgt. (dpa)

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