Gastkommentar Warum der Wohnungsbau ins Stocken geraten ist

Die Regierung muss auf die Krise im Wohnungsbau reagieren und für passende Rahmenbedingungen sorgen, meint Gastautor Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.
25.06.2022, 17:50
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Axel Gedaschko

Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen in Deutschland leisten ihren Beitrag zu den Wohnungsbau- und Klimazielen der Regierung, indem sie neue bezahlbare Wohnungen mit möglichst geringem CO2-Fußabdruck bauen und bestehende Gebäude energetisch modernisieren. Auf dem Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand bis 2045 stehen ihnen aktuell nicht nur Hindernisse im Weg – das Bauen und Umbauen in Deutschland befindet sich in einem Sturm.

Auswirkungen der Coronakrise und des Angriffskriegs gegen die Ukraine treffen dabei auf bereits länger bestehende Probleme. Nach dem radikalen Förderstopp des Bundeswirtschaftsministers beim bezahlbaren, klimaschonenden Wohnungsbau herrscht absolute Planungsunsicherheit bei den Unternehmen. Sie sind gezwungen, abzuwarten statt zu bauen. Der Krieg führt zu weiteren massiven Baupreissteigerungen und Lieferengpässen, in der Bauindustrie kommt es vermehrt zu Kurzarbeit, Aufträge müssen storniert werden. Die gefährliche Mangelsituation bei Fachkräften und Material, verschärft sich damit um ein Vielfaches. Gleichzeitig steigen die Zinsen, Kredite werden immer teurer. Nicht zuletzt gehen die Energiekosten für Mieter und Vermieter durch die Decke.

Lesen Sie auch

Die Wohnungsunternehmen sind angesichts dieser riesigen Problemfelder gezwungen, ihre Bauplanungen zu stoppen. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Wohnungsunternehmen müssen Neubauprojekte zurückstellen, wie eine Umfrage zeigt. Fast ein Viertel (24 Prozent) sieht sich gezwungen, den geplanten Bau neuer Mehrfamilienhäuser komplett aufzugeben. Ähnlich dramatisch ist die Lage bei Modernisierungsprojekten: Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Wohnungsunternehmen müssen den Umbau ihrer Wohnungen auf Eis legen, rund 13 Prozent müssen ihn ganz aufgeben.

Die Regierung muss die dramatische Lage bei Bau und Modernisierung erkennen und schnell für passende Rahmenbedingungen sorgen. Anstatt Hindernisse für den bezahlbaren Wohnungsbau zu schaffen, muss die Politik endlich umsteuern: Es dürfen keine neuen Regulierungen geschaffen werden, die  Bauplanungen weiter verzögern oder Produkte weiter verteuern. Bei Anforderungen an Gebäude ist deutlich mehr Flexibilität für alternative Lösungen bei Baustoffen und Technologien nötig.

Lesen Sie auch

Dringender denn je ist, das Förderchaos beim klimaschonenden, bezahlbaren Bauen zu beenden. Planbarkeit ist Grundvoraussetzung für das Entstehen von neuem Wohnraum. Dafür ist eine wirksame und verlässliche Fördersystematik dringend notwendig. Es muss sich schnell etwas ändern – sonst stehen verlorene Jahre für das bezahlbare Bauen und Wohnen in Deutschland bevor.

Zur Person

Unser Gastautor
ist seit 2011 Präsident des  GdW – des Bundesverbands der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Der 62-jährige Jurist war zuvor zwei Jahre lang Wirtschaftssenator in Hamburg. Gedaschko ist Mitglied der CDU.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+