Keine Antworten im NSU-Prozess Gericht diktiert Fragen an Zschäpe

Richter Manfred Götzl stellte Beate Zschäpe am 250. Verhandlungstag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München eine Frage nach der anderen. Antworten bekommt er von der Hauptangeklagten an diesem Tag nicht.
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Von Wiebke Ramm

Welche politische Einstellung hatte Uwe Böhnhardt? Welche Uwe Mundlos? Wie war ihre Einstellung zu Waffen? Und zu Gewalt? „Auf welche Art und Weise haben Böhnhardt und Mundlos Ihnen gegenüber ,deutlich zu verstehen gegeben‘, dass sie Ihnen ,in gewisser Weise‘ misstraut haben? Was ist mit ’in gewisser Weise’ gemeint?“

Richter Manfred Götzl stellt Beate Zschäpe am 250. Verhandlungstag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München eine Frage nach der anderen. Eine gute halbe Stunde lang. Antworten bekommt er von der Hauptangeklagten an diesem Tag nicht.

Zschäpe sähe sich nicht in der Lage, unmittelbar mündlich auf Fragen zu antworten, erklärt ihr Anwalt Mathias Grasel. Sie fürchte, sie können sich womöglich missverständlich ausdrücken. Zschäpe und ihre neuen Verteidiger wollen daher schriftlich antworten. Sie würden den Fragenkatalog in den kommenden Tagen abarbeiten, sagt Grasel. Vor der Weihnachtspause würden sie aber sicher nicht fertig werden. Götzl lässt sich darauf ein. Doch er übergibt sein Fragen-Konvolut nicht einfach, sondern diktiert jede einzelne Frage. Grasel muss mitschreiben.

Deutlich wird an diesem Tag des Prozesses: Zschäpes Einlassung vom vergangenen Mittwoch hat mehr Fragen aufgeworfen, als Antworten geliefert. Zschäpe hat weder Böhnhardt oder Mundlos noch das Zusammenleben der drei anschaulich geschildert. Zu den Vorwürfen gegen die vier Mitangeklagten äußerte sie sich gar nicht. Zschäpes Kernaussage war: Sie habe die zehn Morde nicht gewollt und von ihnen immer erst hinterher erfahren.

Götzl geht jede Einzelheit der Aussage durch, zitiert sie. Er fragt nach dem 4. November 2011, an dem sich Mundlos und Böhnhardt in einem Wohnmobil in Eisenach selbst töteten: „Über welchen Radiosender haben Sie erfahren, dass ein Wohnmobil entdeckt worden sei? Aufgrund welcher Umstände waren Sie sich sofort sicher, dass dieses Wohnmobil die beiden betraf und sie sich getötet haben? Wie war der 4. November 2011 bis dahin verlaufen? Hatten Sie an diesem Tag telefonischen Kontakt zu Mundlos und Böhnhardt?“. Grasel schreibt und schreibt.

Die Bundesanwaltschaft fragt nach bisher unbekannten Wohnungen und Lagerräumen. Sie fragt auch nach weiteren Kontaktpersonen. Die Anwälte der Überlebenden der NSU-Verbrechen und der Hinterbliebenen der Ermordeten wollen erst Zschäpes Antworten abwarten, bevor auch sie ihre Fragen stellen.

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