Religion Grünes Licht für Imam-Ausbildung

Berlin. Mit Islam-Studienzentren an den Universitäten in Tübingen, Münster und Osnabrück soll die Ausbildung von Imamen und islamischen Religionslehrer in Deutschland starten.
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Berlin. Mit Islam-Studienzentren an den Universitäten in Tübingen, Münster und Osnabrück soll die Ausbildung von Imamen und islamischen Religionslehrer in Deutschland starten.

«Wir haben die geeigneten Erfahrungen, um auch ein solches neues Kapitel zu schreiben», so Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Dies sei auch für die Integration zentral, «weil zur Integration auch immer gehört, in der eigenen Religion heimisch zu sein - auch in Ländern, die nicht kulturell geprägt sind von der eigenen Religion», sagte Schavan am Donnerstag in Berlin. Im Wintersemester 2011 sollen die ersten Studenten an den vom Bund geförderten Fachrichtungen beginnen.

Im Januar hatte der Wissenschaftsrat die Einrichtung solcher Bildungsstätten empfohlen. Religionslehrer für den Islam und muslimische Geistliche sollen komplett auf Deutsch ausgebildet werden. Der Bund fördert jedes Islam-Zentrum mit vier Millionen Euro für bis zu fünf Jahre. Münster und Osnabrück sollen als Doppelstandort mehr bekommen. Nach der nächsten Auswahlrunde kommendes Jahr solle es vier Standorte mit 400 bis 500 Studienplätzen geben, sagte Schavan.

«Wir wünschen uns die Ausbildung von möglichst vielen Imamen in Deutschland, weil wir davon überzeugt sind: Imame sind Brückenbauer zwischen ihren Moscheegemeinden und der Gemeinde, in der diese Moschee steht», sagte Schavan. «Wir wollen den islamischen Religionsunterricht in möglichst vielen Schulen in Deutschland», betonte sie zudem. In Niedersachsen und Baden-Württemberg gebe es dies bereits.

Die Hochschulen von Münster und Osnabrück müssten noch ein gemeinsames Konzept entwickeln, sagte Schavan. Münster sei stark in Theologie, Osnabrück bei der Lehrerbildung und Imam-Weiterbildung. «In der Kooperation liegt eine große Chance für den gesamten norddeutschen Raum.» Die Rektorin der Uni Münster, Ursula Nelles, sagte: «Wir freuen uns sehr.» Mit der Osnabrücker Hochschulleitung wolle man nun schnell ein Konzept erarbeiten.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, die sich ebenfalls beworben hatte, hat erst bei der nächsten Auswahlrunde im März eine neue Chance. Nach den Worten des Berner Islamwissenschaftlers Reinhard Schulze kam Erlangen nicht zum Zug, weil hier die Lehrerausbildung in ein Theologie-Konzept eingebettet werden sollte - und nicht umgekehrt. Uni-Vizepräsidentin Johanna Haberer sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Wir lassen uns keinesfalls entmutigen.»

Der Antrag Hessens für die Universitäten in Marburg und Gießen habe die Fachjury nicht überzeugt, teilte Schavan mit. Das geplante Mitspracherecht eines islamischen Beirats bei der Berufung der Fachkräfte erfordere in Tübingen noch Korrekturen, erläuterte Schulze. 16 Millionen Euro stellt der Bund unter anderem für Professuren und Mitarbeiter insgesamt zur Verfügung. Zusätzlich muss das jeweilige Land ein Drittel der Kosten übernehmen.

Schavan wertete den Schritt als wichtig gegen Islamismus. Die Verankerung in den Hochschulen beuge Gefahren der Politisierung des Islam vor. Zentral sei, dass Lehrer und Imame auf Basis theologischer Forschung ausgebildet würden. Schulze betonte: «Islamische Theologie wird an deutschen Universitäten unter säkularen Bedingungen stattfinden.» Vor allem Frauen hätten Interesse. Auch wollten immer mehr Frauen Imaminnen werden. Schavan forderte von den Islam- Verbänden, die neuen Angebote anzunehmen.

Bei den Parteien dominierte Zustimmung. Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) sagte der dpa: «Aus meiner Sicht ist dies der beste Weg, einen aufgeklärten Islam in Deutschland weiter zu befördern und extremistischen Tendenzen vorzubeugen.» Grünen- Fraktionschefin Renate Künast sagte der dpa: «Zur Religionsfreiheit gehört, dass man den Islam einbürgert.» Man dürfe aber nicht zu große Integrations-Hoffnungen auf die Imame allein richten. Die Linke- Politikerin Raju Sharma meinte, bei der Stellen-Besetzung müsse den islamischen Gemeinden nun ein Mitspracherecht wie den Kirchen eingeräumt werden. Die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, Mina Ahadi, kritisierte in der «Leipziger Volkszeitung»: «Diese Imam- Ausbildung bringt keinerlei Fortschritte bei der Integration.» Der Einfluss der islamischen Verbände werde weiter wachsen. (dpa)

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