Geschichte Holocaust-Gedenktag: Antisemitismus schürt große Sorgen

77 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wird wieder der Millionen Opfer des Nazi-Terrors gedacht. Viele blicken aber auch mit Erschrecken auf heute.
26.01.2022, 17:05
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Zum Holocaust-Gedenktag hat der Zentralrat der Juden ein erschreckendes Ausmaß an Antisemitismus beklagt und zügige Gegenmaßnahmen gefordert.

„Wenn wir die bedrohlichen Entwicklungen in unserer Gesellschaft aufhalten wollen, müssen den Worten Taten folgen“, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster in Berlin. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte, die Erinnerung an die NS-Verbrechen wach zu halten.

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, darunter Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und politische Gegner des NS-Regimes. Es ist der Jahrestag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz 1945.

Steinmeier in Sachsenhausen

Steinmeier besuchte am Vortag das frühere Konzentrationslager Sachsenhausen nördlich von Berlin. Im Lager waren zwischen 1936 und 1945 nach Angaben der Gedenkstätte mehr als 200.000 Menschen inhaftiert, Zehntausende kamen dort um. Steinmeier nannte es einen Schulungsort zur Perfektionierung des Völkermords.

„Wir gedenken der Millionen von Menschen, die in Konzentrationslager verschleppt, gefoltert und dort ermordet worden sind“, sagte der Bundespräsident. Die Verantwortung heute laute, allen Formen des Antisemitismus, des Rassismus und der Diskriminierung entschieden entgegenzuwirken.

Zentralrat erneuert Forderungen

Das forderte auch der Zentralrat der Juden in Deutschland. Es gebe seit Jahren Bemühungen der Politik und der Zivilgesellschaft gegen Antisemitismus. Diese müssten schnell umgesetzt werden. Ein Demokratiefördergesetz solle zivilgesellschaftliches Engagement stärken. Bei Staatsanwaltschaften müssten in allen Bundesländern Antisemitismus-Beauftragte eingesetzt werden. Richter und Lehrer sollten im Studium mehr zum NS-Unrecht erfahren, forderte der Zentralrat.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey betonte: „Unsere Aufgabe ist es, sich denjenigen, die Antisemitismus und Rechtsextremismus wieder hoffähig machen wollen, Ideologien propagieren oder die Geschichte relativieren, entschieden entgegenzutreten. Wir werden unsere Demokratie und unsere offene und tolerante Gesellschaft jeden Tag aufs Neue verteidigen.“

Kulturstaatsministerin Claudia Roth kündigte an, in der Gedenkstättenkonzeption des Bundes die pädagogische Arbeit zu stärken. „Eine wichtige Aufgabe wird sein, die Erinnerung an die Verbrechen in Europa wachzuhalten, sie in ganz Europa sichtbarer zu machen und sie im kollektiven Gedächtnis zu verankern.“ Einige Gedenkstätten gehen bei ihrer Arbeit neue Wege und nutzen auch kurze Videoclips auf Tiktok, um junge Leute mit Aufklärung zur NS-Zeit zu erreichen. Das Pilotprojekt wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

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