Kommentar über Armin Laschet

Beschädigter Kanzlerkandidat

Nach den Reibereien der vergangenen Tag ist die Aufgabe für Kanzlerkandidat Armin Laschet noch schwieriger geworden. CDU und CSU haben das Vertrauen in die Union massiv beschädigt, meint Norbert Holst.
21.04.2021, 05:00
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Beschädigter Kanzlerkandidat
Von Norbert Holst
Beschädigter Kanzlerkandidat

Armin Laschet freut sich sichtbar über die Kanzlerkandidatur, steht aber vor einer sehr schwierigen Aufgabe.

Kay Nietfeld / dpa

Das war kein reinigendes Gewitter, was sich in den vergangenen Tagen in der Union abgespielt hat, sondern ein heftiger Orkan, der ein politisches Trümmerfeld hinterlassen hat. Die beiden Hauptkontrahenten, Armin Laschet und Markus Söder, gehen arg gerupft aus dem Ringen um die Kanzlerkandidatur hervor.

Der Stratege Söder hat sich kräftig verzockt. Er hatte, neben der starken Rückendeckung aus seiner CSU, auf einen Aufstand der CDU-Basis gehofft. Aufgemuckt wurde aber nur im überschaubaren Rahmen, und der Widerspruch war zu schwach und unorganisiert, um den Pro-Laschet-Kurs von Parteigranden wie Volker Bouffier und Wolfgang Schäuble zu erschüttern. Doch Söder wird die Niederlage auf mittlere Sicht gut wegstecken können. In der Macht-Arithmetik der CSU gibt es niemanden, den er als halbwegs ernsthafte Gefahr ansehen müsste.

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Bei Laschet sieht das schon anders aus. Wenn Parteifreunde jetzt von einer Stärkung des CDU-Chefs sprechen, wie sie es in dem Votum der langen Nachtsitzung erkennen wollen, dann ist das Wunschdenken. Die Realität sieht anders aus: Bei ohnehin sinkenden Umfragewerten ist deutlich geworden, dass Teile der Basis ihrem Vorsitzenden nicht vertrauen beziehungsweise nichts zutrauen. Das ist für eine Partei wie die CDU, jahrzehntelang als Kanzlerwahlverein verspottet, eine erschreckende Entwicklung.

Laschet wird in gewohnter Manier versuchen, die Geschehnisse der vergangenen Tage wegzulächeln. Einfach wird das nicht. Er ist angeschlagen. Und spätestens mit dem Beginn des Wahlkampfs wird ihm jeder strategische Fehler, jeder missverständliche Zungenschlag mehr nachhängen als seinen Konkurrenten. Und sollte das passieren, dann werden auch die ersten Giftpfeile aus Bayern nicht lange auf sich warten lassen.

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Die Union war in schweren Zeiten für Deutschland oft ein Fels in der Brandung, sie strahlte auf viele Menschen Verlässlichkeit aus. Dieser Eindruck ist ramponiert, die Christdemokraten wirken auf allen Ebenen gespalten. Ihn unter diesen Umständen zu reparieren, ist eine nur schwer erfüllbare Aufgabe für den Kanzlerkandidaten der Union.

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