Soziales Kaum Anreiz für Hartz-IV-Empfänger zu Jobaufnahme

Berlin. Langzeitarbeitslose in Deutschland haben trotz der Hartz-Reformen im Vergleich zu anderen Industriestaaten nur wenig finanzielle Anreize, gering bezahlte Jobs aufzunehmen.
18.02.2010, 14:00
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Berlin. Langzeitarbeitslose in Deutschland haben trotz der Hartz-Reformen im Vergleich zu anderen Industriestaaten nur wenig finanzielle Anreize, gering bezahlte Jobs aufzunehmen.

Als Grund nannte die internationalen Wirtschaftsorganisation OECD hohe Sozialabgaben für Geringverdiener sowie die «unspezifische Förderung» von Minijobs. Wie aus der am Donnerstag in Berlin vorgelegten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weiter hervorgeht, sind deutsche Arbeitslose im internationalen Vergleich kaum überdurchschnittlich bessergestellt. Ihre finanzielle Absicherung liege im Durchschnitt der 30 OECD- Länder, im europäischen Vergleich sei sie allerdings eher gering.

Mit Blick auf die geringen Anreize für Hartz-IV-Empfänger zur Aufnahme gering bezahlter, aber existenzsichernder Jobs verwies die OECD darauf, dass ein Alleinerziehender oder verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern Einkommen von mehr als 60 Prozent des Durchschnittslohns erzielen müsse, ehe das Nettoeinkommen merklich über dem Sozialtransfers liege. Darin seien Kosten für Kinderbetreuung und die Schwierigkeiten, in Deutschland einen Betreuungsplatz zu erhalten, nicht berücksichtigt.

«Das sehr hohe Armutsrisiko der Alleinerziehenden (...) ist vor allem die Folge einer ausgesprochen geringen Erwerbsbeteiligung», kritisierte OECD-Experte Herwig Immervoll. Ein Grund sei, dass Anreize - etwa in Form von Freibeträgen im Arbeitslosengeld II oder der Mini-/Midijobs - in Deutschland vor allem auf geringfügige Beschäftigung konzentriert seien. Zudem hätten Geringverdiener eine relativ hohe Steuer- und Abgabenlast. «Einige OECD-Länder schaffen es, eine relativ großzügige finanzielle Absicherung mit hohen finanziellen Anreizen zur Arbeitsaufnahme zu kombinieren.»

Nach Angaben der OECD sind in Deutschland Familien mit Kindern und Alleinerziehende bei Arbeitslosigkeit im internationalen Vergleich bessergestellt als Singles oder Paare ohne Kinder. Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener erhalte direkt nach dem Jobverlust 60 Prozent seines Nettolohns aus staatlichen Transfers ersetzt. Deutschland rangiere damit leicht über dem OECD-Schnitt. Auch bei Alleinerziehenden und Familien mit zuvor nur einem Erwerbstätigen liege der Lohnersatz mit 70 Prozent beziehungsweise 72 Prozent des letzten Nettoeinkommens leicht über dem OECD-Schnitt.

Anders die Situation für Geringverdiener: Hier liege der deutsche Lohnersatz im unteren Drittel der OECD-Länder. Geringverdiener mit Kindern, die ihren Job verlieren, seien dagegen im OECD-Vergleich durchschnittlich abgesichert. Relativ gut sei die Absicherung bei Paaren, wenn ein Partner noch arbeitet. Bei Langzeitarbeitslosen seien in Deutschland Singles oder kinderlose Paare im internationalen Vergleich schlechter gestellt als Alleinerziehende oder Familien mit Kindern. Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener erhalte nach fünf Jahren Arbeitslosigkeit 36 Prozent der früheren Nettobezüge. Damit stehe Deutschland auf Platz 14 und nur knapp über dem OECD-Schnitt. (dpa)

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