Kommentar über Kinderfotos im Internet

Privatsphäre von Kindern ist nicht verhandelbar

Kinderfotos finden sich überall im Internet, gepostet oft von den Eltern. Doch das Recht setzt klare Grenzen. Die Privatsphäre von Kindern ist nicht verhandel­bar, meint unser Gastautor Benedikt Buchner.
19.06.2021, 18:27
Lesedauer: 2 Min
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Von Benedikt Buchner
Privatsphäre von Kindern ist nicht verhandelbar

Instagram und auch andere Apps sind voll von Kinderfotos, die der Öffentlichkeit zur Schau gestellt werden.

Fabian Sommer

Instagram und Co. sind voll von Kinderfotos, die der Öffentlichkeit zur Schau gestellt werden. Mit dem viel beschworenen Schutz von Kindern im Netz ist das offensichtlich nicht vereinbar. Aber auch das Recht setzt klare Grenzen.

Jan Böhmermann und seinem "Magazin Royale" haben wir eine bitterböse Satire auf die Welt der Influencer mit ihrem Drang nach Selbstkommerzialisierung zu verdanken. Soweit sich diese Trendsetter dabei nur selbst vermarkten und ihr eigenes Privatleben ausbreiten, mag man dies getrost dem Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung zuordnen. Einschreiten muss eine Gesellschaft aber, wenn jemand auf der Suche nach Einnahmequellen nicht nur die eigene Person zum Dauerwerbeträger degradiert, sondern auch seine Kinder. Die Privatsphäre von Kindern ist nicht (ver-)handel­bar, ihre Persönlichkeit ist umfassend zu schützen, notfalls auch vor den eigenen Eltern.

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Zu Recht hat daher jüngst der Medienrat der Bremischen Landesmedienanstalt vor einer Vermarktung der gesamten Kindheit auf Instagram gewarnt. In seinen Forderungen ist der Medienrat allerdings unnötig zurückhaltend. Es ist keineswegs so, dass man sich mit einer Selbstverpflichtung der Verantwortlichen („Netiquette“) zufriedengeben muss, um Kinder im Netz besser zu schützen. Vielmehr ist es schlicht und einfach verboten, dass Eltern ihre Kinder in der Online-Welt öffentlich präsentieren. Wer Kinderfotos postet, ist dafür im rechtlichen Sinne verantwortlich und darf dies nur, wenn es erlaubt ist. Eben das ist aber nicht der Fall. Die gesetzlich vorgesehene Interessenabwägung fällt nicht zugunsten der Eltern, sondern der Kinder aus. Nicht elterliches Mitteilungsbedürfnis und Gewinnstreben haben Vorrang, sondern der Persönlichkeitsschutz von Kindern – erst recht in einem Netz, das „nicht vergisst“.

Damit bleibt für eine zulässige Veröffentlichung nur das Einverständnis der Kinder selbst, welches diese jedoch nach rechtlichen Maßstäben frühestens mit 13 Jahren eigenverantwortlich erteilen können. Wer jetzt meint, dass es in jüngeren Jahren dann eben an den Eltern sei, stellvertretend die Interessen ihrer Kinder wahrzunehmen, der irrt. Mit guten Gründen lässt es das Gesetz nicht zu, dass Eltern ihre Kinder vertreten, nur um sich selbst etwas zu erlauben. Das Sorgerecht stellt Eltern keinen Freibrief aus, im eigenen Interesse die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder zu verletzen. Dies gilt im Übrigen für alle Eltern, egal ob Influencer oder nicht.

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