Kreislaufwirtschaft Bremen bietet beste Voraussetzungen für Schiffsrecycling

Die UN-Welthandelskonferenz schätzt, dass knapp die Hälfte der Containerschiffe bis 2030 abgewrackt werden müssen. Das eröffnet neuen Chancen für das Recycling der Schiffe, meint Gastautor Raimund Bleischwitz.
12.02.2022, 19:11
Lesedauer: 2 Min
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Von Raimund Bleischwitz

Klimaschutz ist in der Wirtschaft angekommen. Das Weltwirtschaftsforum hat das Thema just als Risiko Nummer eins bezeichnet. Die Stahlindustrie muss sich besonders anstrengen, um klimaneutral zu werden. Dabei sollte künftig auf Kreislaufwirtschaft gesetzt werden. Recycling und Wiederverwertung von Stahl stoßen etwa 80 bis 85 Prozent weniger Kohlendioxid aus als die Herstellung in einem Hochofen mit Eisenerz und Koks.

Schiffe bestehen zu weiten Teilen aus Stahl. Die internationale Schifffahrt verursacht etwa drei Prozent der CO2-Emissionen weltweit, das entspricht dem Anteil aller deutschen Emissionen. Tendenz steigend. Dabei strebt die internationale Seeschifffahrts-Organisation der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität an. Ein Recycling der veralteten Flotte ist aus mehreren Gründen lukrativ.

Erstens: Die UN-Welthandelskonferenz schätzt, dass knapp die Hälfte der aktuell betriebenen Containerschiffe bis zum Jahr 2030 abgewrackt werden müssen. Dieser Anteil dürfte mit den Klimaschutzambitionen ansteigen; gleiches gilt für weitere Teile der Schiffsflotte und die Folgejahre.

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Zweitens: Sind die Schiffe erst einmal zerlegt, benötigt das moderne Elektrostahlverfahren Strom aus erneuerbaren Energien. Künftig dürfte auch hochwertiger Stahl so hergestellt werden. Forscherinnen und Forscher halten eine vollständige Kreislaufführung für möglich.

Drittens: Die Nachfrage nach Stahl wird auch unter Klimaschutzvorzeichen hoch bleiben. Bis 2060 wird mit einer Verdoppelung der weltweiten Metallnachfrage gerechnet, angetrieben von Bauaktivitäten und Mobilität. Mit einem klimaschonenden Angebot würden die Preisanstiege nach Modellrechnungen moderat ausfallen, und viele Länder könnten ihren Infrastrukturausbau mit grünem Stahl finanzieren. Jedes geordnete Schiffsrecycling würde überdies die menschenunwürdigen Schiffsfriedhöfe wie etwa in Indien überflüssig machen.

Bremen bietet beste Voraussetzungen für Schiffsrecycling: Werften, Stahlindustrie, erneuerbare Energien, kompetente Fachkräfte. 60 Prozent des Überseeverkehrs sind Containerschiffe, Platz vier in Europa. Die maritime Wirtschaft umfasst etwa 1800 Unternehmen, darunter etliche Spezial-Zulieferer, ferner die Automobilindustrie, die Stahl benötigt, und perfekte Anbindungen ans Hinterland über Logistikzentren. Das Maritime Cluster Norddeutschland unterstützt die Standortsuche. Ahoi, Schiffsrecycling auch im Land Bremen.­

Zur Person

Unser Gastautor

ist Nachhaltigkeitsforscher und Experte für Kreislaufwirtschaft. Seit Jahresbeginn leitet er das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen.

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