Linke

Linken-Streit eskaliert - Bartschs Rückzug möglich

Berlin. Der Rückzug des Linken-Geschäftsführers Dietmar Bartsch wird nach der scharfen Kritik von Fraktionschef Gregor Gysi immer wahrscheinlicher.
12.01.2010, 16:50
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Linken-Streit eskaliert - Bartschs Rückzug möglich

Lafontaine und Bartsch

dpa

Berlin. Der Rückzug des Linken-Geschäftsführers Dietmar Bartsch wird nach der scharfen Kritik von Fraktionschef Gregor Gysi immer wahrscheinlicher.

In Parteikreisen wurde am Dienstag davon ausgegangen, dass der im Westen umstrittene Parteimanager rasch Konsequenzen zieht, aber in wichtiger Parteifunktion bleibt. Zugleich wurde in selten offener Weise Kritik an Gysi aus der Partei laut. Mit dem Schlagabtausch zwischen den beiden Spitzenleuten verschärft sich damit der parteiinterne Streit um die künftige Führung der Linken.

Gysi hatte seinen langjährigen politischen Weggefährten Bartsch am Montag scharf attackiert und ihm Illoyalität gegenüber Parteichef Oskar Lafontaine vorgeworfen. Bartsch sagte der Deutschen Presse- Agentur dpa, er lasse sich dies von niemandem vorhalten. Vertreter ostdeutscher Landesverbände stützten erneut Bartsch und lehnten seinen Rücktritt ab. Der Thüringer Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow beklagte Gysis öffentliche Kritik an Bartsch.

Bartsch, dessen Verhältnis zu Lafontaine seit langem als zerrüttet gilt, sagte der dpa: «Ich lasse mir von niemandem Illoyalität vorwerfen. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was man dem Bundesgeschäftsführer einer Partei vorhalten kann.» Zu Hintergründen und persönlichen Konsequenzen wollte er sich nicht äußern. «Ich will nicht weiter Öl ins Feuer gießen. Die Partei muss zur Ruhe kommen.» Der 51-Jährige betonte: «Seit 1991 arbeite ich loyal für die Partei.»

Gysi hatte auf einer Klausurtagung der Linkenfraktion im Bundestag gesagt, Bartsch habe sich gegenüber dem an Krebs erkrankten Lafontaine nicht loyal verhalten und das Vertrauen beschädigt. Bartsch habe interne Informationen an Medien gegeben und damit die aktuellen Personalquerelen und Ost-West-Streitigkeiten ausgelöst.

Bartsch hatte dem «Spiegel» im Herbst gesagt: «Schon Anfang des Jahres gab es im engsten Führungskreis Diskussionen darüber, dass Oskar Lafontaine nach der Wahl nicht mehr die Fraktion führen wird.» Das Nachrichtenmagazin hatte daraufhin die Frage aufgeworfen, ob Lafontaine seine Wähler getäuscht habe. Der 66-jährige Saarländer hatte im Oktober überraschend auf eine erneute Kandidatur für den Bundestags-Fraktionsvorsitz verzichtet. Im November hatte Lafontaine seine Krebserkrankung bekanntgegeben. Zudem hatte Bartsch öffentlich gemacht, dass Lafontaine die Parteizentrale in Berlin meide.

Gysis öffentliche Rüge gegen den im Osten geschätzten und im Westen kritisierten Geschäftsführer stellt die politische Zukunft von Bartsch infrage. Gysi hatte gesagt, die Partei werde eine Lösung finden, die «wehtun» würde. Allerdings solle niemand gedemütigt werden. Es gilt als ausgeschlossen, dass Bartsch ohne Gysis Rückhalt das Spitzenamt weiter ausfüllen wird. Die Führungsriege soll beim Bundesparteitag der Linken im Mai in Rostock neu gewählt werden.

Ramelow kritisierte in mehreren Medien Gysis Vorgehensweise. Seine Kritik hätte dieser intern, aber nicht öffentlich äußern sollen. Der «Frankfurter Rundschau» (Mittwoch) sagte er: «Wenn man wie Gysi von einem demütigungsfreien Prozess spricht, dann sollte dieser auch ohne Demütigung stattfinden.» Bundes-Vize Halina Wawzyniak sagte: «Das war nicht Gregor Gysis klügste politische Leistung.» Auch der Fraktionschef habe nicht immer Recht.

Ulrich Maurer, West-Beauftragter der Linken und als Lafontaine- Vertrauter einer von Bartschs Rivalen, zeigte sich dem Blatt zufolge dagegen zufrieden. «Das war eine hervorragende Rede.» Der Vorsitzende der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, unterstützte «ausdrücklich» eine erneute Kandidatur von Bartsch. Brandenburgs Linken-Chef Thomas Nord deutete in der «Märkischen Allgemeinen» (Mittwoch) an, dass Bartsch einen neuen Posten bekommen könnte. «Dietmar Bartsch ist ein verdienstvoller Politiker. Ich bin sicher, er wird weiter eine wichtige Rolle in der Partei spielen.» (dpa)

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+