Reform Merkel will Hartz-IV-Empfänger zu Pflegern machen

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, Langzeitarbeitslose verstärkt in Pflegedienste einzusetzen. «Wir haben 2,2 Millionen Hartz-IV-Empfänger, die arbeitsfähig sind, aber keinen Job finden», sagte sie der «Bild am Sonntag».
05.09.2010, 19:50
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Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, Langzeitarbeitslose verstärkt in Pflegedienste einzusetzen. «Wir haben 2,2 Millionen Hartz-IV-Empfänger, die arbeitsfähig sind, aber keinen Job finden», sagte sie der «Bild am Sonntag».

«Ich sehe nicht ein, dass Pflegekräfte künftig nur noch aus Osteuropa kommen. Daran können wir etwas ändern.» Die Kanzlerin sprach sich auch dafür aus, bereits in Deutschland lebenden Ausländern, deren Berufsabschlüsse bislang nicht anerkannt werden, eine Chance zu geben: «Wir können es uns nicht leisten, dass ein Arzt oder Ingenieur aus dem Ausland hier keine seiner Qualifikation angemessene Stelle findet.»

Bei einem Aussetzen von Wehrpflicht und Zivildienst wird sich nach Expertenmeinung der Druck auf das Pflegepersonal erheblich erhöhen. «Die Belastung wird sich sowohl körperlich als auch psychisch verschärfen», sagte der Direktor des Bremer Instituts für Public Health und Pflegeforschung, Stefan Görres, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Nach seinen Angaben ist es jetzt schon schwierig, ausreichend Personal zu finden. Deshalb müssten sowohl die Politik als auch die Einrichtungen selbst dringend handeln. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird nach Angaben von Görres in Zukunft weiter steigen, zugleich sinke die Zahl der Nachwuchskräfte - wegen des demografischen Wandels, aber auch, weil die Branche als unattraktiv gelte.

«Wir haben ein Imageproblem in der Pflege», sagte der Hochschulprofessor. «In einer Studie haben wir festgestellt, dass Pflegeberufe bei Jugendlichen absolut out sind.» Die jährlich 90 000 Zivildienstleistenden in Deutschland seien daher eine wichtige Stütze für die Pflegeeinrichtungen, die nun aber voraussichtlich wegfalle.

«Die Situation muss politisch gelöst werden», forderte Görres. Neben dem Ausbau des freiwilligen sozialen Jahres kommt seiner Ansicht nach ein sozialer Pflichtdienst in Betracht. «Ich halte es für sinnvoll, Pflege in Zukunft als gesellschaftliche und kulturbildende Aufgabe zu betrachten», sagte der Wissenschaftler. «Das scheint mir mindestens genauso sinnvoll wie der Wehrdienst.» Zugleich müssten die Pflegeeinrichtungen alles dafür tun, den Beruf attraktiver zu gestalten, von der Bezahlung bis hin zu den Arbeitszeiten. (dpa)

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