Migration Ministerin Özkan: Integration ist Bringschuld

Hannover. Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) will für eine erfolgreiche Integration auch die Zuwanderer in die Pflicht nehmen. Integration sei eine Bringschuld von Migranten, sagte Özkan der Nachrichtenagentur dpa in Hannover.
07.09.2010, 13:50
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Hannover. Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) will für eine erfolgreiche Integration auch die Zuwanderer in die Pflicht nehmen. Integration sei eine Bringschuld von Migranten, sagte Özkan der Nachrichtenagentur dpa in Hannover.

«Es ist eine Bringschuld, Deutsch zu lernen, seine Kinder in die Kita zu schicken, wie mein Vater es beispielsweise getan hat und ich selbst auch. Es ist eine Bringschuld, sich mit dem deutschen Schulsystem auseinanderzusetzen und seine Kinder dort nicht untergehen zu lassen», sagte Özkan. Die 39-Jährige ist erste türkischstämmige Ministerin in Deutschland.

Die Sprache sei der Schüssel zur erfolgreichen Integration. «Wer die deutsche Sprache lernt, hat eine Chance, wer sie nicht lernt, hat keine Chance», sagte Özkan. «Wir müssen auch deutlich machen: Es ist nichts Schlimmes oder Verwerfliches daran, sein Kind in eine Kita oder den Kindergarten zu geben. Die Mutterrolle leidet darunter nicht.» Es sei aber ein Problem, wenn die Kinder zu Hause blieben, die Großeltern auf sie aufpassten und der türkischsprachige TV-Sender laufe. «Dann spielen die Großeltern Kita - nur sie tun es auf Türkisch.»

Özkan sieht auch Versäumnisse im Umgang mit Zuwanderern. «Es sind in den letzten Jahrzehnten auch Fehler gemacht worden: Bei den Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern hat man viel zu lange gedacht, mit dem fleißigen Arbeiten an der Werkbank habe sich die Integration von selbst erledigt.»

Die Debatte um die Integration von Migranten in Deutschland war durch umstrittene Thesen des Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD) entfacht worden. So behauptet Sarrazin, dass Migranten wegen höherer Geburtenraten auf Dauer Staat und Gesellschaft in Deutschland übernehmen würden. Zudem vertritt er die These, dass Menschen verschiedener Herkunft - etwa Juden oder Basken - unterschiedliche Gene hätten.

Ein Bündnis linker Gruppen will gegen die Lesung von Sarrazins Buch «Deutschland schafft sich ab» an diesem Donnerstag in Potsdam lautstark protestieren. Unter dem Motto «Keine Toleranz für Rassisten» sei vor dem Veranstaltungsort in der Innenstadt eine Kundgebung mit mehr als 100 Teilnehmern angemeldet, sagte Polizeisprecher Mario Heinemann am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Sarrazins Auftritt im Nikolaisaal ist der Auftakt seiner bundesweiten Lesereise. Wegen seiner Thesen über Einwanderer steht der ehemalige Berliner Finanzsenator im Kreuzfeuer der Kritik. Ursprünglich sollte die Lesereise in einer Buchhandlung in Hildesheim starten. Der dortige Buchhändler sagte die Veranstaltung jedoch aus Sicherheitsgründen ab. Die Polizei in Potsdam wird Sarrazins Lesestunde notfalls mit Straßensperrungen schützen. «Wir bereiten einen Polizeieinsatz vor, der angemessen sein wird», sagte Sprecher Heinemann.

Auch in der brandenburgischen Landeshauptstadt war Buchautor Sarrazin zunächst ausgeladen worden. Ein Kulturzentrum wollte ihm keine Bühne mehr geben. Mit dem Nikolaisaal fand das Brandenburgische Literaturbüro jedoch ein Ausweichquartier. Die Veranstalter rechnen wegen des «riesigen Zulaufs» mit einem ausverkauften Abend. (dpa)

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