Niedersachsen

Sport, Spiel und Wahlrecht ab 16

Weil Kinder und Jugendliche ganz besonders von den Corona-Einschränkungen betroffen waren und sind, will das Land Niedersachsen sie nun besonders unterstützen.
11.06.2021, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Sport, Spiel und Wahlrecht ab 16
Von Peter Mlodoch
Sport, Spiel und Wahlrecht ab 16

Künftig will die niedersächsische Landesregierung die Interessen von Kindern und Jugendlichen stärker berücksichtigen.

Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Spielen und Sport laufen auf Sparflamme, Schulausflüge sind tabu, die Clubs sind dicht, der Abi-Ball fällt aus. Kinder und Jugendliche – da waren sich alle vier Fraktionen im Landtag noch einig – leiden besonders unter den Corona-Einschränkungen. „Die Kindheit kann nicht nachgeholt werden“, sagte die CDU-Abgeordnete und junge Mutter Laura Hopmann am Freitag. „Die Jugend lässt sich nicht verschieben“, meinte auch SPD-Kollegin Annette Schütze. Daher müsse man die Interessen von Kindern und Jugendlichen in und nach der Pandemie stärker berücksichtigen, heißt es in einem Antrag, den die Große Koalition mit ihrer großen Mehrheit verabschiedete.

Diese Erkenntnisse kämen reichlich spät, kritisierte dagegen die Opposition. Von konkreten und hilfreichen Gegenmaßnahmen fehle jede Spur. „Nach 15 Monaten Pandemie kommt die GroKo mit einem Antrag um die Ecke, in dem sie wesentliche Forderungen von Grünen und FDP eingearbeitet hat“, hielt der FDP-Abgeordnete Lars Alt SPD und CDU vor. „Das ist keine Hilfe für die Corona-Generation, sondern das Eingeständnis der eigenen Untätigkeit.“ Liberale und Grüne haben seit einem Jahr immer wieder nach Hilfen und Konzepten für Kinder und Jugendliche gerufen, doch in den allermeisten Fällen vergeblich.

FDP fordert Wahlrecht ab 16

Alt warnte vor einem „Generationen-Gefälle“, bei dem Auszubildende und Studierende weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Die Jungen bekämen ihre Freiheiten als Letzte zurück, weil sie als Letzte geimpft würden. Und sie müssten später die gigantischen Staatsschulden zurückzahlen, die jetzt zur Bewältigung der Krise aufgenommen würden. Das Mindeste sei daher eine Wertschätzung für die junge Generation. Und diese bemesse sich auch am Grad der Beteiligung und Einbindung, betonte der FDP-Parlamentarier. „Geben Sie sich in der Großen Koalition noch mal einen Ruck und fassen Sie endlich das Wahlrecht ab 16 an.“

Grüne kritisieren Corona-Verordnungen als lebensfremd

Der Grünen-Abgeordnete Volker Bajus bemängelte, dass die rot-schwarze Landesregierung bei ihren Corona-Verordnungen die Lebenswelt der jungen Menschen viel zu wenig im Blick gehabt habe. Ausnahmen für Kinder bei Kontaktbeschränkungen seien immer erst aufgrund von Protesten zugelassen worden, und das auch nur schrittweise: zunächst für Dreijährige, dann für Sechsjährige und schließlich für 14-Jährige. „Und jetzt? Schule auf, Gastro auf – alles prima. Aber als 15-Jähriger darf ich mich privat oder im Park nicht mit drei Freunden oder Freundinnen treffen? Das ist doch lebensfremd und nicht fair.“

Bajus forderte, dass das Land die Mittel aus dem Nachhol-Paket des Bundes selbst noch mal kräftig aufstocken müsse. Für Nachhilfe und Pauken seien 160 Euro pro Nase unzureichend. Außerdem gehe es nicht nur ums Lernen. „Kinder und Jugendliche haben doch soziale und emotionale Bedürfnisse.“ Niedersachsen müsse daher schnell einen Aktionsplan für die Sommerferien aufstellen, der „zusätzliche Freizeit-, Sport-, Spiel- und auch Spaßangebote“ mache.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens

Kinder und Jugendliche hätten sich während der Pandemie weitgehend "verantwortungsvoll" verhalten, meint Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) und warnt davor, von einer "verlorenen Generation" zu sprechen.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Man werde das Aufholprogramm „konsequent umsetzten“, versprach Sozialministerin Daniela Behrens (SPD). Dabei werde man nicht über die Köpfe der jungen Menschen hinweg entscheiden. „Wir wollen nicht über sie, sondern mit ihnen sprechen.“ Die Ressortchefin lobte die Kinder und Jugendlichen, die sich weitgehend „verantwortlich verhalten“ hätten. „Daher verdienen sie gerade jetzt unser besonderes Augenmerk.“ Behrens warnte allerdings davor, von einer „verlorenen Generation“ zu sprechen, der alle Chancen verbaut seien. „Das ist nicht so. Die Kinder und Jugendlichen haben keine Defizite.“ Die bestehenden Lernlücken könne man mit gezielter Hilfe abbauen.

Zur Sache

Keine Tests für die Kleinsten

Corona-Schnelltests für Krippenkinder unter drei Jahren wird es in Niedersachsen vorerst nicht geben. Das Kultusministerium wies entsprechende Forderungen der Grünen-Fraktion am Freitag zurück. „Es gibt bislang keine geeigneten Tests für so kleine Kinder“, sagte ein Sprecher von Ressortchef Grant Hendrik Tonne (SPD) dem WESER-KURIER.

In Kindergärten können dagegen Jungen und Mädchen zwischen drei und sechs Jahren zweimal wöchentlich mit kindgerechten Kits auf das Virus getestet werden. Für die Beschaffung der Tests sorgen die Kommunen als Träger sowie das Land je zur Hälfte. Das Land übernimmt die vollen Kosten und hat dafür 18,7 Millionen Euro bereitgestellt. „Das läuft reibungslos“, erklärte Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) und wies die Grünen-Kritik an angeblich fehlenden Mitteln zurück.

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