SPD Sarrazin bemängelt Streitkultur der Regierung

Berlin. Der für seine provokanten Äußerungen bekannte Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat den Deutschen eine mangelnde Streitkultur vorgeworfen: «Es muss in einer Gesellschaft auch eine gewisse Menge Streit, Krach und Kontroverse geben, denn es gibt ja auch unterschiedliche Interessen.»
01.04.2010, 08:10
Lesedauer: 1 Min
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Berlin. Der für seine provokanten Äußerungen bekannte Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat den Deutschen eine mangelnde Streitkultur vorgeworfen: «Es muss in einer Gesellschaft auch eine gewisse Menge Streit, Krach und Kontroverse geben, denn es gibt ja auch unterschiedliche Interessen.»

Dies sagte der SPD-Politiker und frühere Finanzsenator Berlins der «Saarbrücker Zeitung». «Die deutsche Harmoniesucht hat doch dazu geführt, dass viele Dinge gar nicht klar genug benannt und dann aufgeschoben werden.»

Sarrazin, der 2009 in einem Interview Türken und Arabern in Berlin keine produktive Funktion «außer für den Obst- und Gemüsehandel» eingeräumt hatte, betonte, der soziale Friede sei ein hoher Wert. «Wenn man ihn aber in jeder Debatte als Monstranz vor sich her trägt, dann ist dies Religionsersatz, und Religion ist nach Karl Marx Opium für das Volk.» Er forderte eine ehrliche Debatte über bestimmte Probleme, etwa einer sich «verfestigenden Unterschicht».

In der Hauptstadt liege der Anteil von Hartz-IV-Empfängern bei 20 Prozent, doch es kämen 40 Prozent der Berliner Kinder aus diesem Bereich. «Die Zahl derer, die überhaupt zum Steuerzahlen zur Verfügung steht, wird immer kleiner», sagte Sarrazin, der jüngst Kindergeldkürzungen bei nicht gemachten Hausaufgaben gefordert hatte.

Die Probleme in der schwarz-gelben Koalition hängen für Sarrazin mit zwischenmenschlichen Dissonanzen zusammen. «Es knirscht einfach zwischen den Personen Angela Merkel und Guido Westerwelle. Wenn man Politik machen will, muss man zu anderen Politikern, die man braucht, ein menschlich vernünftiges Verhältnis aufbauen», sagte Sarrazin. «Die Römer wurden deshalb mächtig, weil ihr militärisches Prinzip war: Immer nur ein Feind gleichzeitig. Man kann nicht Politik machen, indem man nur von Feinden umgeben ist.»

Bei Kanzlerin Merkel (CDU) und Außenminister Westerwelle (FDP) könne man zwei suboptimale Extreme studieren. «Westerwelle wurde medial zum Opfer seines schiefen Bildes von der spätrömischen Dekadenz. Angela Merkel wird tendenziell zum Opfer einer Kommunikationsstrategie, die jede denkbare Anstößigkeit vermeidet und damit die Kommunikationsinhalte bis zum Nichtssagenden entkleidet.» (dpa)

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