TV-Duell zur Bundestagswahl 2017 Schulz wirft Merkel Fehler in Flüchtlingskrise vor

Martin Schulz zeigt sich beim TV-Duell im Angriffsmodus. Gleich zu Beginn der Debatte warf er Angela Merkel mangelnde Absprachen mit EU-Partnern vor.
03.09.2017, 20:20
Lesedauer: 3 Min
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Das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz bildet den Höhepunkt des Wahlkampfes. Die SPD setzt große Hoffnungen darin, um die Stimmung zugunsten der Sozialdemokraten noch einmal zu drehen. Martin Schulz zeigt sich im Angriffsmodus.

In unserem Überblick lesen Sie wichtige Aspekte des Duells in aller Kürze:

  • Als erstes fällt auf: Merkel trägt eine silberne Kette, keine schwarz-rot-goldene. Beim vergangenen Duell 2013 sorgte sie mit der "Schlandkette" für Aufmerksamkeit.
  • Sind sie eine "All-inclusive-Kanzlerin", fragt Maybritt Illner. Sie meint, ob Merkel bei Themen wie Migration oder der Diesel-Affäre ganz unterschiedliche Meinungen vertrete. Merkel sagt, die Herausforderungen seien immer andere. "Jeder Mensch verändert sich im Laufe seines Lebens."
  • Schulz wirft Merkel vor, die europäischen Staaten im Herbst 2015 nicht eingebunden zu haben, als sie die Grenzen für Flüchtlinge aus Ungarn geöffnet hat. Er bezieht sich auf ihre Aussage, sie würde alles wieder genauso machen wie damals.
  • "Herr Schulz weiß es eigentlich besser", antwortet Merkel daraufhin. Die Situation sei damals sehr dramatisch gewesen. Sie habe die europäische Zusammenarbeit gesucht.
  • Merkel: Das EU-Türkei-Abkommen halte ich nach wie vor für absolut richtig
  • Zum Thema Integration sagt Merkel: Wir haben vier Millionen Muslime in Deutschland. Sie tragen zum Erfolg dieses Landes bei.
  • Schulz: Es kommen auch muslimische Männer zu uns, die antisemitische Positionen vertreten. Ihnen müsse gesagt werden, dass das nicht geht. Die wenigen radikalen Muslime diskreditierten die Religion. "Aber die Hassprediger haben in unserem Land nichts zu suchen."
  • "Wenn ich Kanzler werde, werde ich die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbrechen", sagt Schulz. Er habe sehr dafür geworben, dass die Türkei Vollmitglied der EU wird, aber dieser Punkt sei vorbei.

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  • Wie steht es um die Gläubigkeit der beiden Kandidaten? "Ich war heute nicht in der Kirche", gibt Merkel zu. Schulz sagt, er sei in einer Kapelle gewesen, um für einen verstorbenen Freund zu beten. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, handelt es sich um den Publizisten Frank Schirrmacher.
  • Thema Mittelmeerflüchtlinge: Schulz sagt, die europäischen Grenzen könnten und sollten nicht geschlossen werden. Stattdessen brauche es ein Einwanderungsgesetz in Deutschland. Merkel verneint die Frage, ob die deutsche Marine Flüchtlinge im Mittelmeer nach Libyen zurückbringen sollte. Dass die Küstenwache des nordafrikanischen Landes den Grenzschutz wahrnehme, sei aber richtig.
  • "Wir müssen den Anspruch des Grenzschutzes haben", erwidert Angela Merkel. Die Union wolle ein Fachkräftezuwanderungsgesetz.
  • Es geht noch einmal um die Türkei. Schulz wiederholt seinen Wunsch, sich für einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen einzusetzen. Merkel sagt, viele Menschen in der Türkei hofften auf die EU. Die Beitrittsverhandlungen seien momentan nicht existent.
  • Wie reagieren in der Krise mit Nordkorea? Merkel will alles daran setzen, Donald Trump davon zu überzeugen, dass es eine friedliche Lösung brauche.
  • Merkel betont, dass die Zahl der Arbeitslosen zurückgegangen ist. Sie will die Zahl der Langzeitarbeitslosen weiter verringern.
  • Merkel wies den Vorwurf von Schulz strikt zurück, die Union wolle die Rente mit 70 Jahren. "Das ist schlicht und ergreifend falsch", sagte sie. Sie halte Einzeläußerungen aus der SPD auch nicht Schulz vor. Es gebe keinerlei Beschluss in der CDU für eine solche Anhebung der Lebensarbeitszeit. Es gelte ausschließlich die mit der SPD vereinbarte Erhöhung der Lebensarbeitszeit bis zum Ende des Jahrzehnts auf 67 Jahre.
  • Thema Dieselskandal: "Wir haben in Deutschland ein anderes Rechtssystem", sagt Merkel auf die Frage, ob sie die Autoindustrie zu Entschädigungszahlungen bringen will, so wie in den USA. Die Autoindustrie müsse den Schaden wieder gut machen, sagt Merkel, aber die Arbeitsplätze müssten auch erhalten bleiben. Merkel sagt: "Ich bin sauer."
  • Schulz: Musterfeststellungsklage für Autokäufer müsse möglich sein. Der Schaden sei immens.
  • Martin Schulz will auch im Fall einer Wahlniederlage SPD-Chef bleiben.
  • Die Abschlussworte in 60 Sekunden: Schulz warb in seinem Schlusswort für Mut zum Aufbruch in Zeiten des Umbruchs.
    "Mut zum Aufbruch heißt, die Zukunft zu gestalten und nicht die Vergangenheit zu verwalten." Er stehe für ein "europäisches Deutschland in einem starken Europa".
  • "Wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen", sagt Merkel in ihrem Abschlussstatement. Die Bildung müsse umgestellt und Arbeitsplätze in der digitalen Wende erhalten bleiben. Merkel wirbt für sich mit einer "Mischung aus Erfahrung" und "der Neugier auf das Neue". Sie glaube, dass sie Deutschland so gestalten könne, dass das Land auch in zehn Jahren ein starkes und sozial gerechtes Land sei.
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(cah/dpa)

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