Geschichte Serbien und Slowenien im Fokus von Nazi-Jägern

Ludwigsburg. Fast 66 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sieht die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen noch Chancen, lebende Nazi-Verbrecher zu finden. Besonders im Fokus stehen künftig Länder wie Serbien, Slowenien und Griechenland.
03.01.2011, 12:20
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Ludwigsburg. Fast 66 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sieht die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen noch Chancen, lebende Nazi-Verbrecher zu finden. Besonders im Fokus stehen künftig Länder wie Serbien, Slowenien und Griechenland.

"Wir habe diese Baustellen jetzt neu aufgemacht", sagte Leiter Kurt Schrimm der Nachrichtenagentur dpa in Ludwigsburg.

Der 61-Jährige will mit seinen Kollegen alle Länder, die in den Zweiten Weltkrieg involviert waren, in seine Suche nach NS-Tätern einbeziehen. "Ich weiß mit Sicherheit, dass in Slowenien Akten vorhanden sind." Danach stehe das Baltikum auf dem Programm. Zudem würden derzeit noch Akten aus Chile und Weißrussland ausgewertet.

Im zehnten Jahr seiner Tätigkeit sieht Oberstaatsanwalt Schrimm die Aufgabe selber aktiv im Ausland nach einschlägigen Akten zu suchen, als zukunftsweisend für seine Behörde an. "Die Zeiten, als wir etwa nach einem Anfangsverdacht durch Zeugenaussagen kontaktiert wurden, ist vorbei. Von außen kommt jetzt so gut wie nichts mehr. Wir müssen selber tätig werden und gehen deshalb von uns aus auf verschiedene Archive zu", betont Schrimm.

Die Unterstützung der deutschen Vertretungen im Ausland sei dabei sehr wichtig. "Oftmals kennen sich die dortigen Vertreter hervorragend aus und geben uns wichtige Hinweise auf Archive, von denen wir gar nicht wissen, dass es sie gibt", so Schrimm.

Die Wahrscheinlichkeit, noch einen bekannten NS-Verbrecher zu erwischen, schätzt der Nazi-Jäger aber als gering ein. "Unser Ziel ist zwar die Strafverfolgung, und dass ein Täter verurteilt wird. Aber unsere Aufgabe dient auch der Aufarbeitung und der Aufklärung der Fälle." Dies sei im Fall des mutmaßlichen Nazi-Schergen Iwan "John" Demjanjuk geschehen, dem gerade in München der Prozess gemacht wird. Schrimm und seinen Leuten war es im 50. Jahr des Bestehens der Ludwigsburger Zentralstelle vor zwei Jahren gelungen, Unterlagen für eine Anklage gegen Demjanjuk zusammenzustellen.

Der gebürtige Ukrainer soll sich als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor (Polen) der Beihilfe zur Ermordung von mindestens 29 000 namentlich bekannten Juden schuldig gemacht haben. Die meisten Opfer starben durch Abgase eines Dieselmotors. "Ob Demjanjuk verurteilt wird, muss das Gericht entscheiden. Aber wir haben uns mit den Ereignissen von damals befasst, das darf man nicht unterschätzen", sagte Schrimm. "Wir haben immerhin die Namen von 20 000 Opfern festgestellt." (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+