Bremen zieht mit Stiko empfiehlt Auffrischimpfungen bereits nach drei Monaten

Auffrischimpfungen gelten als wichtig gegen die Omikron-Variante. Die Ständige Impfkommission schafft nun den Rahmen für beschleunigtes Boostern – Bremen will sich an der Entscheidung orientieren.
21.12.2021, 14:07
Lesedauer: 4 Min
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Von dpa/few

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Auffrischimpfungen wegen der Omikron-Variante des Coronavirus bereits nach mindestens drei statt nach sechs Monaten.

Die Empfehlung zum verkürzten Impfabstand gelte ab sofort für Erwachsene, teilte das Gremium am Dienstag mit. Sie ziele ab auf einen verbesserten Schutz vor schweren, durch Omikron hervorgerufenen Erkrankungen in der Bevölkerung und auf eine verminderte Übertragung der Variante. Es sei damit zu rechnen, dass Omikron das Infektionsgeschehen hierzulande „innerhalb kürzester Zeit“ bestimmen werde.

Ältere und vorerkrankte Menschen sollen laut Stiko wegen ihres höheren Covid-19-Risikos die Spritze bevorzugt erhalten. Die beiden mRNA-Impfstoffe, die zum Boostern verwendet werden (Comirnaty von Biontech/Pfizer und Spikevax von Moderna), seien „hinsichtlich ihrer Wirksamkeit völlig gleichwertig“.

Kapazitäten in Bremen fast ausgeschöpft

Aktuelle Daten deuteten auf einen deutlich verringerten Impfschutz nach der Grundimmunisierung gegenüber der Omikron-Variante hin, erklärte die Stiko. Dieser nehme nach drei bis vier Monaten signifikant ab. Nach einer Auffrischimpfung steige die Schutzwirkung vor symptomatischer Infektion mit der Omikron-Variante jedoch wieder deutlich an. Es sei derzeit davon auszugehen, dass auch der Schutz vor schweren Verläufen zunehme. Zur Dauer des Schutzes könne man derzeit noch nichts sagen.

Bremen bereitet sich nach der Stiko-Entscheidung auf eine steigende Nachfrage vor. Man werde sich an der Empfehlung orientieren und grundsätzlich Auffrischimpfungen nach drei Monaten anbieten, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. In der Praxis sei es aber nicht möglich, allen Berechtigten sofort die dritte Impfung zu ermöglichen. Es mangele dabei aktuell nicht an Impfstoff, sondern an den personellen und logistischen Kapazitäten. Das Impfzentrum am Brill und die anderen Impfstellen seien bereits stark ausgelastet. "Auch die Hausärzte impfen, was das Zeug hält", sagt Fuhrmann. Zusätzliche Kapazitäten könnten entstehen, wenn Apotheker und Zahnärzte in die Kampagne eingebunden werden. Bislang sei eine Umsetzung aber noch nicht vom Bund auf den Weg gebracht worden.

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Ob die niedergelassenen Ärzte in Bremen ihre Beteiligung an der Impfkampagne noch ausbauen können, ist fraglich. Mittlerweile nähere man sich in Bremen bereits der Zahl von 4500 Impfungen täglich an, sagt Kurt Josenhans, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB). Das seien deutlich mehr Impfungen als von der Gesundheitsbehörde ursprünglich angefordert. Mögliche Probleme sieht Josenhans bei der Impfstoff-Beschaffung. Das Biontech-Vakzin stünde teilweise nur eingeschränkt zur Verfügung, wohingegen der Moderna-Impfstoff in den gewünschten Mengen lieferbar sei. Einige Ärzte hätten unmittelbar nach Bekanntwerden der Stiko-Empfehlung zusätzliche Dosen bestellt. Am Dienstagnachmittag habe man bereits die Rückmeldung erhalten, dass eine größere Lieferung zumindest in den nächsten Tage nicht möglich sei. Josenhans: "Der gesamte Logistikprozess ist noch gar nicht darauf eingestellt." 

Der gesamte Logistikprozess ist noch gar nicht darauf eingestellt. 
Kurt Josenhans, Kassenärztliche Vereinigung Bremen

Grundsätzlich beurteilt der KVHB-Vertreter die Entscheidung der Stiko positiv. "Die Frage ist, ob man das nicht anders hätte vorbereiten sollen. Also zum Beispiel erst mal die Logistik aufbauen, bevor man der Bevölkerung signalisiert, dass sie sich auf den Weg machen kann", sagt Josenhans. "Darüber muss natürlich die Stiko entscheiden, aber ich hätte es anders gemacht."

Bisher hatte die Stiko empfohlen, dass eine Auffrischimpfung in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen soll. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate konnte „im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden“. Für Immungeschwächte war bereits ein noch kürzerer Abstand zwischen zweiter und dritter Dosis möglich. Bei der Änderung von Dienstag handelt sich im Unterschied zu manchen früheren Aktualisierungen bereits um eine finale Stiko-Empfehlung.

Boostern allein hilft nicht

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte kürzlich mitgeteilt, dass Booster-Impfungen schon nach drei Monaten erfolgen können. Auch Biontech-Gründer Ugur Sahin hatte sich wegen Omikron für eine frühere dritte Impfung ausgesprochen. Im Land Berlin war der auf drei Monate verkürzte Impfabstand in Hinblick auf eine erwartete Stiko-Empfehlung bereits am Montag angekündigt worden. Das RKI schätzt das Risiko für zweifach Geimpfte und Genesene seit Montag wegen Omikron als hoch ein. Für Ungeimpfte bleibt es demnach „sehr hoch“. Für Menschen mit Auffrischimpfung sprach das Institut von moderatem Risiko. Wissenschaftler haben Omikron-Ansteckungen auch schon bei Menschen dokumentiert, die bereits eine Auffrischimpfung erhalten hatten.

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Fachleute betonten, dass Boostern allein gegen die stark mutierte Omikron-Variante nicht ausreichen dürfte. „Eine massive Ausweitung der Boosterkampagne kann die Dynamik verlangsamen und damit das Ausmaß mindern, aber nicht verhindern“, hieß es etwa in einer Stellungnahme des neuen Expertenrats der Bundesregierung, dem auch Stiko-Chef Thomas Mertens angehört. Laut mathematischer Modelle könne eine Überlastung des Gesundheitssystems und die Einschränkung der kritischen Infrastruktur nur „zusammen mit starken Kontaktreduktionen eingedämmt werden“. Ähnlich äußerte sich am Dienstag auch das Robert Koch-Institut.

Als wenig sinnvoll hatten Immunologen hingegen das Boostern bei immungesunden Menschen nach noch kürzerer Zeit beurteilt, etwa nach vier Wochen. Der Booster wirke dann viel schlechter, weil bestimmte immunologische Prozesse noch nicht abgeschlossen seien.

++ Dieser Artikel wurde am 21. Dezember um 16.33 Uhr aktualisiert. ++

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