Ukrainer und Russen Krieg mit anderen Mitteln

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges werden auch hierzulande Russen und Ukrainer Opfer politisch motivierter Straftaten. Das niedersächsische Innenministerium legt nun Zahlen vor.
25.04.2022, 18:53
Lesedauer: 2 Min
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Krieg mit anderen Mitteln
Von Joerg Helge Wagner

Der russische Überfall auf die Ukraine führt auch in Niedersachsen zu Angriffen auf Russen und Ukrainer. 26 mal waren Ukrainer Opfer entsprechender Straftaten, 20 mal traf es Russen seit Kriegsbeginn am 24. Februar, teilte das Innenministerium in Hannover jetzt auf Anfrage mit. Zudem gab es drei Attacken auf russische Einrichtungen. Zum Vergleich: Die Bremer Polizei beschäftigt sich aktuell mit acht Straftaten, die sich konkret gegen russische und russischsprachige Personen oder Einrichtungen mit russischem Hintergrund richteten. Weitere zwölf Ermittlungen betreffen Attacken auf Personen mit ukrainischem Hintergrund.

Sehr viele Straftaten – in Niedersachsen mehr als 200, in Bremen rund zehn – haben zwar einen Bezug zum Ukraine-Krieg, sind aber keiner individuellen Person oder Einrichtung zu zuordnen. Meistens geht es um Sachbeschädigungen, Parolen-Schmierereien und Ähnliches.

In Niedersachsen verzeichnet man im Verlauf des Konflikts seit Anfang April sogar einen Rückgang dieser Delikte. Doch das muss nicht so bleiben: "Sowohl der Verlauf als auch die Folgen von Kriegshandlungen sowie die Berichterstattung darüber wirken auf Tendenzen des Kriminalitätsgeschehens", warnt Pressereferentin Mareike Fieker aus dem Innenministerium. Deshalb würden jetzt auch "Orte, an denen sich bekanntermaßen Menschen pro-russischer und pro-ukrainischer Ausrichtung vermehrt aufhalten, mit einer verstärkten sichtbaren Präsenz im Rahmen der Streife aufgesucht".

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Im Landeskriminalamt Niedersachsen hat die Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität (PPMK) die Aufgabe, Fälle von drohender Radikalisierung im Blick zu behalten. Man sei "in Einzelfällen mit den Auswirkungen von pro-russischen wie pro-ukrainischen Polarisierungstendenzen konfrontiert", berichtet Fieker. Keine Erkenntnisse gebe es jedoch zu organisierten Gruppen radikaler oder gar militanter Unterstützer des russischen Staatschefs Wladimir Putin.

Falls es doch zu Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern beider Volksgruppen kommen sollte, kann Niedersachsens Polizei zumindest stellenweise auch sprachlich schlichten. Denn hier arbeiten aktuell 233 Personen, die angegeben haben, einen russischen Migrationshintergrund zu haben, und weitere 30 ukrainischer Herkunft. Eine Erhebung zum Stand der Sprachkenntnisse erfolgt allerdings nicht. "Es ist aber davon auszugehen, dass vorhandene Sprachkompetenzen in konkreten Einzelfällen der Polizeiarbeit auch angewendet werden", sagt Fieker. Ansonsten verzeichne die Dolmetscherdatei der Polizei noch 264 Sprachmittler für Russisch, 53 für beide Sprachen und zwei ausschließlich für Ukrainisch.

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