Geschichte «Tag der Heimat»: Seehofer unterstützt Steinbach

Berlin. CSU-Chef Horst Seehofer hat den Vertriebenen und ihrer Präsidentin Erika Steinbach den Rücken gestärkt. In seiner Rede zum «Tag der Heimat» nahm der bayerische Ministerpräsident sie am Samstag gegen den Vorwurf der Geschichtsklitterung in Schutz.
12.09.2010, 12:30
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Berlin. CSU-Chef Horst Seehofer hat den Vertriebenen und ihrer Präsidentin Erika Steinbach den Rücken gestärkt. In seiner Rede zum «Tag der Heimat» nahm der bayerische Ministerpräsident sie am Samstag gegen den Vorwurf der Geschichtsklitterung in Schutz.

«Sie sind aufrechte Demokratinnen und Demokraten und keine Revanchisten», sagte er vor mehreren hundert Vertriebenen in Berlin. «Wir lassen Sie nicht alleine.»

Steinbach (CDU) bezeichnete die Angriffe gegen den Bund der Vertriebenen (BdV) in einer phasenweise wütenden Rede als «konzertierte Aktion». Sie ziele darauf ab, ihren Verband «in eine Reihe mit Geschichtsfälschern» zu stellen.

Steinbach und andere Spitzenfunktionäre des BdV waren in den vergangenen Tagen wegen Äußerungen zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs massiv unter Druck geraten. Die 67-Jährige hatte im Zuge der Auseinandersetzung ihren Rückzug aus der CDU-Spitze angekündigt.

Steinbach und Seehofer bekannten sich in ihren Festreden klar zur deutschen Kriegsschuld. Deren Anerkennung bleibe die Grundlage für die Versöhnung mit den Nachbarländern, sagte Seehofer. Aber auch das Gedenken an Flucht und Vertreibung sei ein «berechtigtes Anliegen».

Steinbach sagte: «Jeder im Lande hier weiß, wer den Zweiten Weltkrieg begonnen hat. Hitler hat die Büchse der Pandora geöffnet.» Allerdings dürfe auch keine Barbarei durch eine andere gerechtfertigt werden, sagte sie im Hinblick auf die Vertreibung Deutscher. «Menschenrecht mit zweierlei Maß zu messen ist paradox an sich.»

Der Auftritt Seehofers war mit Spannung erwartet worden. Noch kurz vorher hatte die SPD von ihm gefordert, sich klar von Steinbach zu distanzieren. Er dürfe nicht zulassen, dass Steinbach mit ihren «revanchistischen Thesen» das Verhältnis zu Polen weiter vergifte, sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann der Nachrichtenagentur dpa.

Seehofer ließ in seiner Rede aber keinen Zweifel an seiner Unterstützung für die Vertriebenen. «Sie stehen auf dem Boden unserer Wirtschafts- und Werteordnung, Sie stehen auf dem Boden des Grundgesetzes», sagte er. «Solange ich Ministerpräsident bin, werden wir als Bayern an der Seite der Heimatvertriebenen stehen.»

Er sprach auch die Leistungen der Vertriebenen beim Aufbau von CDU und CSU an und würdigte den Einsatz Steinbachs für das in Berlin geplante Vertriebenenzentrum. «Das gehört zu Ihrem Lebenswerk», sagte er.

Auf Steinbachs umstrittenes Zitat zum Kriegsausbruch ging Seehofer nicht ein. Sie hatte im CDU/CSU-Fraktionsvorstand gesagt: «Und ich kann es auch leider nicht ändern, dass Polen bereits im März 1939 mobil gemacht hat.» Kritiker warfen ihr eine Relativierung der Kriegsschuld vor.

Steinbach schlug in ihrer Rede zurück und griff vor allem die Grünen an. Wenn die Fraktionsvorsitzende Renate Künast und der Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck nun «groß die Klappe aufreißen», könne sie ihnen nur empfehlen, «die antidemokratischen und gewaltgeprägten Lebensläufe mancher Spitzenpolitiker ihrer Grünen- Partei aufzuarbeiten und Bescheidenheit und Demut» zu üben.

Steinbach dankte der Union dafür, dass sie als einzige politische Kraft das Vertriebenenzentrum von Anfang an unterstützt habe. Das sollten CDU und CSU jetzt «nicht selber kaputtreden».

Steinbach betonte am Rande der Veranstaltung auch, dass sie trotz ihres geplanten Rückzugs aus dem Vorstand in der CDU bleiben wolle. Wenn sie sich dort nicht mehr aufgehoben fühlen würde, «hätte ich schon längst Lebewohl gesagt».

Seehofer glaubt nicht an eine Protestpartei rechts von der Union. «Da wird keine Partei entstehen», sagte er. «Wir haben sie in der Nachkriegsgeschichte verhindert und werden sie auch weiterhin verhindern.» Dazu müssten aber drängende Probleme wie die Integration von Ausländern gelöst werden. (dpa)

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