Kommentar über den Welttoilettentag

Jedem Po sein Klo

Um das Ziel der Sanitärversorgung für alle bis 2030 zu erreichen, müssen unbedingt die Bedürfnisse von Personen mit Behinderung in den Planungen für neue Projekte berücksichtigt werden, meint Sven Meyer.
18.11.2019, 18:09
Lesedauer: 2 Min
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Von Sven Meyer
Jedem Po sein Klo

Eine Toilette im Freien im südafrikanischen Township Khayelitsha.

Nic Bothma/DPA

Es war der Slogan einer deutschen Nichtregierungsorganisation anlässlich eines früheren Welttoilettentages: „Jedem Po sein Klo.“ Da rund 4,2 Milliarden Menschen immer noch keinen Zugang zu ausreichenden sanitären Einrichtungen haben, ist dieser Slogan immer noch sehr aktuell.

Das Motto des diesjährigen Welttoilettentages lautet „Niemanden zurücklassen“. Was aber bedeutet das für das Nachhaltigkeitsziel 6 der UN, „Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen für alle“, und insbesondere für die „größte Minderheit des Planeten“ – für Menschen mit Behinderung? Laut der UN leben mehr als 1,2 Milliarden Menschen (rund 15 Prozent der Weltbevölkerung) mit einer Behinderung, rund 80 Prozent davon in den Ländern des globalen Südens.

Für sie ist der Zugang zu sanitären Einrichtungen unter Umständen besonders problematisch. Denn nicht nur, dass Einrichtungen sehr oft nicht barrierefrei zugänglich, die Eingänge oder die Räumlichkeit zu eng sind. Für Personen, die nicht alleine auf Toilette gehen können und auf Hilfe angewiesen sind, kann so etwas bei öffentlichen Toiletten entwürdigend sein. Viele Betroffene sehen sich Vorurteilen ausgesetzt, werden diskriminiert und von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Nicht selten verhindern diese Umstände, dass Kinder zur Schule gehen können.

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BORDA, die Fachorganisation für kommunale Daseinsvorsorge mit Fokus auf dezentralen sanitären Lösungen, hat, neben vielen anderen Projekten, auch solche für eine inklusive Sanitärversorgung realisiert. Unter anderem wurde im St. Angela Chesire Heim für schwerbehinderte Kinder in Lesotho eine barrierefreie Toiletteneinheit eingerichtet. Im Rahmen eines Projektes für Schulen in Afghanistan wurden die Bedürfnisse schwerbehinderter Schulkinder beim Neubau oder der Umgestaltung bestehender Schultoiletten einbezogen. In Leh, Indien, wiederum errichtete die Bremer Organisation eine neue, barrierefreie WC-Anlage.

Einiges ist in dieser Richtung bereits passiert. Um das Ziel der Sanitärversorgung für alle bis 2030 zu erreichen, müssen aber unbedingt auch die Bedürfnisse von Personen mit Behinderung in den Planungen für neue oder erneuerte Sanitäranlagen berücksichtigt werden. Besonders für die Länder des globalen Südens sollten dringend mehr inklusive Projekte für einen Ausbau beziehungsweise Neueinrichtung von sanitären, barrierefreien Einrichtungen ausgeschrieben und realisiert werden. Hier besteht noch viel Luft nach oben, damit es auch in diesen Ländern bis 2030 für jeden Po ein – barrierefrei zugängliches – Klo gibt.

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Zur Person

Unser Gastautor ist Diplom-Geograph und arbeitet seit 2009 bei der Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeforschung und Entwicklung (BORDA).

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