K-Frage der Union

Einer muss zurückziehen

Was, wenn die Kanzlerkandidaten Armin Laschet und Markus Söder sich nicht einigen? Für diesen Fall fordert der CDU-Abgeordnete Andreas Mattfeldt eine Wahl durch die Parteimitglieder.
15.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Hannes Koch
Einer muss zurückziehen

Andreas Mattfeldt: Wenn sich die beiden Kandidaten – entgegen meiner Erwartung – nicht bis Freitag einigen sollten, plädiere ich für eine Urwahl durch die Mitglieder der Union.“

Tobias Koch

Bis spätestens Sonnabend soll die Entscheidung für den gemeinsamen Kanzlerkandidaten der Union fallen. Davon geht die Bremer CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann aus. Sitzungen von Parteigremien seien bis dahin nicht mehr geplant, sagte Motschmann dem WESER-KURIER. Die beiden Kandidaten Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) würden sich nun miteinander oder zusammen mit einer engen Runde von Vertrauten beraten. „Einer von beiden muss dann zurückziehen, anders geht es nicht“, sagte Motschmann.

Sie ist sich allerdings nicht sicher, ob es so kommt. „Dass keiner von beiden zurückzieht, ist nicht völlig auszuschließen.“ Dann freilich habe die Union ein massives Problem. „Die Spitze der Partei müsste einen Weg weisen“, so Motschmann. „Am besten wäre eine Urwahl unter den Mitgliedern, sofern das zeitlich noch möglich ist.“ Andreas Mattfeldt, CDU-MdB für Osterholz und Verden, sieht es genauso. „Wenn sich die beiden Kandidaten – entgegen meiner Erwartung – nicht bis Freitag einigen sollten, plädiere ich für eine Urwahl durch die Mitglieder der Union.“

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In der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am vergangenen Dienstag „habe ich mich für keinen der beiden Kandidaten positioniert“, sagte Mattfeldt. Laschet und Söder präsentierten sich den Abgeordneten. Diese bekundeten ihre Unterstützung für den einen oder anderen. Danach wurde berichtet, Söder habe viel größeren Zuspruch erhalten. Diesen Eindruck will der baden-württembergische CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter, ein Laschet-Unterstützer, so nicht stehenlassen. Nach seiner Zählung der Wortmeldungen habe es nur eine leichte Mehrheit für Söder gegeben.

Der bayerische Ministerpräsident bekam in der Sitzung viel Zuspruch nicht nur aus seinem eigenen Bundesland, sondern beispielsweise auch aus Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Für NRW-Ministerpräsident Laschet sprachen sich unter anderem Abgeordnete aus dessen Heimatland und Sachsen aus.

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Motschmann unterstützt den CSU-Kandidaten. „An der Basis und in der Bevölkerung stelle ich eine Mehrheit für Söder fest“, sagte sie. „Diese Stimmung darf man nicht außer Acht lassen.“ Mattfeldt teilt diese Sicht: „Söder genießt in der Bevölkerung mehr Unterstützung als Laschet.“ Das habe auch eine kleine Umfrage in seinem Umfeld ergeben, erklärte der Abgeordnete. „Deshalb fand ich es merkwürdig, dass das CDU-Präsidium diese Stimmung ignorierte“, so Mattfeldt. Die Spitze der CDU hatte sich am Montag für Laschet als Kanzlerkandidaten ausgesprochen.

Als Argument für Söder wurde in der Fraktion immer wieder genannt, dass die Person des Kandidaten wichtiger sei als das inhaltliche Programm, das sie vertrete. Darauf wiesen unter anderem Abgeordnete aus Baden-Württemberg hin, die bei der jüngsten Landtagswahl eine Schlappe mit ihrer wenig zugkräftigen Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann erlebt hatten. Aus Sachsen-Anhalt war zu hören, Söder könne im dort bevorstehenden Landtagswahlkampf mobilisierend wirken. Der bayerische Ministerpräsident hat derzeit viel bessere Werte in den Umfragen als Laschet. Überhaupt spüren viele Abgeordnete Angst, dass die Union mit Laschet als Kanzlerkandidat im September ein schlechtes Ergebnis einfahren könnte, sodass sie ihre Wahlkreise und Mandate verlören.

Die Anhänger des NRW-Ministerpräsidenten betonten dagegen, es dürfe nicht so viel um momentane Stimmungen gehen, sondern mehr um Grundüberzeugungen. Friedrich Merz, der eigentlich selbst CDU-Chef und Kanzlerkandidat hatte werden wollen, bemängelte, Söder habe erst „nach rechts gewinkt“, und nun umgarne er die Grünen. Er wünsche sich „etwas weniger Anbiederung an den Zeitgeist“, sagte Merz.

Eckhardt Rehberg, CDU-Finanzpolitiker aus Mecklenburg-Vorpommern, verwies darauf, dass der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber als gemeinsamer Kanzlerkandidat 2002 im Norden nicht gut ankam. Und Roderich Kiesewetter betonte, das CDU-Präsidium habe sich am Montag eindeutig hinter Laschet gestellt. „Die Erwartungen vom vergangenen Sonntag und Montag legen nahe, dass der Vorsitzende der CSU den Vorsitzenden der CDU als Kanzlerkandidaten unterstützt“, so Kiesewetter.

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