46-Jähriger vergeht sich an zwei Frauen

K.o.-Tropfen-Täter kommt in Haft

Darmstadt. Ein Moment der Ablenkung genügte.Das Urteil nimmt der 46-Jährige äußerlich ruhig auf. Nach der Urteilsverkündung bespricht er sich mit seinem Verteidiger, ob er die Strafe akzeptieren soll.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Joachim Baier

. Ein Moment der Ablenkung genügte. Im Trubel eines Kneipenfestivals im südhessischen Bensheim konnte der Mann so unbemerkt K.o.-Tropfen ins Glas der Frau träufeln. Später sucht er sich ein weiteres Opfer. Beide Frauen küsst der Mann, eine der Wehrlosen zieht er halb aus, beide lässt er bewusstlos zurück. „Es ist für ihn ein sexuelles Verlangen, hilflosen Frauen den BH wegzunehmen“, sagt der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts Darmstadt, Volker Wagner, als er am Mittwoch das Urteil gegen den 46-Jährigen verkündet. „Es ging ihm um Erniedrigung.“ Die Kammer wertet die Übergriffe als besonders schwere sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung. Die Strafe: sieben Jahre und sechs Monate Haft. Ursprünglich war der Mann sogar wegen versuchten Mordes angeklagt.

Das Urteil nimmt der 46-Jährige äußerlich ruhig auf. Nach der Urteilsverkündung bespricht er sich mit seinem Verteidiger, ob er die Strafe akzeptieren soll. Das bleibt erst einmal offen, die beiden wollen sich das Urteil genau ansehen, so wie auch die Staatsanwaltschaft. Die Anklage hatte neun Jahre Haft gefordert, die Verteidigung um eine „milde Strafe“ gebeten.

Betäuben, Fesseln, Ausziehen – das sei die sexuelle Fantasie des Mannes gewesen, sagt Richter Wagner. Der Mann habe schuhkartonweise CDs mit solchen Szenen besessen, um seine sexuellen Fantasien zu befriedigen. „Sexualität kann zur Sucht werden“, sagt Wagner. „Sucht verlangt auch danach, ausgelebt zu werden.“ Der Mann habe die Fantasie in Wirklichkeit umsetzen wollen.

Und er nahm dabei schlimmste Folgen in Kauf. „Das war eine brandgefährliche Geschichte“, erklärt der Richter. Die Dosis der Tropfen sei hoch gewesen, der Angeklagte habe die Frauen „in die Nähe des Todes gebracht“. Dass er den Tod der Opfer jedoch absichtlich herbeiführen wollte, sei aber nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Deshalb schloss sich die Kammer nicht dem Vorwurf der Anklage an, es handele sich um versuchten Mord. „Es ist auch nicht zweifelsfrei, dass der Tod zu seinem sexuellen Trieb mit dazugehörte.“

Die beiden Taten sind insgesamt gesehen keine Einzelfälle. Nach Angaben der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes wurde vor einigen Jahren ein sprunghafter Anstieg solcher Delikte verzeichnet. Es seien auch schon Menschen an den Folgen gestorben. Die Hilfsorganisation Weißer Ring vermutet eine ziemlich hohe Dunkelziffer. Opfer schämten sich, meist sei der Täter ein Unbekannter, sagt Horst Cerny vom Landesverband Hessen. Er rät Frauen, bei Feiern, in Kneipen und in Diskotheken ihr Getränk nie aus den Augen zu lassen.

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