Katholische Bischofskonferenz tagt in Köln

Woelki will Vertrauen zurückgewinnen

Auf der katholische Bischofskonferenz in Köln geht es auch darum, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Kardinal Rainer Maria Woelki räumte derweil Fehler bei der Aufarbeitung von Missbrauchsvergehen ein.
22.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Benjamin Lassiwe

Die Internetseite des Kölner Amtsgerichts ist in diesen Tagen schwer erreichbar. Am Freitag brachen die Server sogar komplett zusammen. Denn das Gericht hatte neue Termine für den Kirchenaustritt freigeschaltet. Und diese Dienstleitung ist in diesen Tagen im Rheinland gefragt: Denn so wie die Internetseite des Kölner Amtsgerichts droht auch der Rheinische Katholizismus, einer der wichtigsten Standbeine der katholischen Kirche in Deutschland, in absehbarer Zeit zusammenzubrechen. „Der Vertrauensfaden im Erzbistum Köln ist zerstört“, sagt Christian Weisner, Sprecher des Bundesteams der kirchenkritischen Organisation „Wir sind Kirche“. Schuld daran ist eine beispiellose Pannenserie in der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln. Verantwortlich dafür ist vor allem der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki.

Arbeit an ungeliebten Strukturreformen

Der Theologe, der sich schon seit Jahren als konservative Stimme in der katholischen Kirche in Deutschland zu profilieren sucht, hat den Kontakt zu seiner Gemeindebasis verloren. Während sich viele engagierte Katholikinnen und Katholiken in den Gemeinden mehr Mitwirkungsmöglichkeiten für Frauen in der Kirche und eine klare und transparente Missbrauchsaufarbeitung wünschen, arbeitet Woelki an ungeliebten Strukturreformen, etwa der Zusammenlegung von Gemeinden und der Schließung von Pfarrbüros. Und kaum eine Woche vergeht, ohne dass nicht ein neuer Zeitungsbericht erscheint, der Woelki in dem einen oder anderen Missbrauchsfall konkretes Fehlverhalten vorwirft.

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Dagegen stehen zunehmend verzweifeltere Versuche des Kardinals, verlorenes Vertrauen zurückzuerlangen. Am Wochenende wandte sich Woelki – so wie auch andere Bischöfe – mit einem Hirtenbrief zu Beginn der Fastenzeit an die Öffentlichkeit. Er spüre jeden Tag „die tiefen Risse“, die durch das Erzbistum gingen, schreibt Woelki darin. „Den Verdacht von Vertuschung im Kontext der Aufarbeitung von Machtmissbrauch, sexualisierter Gewalt und pädophilen Verbrechen, den gravierenden Vertrauensverlust, die fehlende Akzeptanz und die Frustration.“ Er wisse, dass ihn viele Menschen auch persönlich für Fehler in der Missbrauchsaufarbeitung verantwortlich machen. Er habe sicher auch Fehler gemacht. „Das tut mir von Herzen leid“, sagt Woelki.

Auch in seinem Hirtenbrief verweist der Kölner Erzbischof auf das vom Erzbistum in Auftrag gegebene Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gehrcke. Es soll am 18. März der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Am Freitag hatte der „Spiegel“ berichtet, dass das Gutachten allein für den Zeitraum seit 1975 rund 300 Missbrauchsopfer und 200 Beschuldigte nennt – deutlich mehr, als bislang bekannt.

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Das alles überschattet auch die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die wegen der Corona-Pandemie von diesem Dienstag bis Donnerstag nicht, wie ursprünglich geplant, in Dresden, sondern als Online-Konferenz stattfinden soll. Es mutet fast wie eine Ironie des Schicksals an, dass sich die Bischöfe auf einem Studientag mit dem Thema „Kirchenaustritte“ und „Kirchenverbleib“ beschäftigen wollen. Neben der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs stehen der aktuelle Stand des „Synodalen Wegs“, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum assistierten Suizid sowie die Debatte um ein Papier des Ökumenischen Arbeitskreises Evangelischer und Katholischer Theologen zur Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten auf der Tagesordnung.

Initiative „Maria 2.0“ findet deutliche Worte

Weisner indes weist darauf hin, dass die aktuellen Probleme in der katholischen Kirche nicht nur an Kardinal Woelki und der Situation in Köln festgemacht werden sollten: „Die anderen Bischöfe haben sich auch einiges zuschulden kommen lassen“, sagt Weisner. Auch der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Stephan Ackermann, habe nicht immer richtig gehandelt. „Das Vertrauen in die Bischöfe ist sehr, sehr gesunken – sie werden die Kirche nicht alleine retten können.“ Deutliche Worte fand auch die von Frauengruppen getragene Initiative „Maria 2.0“: Mit einem Thesenanschlag forderte sie in vielen deutschen Bistümern eine umfassende Aufklärung sex­ueller Gewalt, einen Verzicht auf das Pflichtzölibat und den Zugang aller Menschen zu allen Ämtern in der Kirche.

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