Dürre Ernte Kartoffeln werden deutlich teurer

Wegen der monatelangen Trockenheit rechnen die Kartoffelbauern auch in Niedersachsen mit einer historisch schlechten Ernte, die Folgen haben wird: Die Kartoffeln werden kleiner und deutlich teurer.
12.09.2018, 22:13
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Kartoffeln werden deutlich teurer
Von Nico Schnurr

Deutschlands Kartoffelbauern werden in diesem Jahr deutlich weniger Ernte einfahren. Wegen der monatelangen Trockenheit rechnen sie mit einer historisch schlechten Ausbeute, die Folgen haben wird: Die Kartoffeln dürften nicht nur qualitativ schlechter ausfallen, kleine Knollen, schlechte Schalen. Sie werden auch weitaus teurer. Die Branche geht von einer Preissteigerung um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Besonders stark dürfte sich die Missernte auf die Preise von Pommes Frites auswirken. Die kartoffelverarbeitende Industrie warnt bereits vor drohenden Engpässen.

„Wir erwarten eine der kleinsten Kartoffelernten, die wir jemals in Deutschland hatten“, sagt Martin Umhau. Er gehört zum Aufsichtsrat der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, die schätzt, dass die deutsche Kartoffelernte in diesem Jahr wegen der Dürre irgendwo zwischen 8,6 Millionen und zehn Millionen Tonnen liegen könnte. Im Vorjahr hatte sie noch 11,7 Millionen Tonnen betragen. Auch in Niedersachsen, dem Bundesland, in dem die meisten Kartoffeln angebaut werden, erwarten die Bauern erhebliche Einbußen.

„Der vermutete Preisanstieg von 30 Prozent bei den Speisekartoffeln wird wohl zu niedrig angesetzt sein“, sagt Silke Breustedt-Muschalla, Sprecherin des niedersächsischen Landesbauernverbandes. Im vergangenen Jahr sind die Speisekartoffeln in Niedersachsen im Durschnitt mit 13 bis 15 Euro pro Dezitonne gehandelt worden. In der vergangenen Woche lagen sie bei 22 bis 26 Euro pro Dezitonne.

Noch drastischer ist der Anstieg bei den Erzeugerpreisen, die für jene Kartoffeln, die zu Pommes verarbeitet werden, in Niedersachsen gezahlt werden. Im Vorjahr kostete der sogenannte Frittenrohstoff zwischen 4,50 und 5,50 Euro pro Dezitonne. In der vergangenen Woche wurden zwischen 24 bis 26 Euro als Erzeugerpreis für eine Dezitonne fällig. Ein Preisanstieg, den bald auch die Verbraucher spüren werden.

Preisanstieg wohl über 30 Prozent

„Prognosen sind immer auch Angstmacherei, wir sollten die Leute nicht verrückt machen“, sagt Jürgen Brüning. Der Lilienthaler Landwirt hält nichts von Krisenmeldungen, allein schon deshalb, weil wegen ihnen womöglich die Kunden wegblieben und weniger Kartoffeln kauften. Aber auch Brüning weiß: So richtig gut steht es gerade nicht um die Kartoffeln. Seine „Worpsweder Perle“ gibt es mittlerweile nicht nur auf Wochenmärkten und in Hofläden zu kaufen, in Restaurants wird mit ihr gekocht, einige Einzelhändler führen sie. Es lief gut für Brüning, sehr gut sogar, im Jahr erntete er etwa 45 Tonnen Kartoffeln. Dann fiel der Sommer 2017 ins Wasser, zu viel Regen, ein Zehntel seines Ackers so feucht, dass er die Kartoffeln vergessen konnte. Ernte zwecklos. Dann kam 2018, die Trockenheit, ein Sommer, der nicht enden will.

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„Dass wir nun gleich zwei extreme Jahre hintereinander hatten, das schmerzt schon sehr“, sagt Brüning. Besonders die eine Hälfte seines Ackers hat unter der Dürre gelitten. Brüning wäre froh, wenn er auf diesem Stück überhaupt noch die Hälfte seiner Kartoffeln ernten kann. Wahrscheinlich werden es weniger sein. Immerhin, auf der anderen Hälfte seines Ackers wird er in diesem Jahr bloß eine leicht unterdurchschnittliche Ernte verbuchen. Er hat den Abschnitt bewässert. Aber auch das kostet Geld und hilft nur wenig gegen einen Sommer, in dem Temperaturen über 30 Grad fast schon die Regel sind. Dann nämlich hören Kartoffeln zu wachsen auf, ganz gleich, wie viel Wasser sie bekommen. Kleine Knollen, das Ergebnis dieses Sommers. Brüning sagt: „Dieses Jahr werden die Landwirte versuchen, jede Kartoffel zu vermarkten, selbst die ganz kleinen.“

Knollen sind zu klein für Pommes

Die Folge: „Pommes und Chips werden bald nicht nur deutlich teurer, sondern auch kleiner und kürzer“, sagt Lüder Wessels. Seit etwa 45 Jahren baut der Syker Kartoffeln an. „So einen extremen Sommer habe ich noch nicht erlebt“, sagt er. Weniger als die Hälfte seiner durchschnittlichen Ernte wird er dieses Jahr zusammenbekommen.

Wessels beliefert Firmen, die seine Kartoffeln weiterverarbeiten, etwa zu Chips. Normalerweise müsste er nun Strafe zahlen, weil er die verabredeten Mengen nicht liefern kann. Die Klausel aber haben die Firmen gerade aus dem Vertrag gestrichen, Notlage. Für Wessels ist das eine Erleichterung. Für die Firmen ist es eine letzte Chance, überhaupt noch an irgendwelche Kartoffeln zu kommen.

Vor allem an Knollen in Übergröße, die eigentlich für die Produktion von Pommes Frites benötigt werden, mangelt es schon jetzt. Das steigert nicht nur den Pommes-Preis, es sorgt auch dafür, dass bereits vermehrt kleine Kartoffeln zum Einsatz kommen. Horst-Peter Karos, der Geschäftsführer des Bundesverbands der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie, kündigte bereits vor Wochen an: „Wenn die größeren Sortierungen nicht da sind, muss man auf kleinere Chargen zurückgehen.“

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Drohen die Kartoffeln also knapp zu werden? Karos warnt schon jetzt vor Engpässen in der Pommes-Produktion. Landwirt Lüder Wessels meint dennoch: „Es wird nicht zu einem Versorgungsproblem kommen.“ Es werde schon genug Kartoffeln geben, auch in diesem Jahr, sagt Jürgen Brüning. Vielleicht kämen die Knollen dann eben nicht aus Deutschland, sondern aus Spanien oder einem anderen Land in Europa. Günstiger, glauben die beiden Landwirte, wird das die Pommes aber nicht machen.

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