Kommentar über Plastikmüll Keine Zeit für Spielchen

Der Vorstoß der EU-Kommission zum Verbot einiger Plastikartikel kommt spät, aber er ist überfällig, meint Brüssel-Korrespondent Detlef Drewes.
28.05.2018, 19:14
Lesedauer: 2 Min
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Keine Zeit für Spielchen
Von Detlef Drewes

Die Bilder sind herzzerreißend. Ein Seepferdchen hat sich um einen Plastik-Trinkhalm gewickelt, weil das Tier den Stab für eine Pflanze hielt. In unseren Meeren sind neue Kontinente entstanden – aus Kunststoffabfall. Von solchen Fotos, die es aus allen Teilen der Welt gibt, lassen wir uns zwar berühren. Aber: Welche Folgen hat die langsame Rückkehr des Plastiks in unsere Nahrungskette für uns? Der Vorstoß der EU-Kommission kommt spät, er ist überfällig. Weil unsere Plastikkultur längst wichtige Lebensräume ruiniert. Dennoch bricht bereits ein Glaubensstreit darüber aus, ob es sinnvoll ist, die Herstellung bestimmter Produkte aus Kunststoffen zu verbieten – oder ob es nicht besser wäre, auf die Einsicht von Verbrauchern und Herstellern zu hoffen.

Nein, das ist kein Weg. Den Glauben an die Vernunft muss verlieren, wer sieht, wie die, die sich nicht bevormunden lassen wollen, unsere Strände hinterlassen. Produkte, die die Kommission nun zügig aus dem Verkehr ziehen lassen will, stellen 70 Prozent unseres Abfalls an den Meeren. Appelle sind schön, aber sie fruchten nicht. Das Problem sollte an der Wurzel angefasst werden. Warum müssen Rührstäbchen aus Plastik sein?

Der Vorstoß aus Brüssel setzt ein bewährtes Prinzip in der Umweltpolitik konsequent fort: Die Verursacher sind für die Entsorgung verantwortlich. Dies hat in vielen Bereichen zum Ersatz von Kunststoffen geführt, weil Kaffeebecher auch aus Pappe alle hygienischen Anforderungen erfüllen – von eigenen, selbst mitgebrachten Behältnissen ganz zu schweigen. Verbraucher und Industrie haben das Problem des Plastikmülls bisher in den Weltmeeren verklappt. Doch das Thema ist damit nicht weg, sondern schwimmt weiter an der Oberfläche.

Dass Einweg-Plastikflaschen selbst in Deutschland, wo das Mehrwegsystem längst etabliert ist und Plastik auch getrennt gesammelt wird, weitere Kreise ziehen, darf nicht hingenommen werden. Sammelquoten von im Schnitt 30 Prozent in der EU sind ein Alarmzeichen, kein Grund zur Entwarnung. Es bleibt zu hoffen, dass das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten, die den Vorschlag nun noch beschließen müssen, ihn nicht verwässern oder verschleppen. Unsere Meere und unsere Gesundheit haben keine Zeit mehr für solche Spielchen.

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