Kommentar über den Iran-Konflikt

Keiner sucht den Ausgleich

Was die Situation vor allem brandgefährlich macht, ist die fehlende Bereitschaft sowohl in Washington als auch in Teheran, nach einem Ausgleich zu suchen, schreibt Thomas Spang.
06.05.2019, 18:30
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Keiner sucht den Ausgleich
Von Thomas Spang

Donald Trump setzt auf volle Konfrontation. Der Präsident riskiert eine militärische Eskalation mit dem Iran. Die Ankündigung des Nationalen Sicherheitsberaters der USA, John Bolton, den Flugzeugträger Abraham Lincoln an den Persischen Golf zu schicken, ist dabei nur das kleinere Problem. Dieser war ohnehin schon auf dem Weg in die Region, deren strategische Bedeutung wegen der Straße von Hormuz auf der Hand liegt. Weil rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls durch dieses Nadelöhr fließen, kreuzen unweit von hier routinemäßig US-Kriegsschiffe.

Die eigentliche Provokation der USA besteht in dem Versuch, Iran den Ölhahn abzudrehen. Außenminister Mike Pompeo kündigte Ende April abrupt an, die bis dahin geltenden Ausnahmegenehmigungen für die Sanktionen von Ölverkäufen aus dem Iran für acht Nationen, darunter China, aufzuheben. Der Schritt folgte genau ein Jahr nach der einseitigen Aufkündigung des mühsam ausgehandelten Atom-Abkommens mit Iran durch die Trump-Regierung. Weil sich die Mullahs durch diesen Schritt nicht provozieren ließen, legte der US-Präsident nach. Trump setzte sich über Warnungen aus dem Pentagon und der Geheimdienste hinweg, und stufte die “Iranischen Revolutionsgarden” als “terroristische Organisation” ein.

Kritiker der “Maximalen-Druck”-Kampagne der USA gegenüber dem Mullah-Regime beanstanden zu Recht, dass diese strategisch nicht zu Ende gedacht ist. Zum einen gibt es reichlich Erfahrungswerte, die zeigen, wie die Hardliner in Iran Druck von außen instrumentalisieren, ihre eigene Macht zu festigen. Zum anderen erlauben die USA dem Regime, sich auf der internationalen Bühne als Opfer zu präsentieren.

Indem sich Trump in dem Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten vor den Karren der Saudis spannen lässt, riskiert er, in einen “Krieg aus Versehen” hinein zu schlittern. Und was die Situation vor allem brandgefährlich macht, ist die fehlende Bereitschaft auf allen Seiten, nach einem Ausgleich zu suchen. Das Pulverfass im Mittleren Osten kann jederzeit explodieren.

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